Lehrplan 21 bringt bis zu vier zusätzliche Mathestunden

Primar- und Sekundarschüler im Kanton Bern werden ab dem Jahr 2018 zwischen zwei und vier zusätzliche Deutsch- und Mathematiklektionen pro Woche haben.

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Die Lektionentafel des Lehrplans 21 sieht im Entwurf vor, dass Berner Schüler zwischen zwei und vier zusätzliche Deutsch- und Mathematiklektionen pro Woche haben. Laut dem am Dienstag vorgestellten Papier werden Primarschüler ab 2018 zwei zusätzliche Wochenlektionen Deutsch und drei zusätzliche Wochenlektionen Mathematik besuchen. Auf der Sekundarstufe I sind es drei Lektionen mehr Deutsch und vier Lektionen mehr Mathematik.

Eine weitere Neuerung ist, dass bernische Schüler ab 2018 auch in einem Fach namens «Medien und Informatik» unterrichtet werden. Dies ab der 5. Primarklasse. Eine Lektion pro Woche ist – mit Ausnahme des 8. Schuljahrs – dafür vorgesehen.

Zudem ist geplant, die heute noch fakultative individuelle Lernförderung und die Mittelschulvorbereitung zu einem festen Bestandteil der Lektionentafel zu machen. Das gab der bernische Erziehungsdirektor Bernhard Pulver am Dienstag in Bern vor den Medien bekannt.

Bern wird durchschnittlich

Im vergangenen November hatte die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) den Lehrplan 21 zur Einführung in den Kantonen freigegeben. Mit diesem Lehrplan wollen 21 deutsch- und mehrsprachige Kantone die Unterrichtsinhalte harmonisieren.

Schon seit längerem ist bekannt, dass die Gesamtzahl der Lektionen an der bernischen Volksschule im Vergleich zu anderen Kantonen unterdurchschnittlich ist. Dies vor allem in den Fächern Deutsch und Mathematik. Die kantonale Erziehungsdirektion kündigte deshalb an, dass der Unterricht in diesen Fächern aufgestockt werden würde.

Mit der Lektionentafel wird diese Ankündigung nun konkretisiert. Werde die Lektionentafel so eingeführt wie nun vorgestellt, sagte Pulver am Dienstag, werde die Zahl der Lektionen an der bernischen Volksschule nun fast exakt dem Schweizer Durchschnitt entsprechen.

Mit den Mehrlektionen in den Bereichen Mathematik, Medien und Informatik und durch eine Stärkung der Themen Natur und Technik im Fachbereich Natur-Mensch-Gesellschaft (NMG) würden die so genannten MINT-Fächer aufgewertet, sagte Pulver weiter. Das entspreche einer oft geäusserten politischen Forderung.

MINT meint Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie. Der Fachbereich NMG heisst heute noch Natur-Mensch-Mitwelt (NMM). Dass an den bernischen Volksschulen Informatik unterrichtet wird, ist an sich nicht neu, doch steht dafür neu eigens eine Lektion zur Verfügung.

22,4 Millionen Franken Mehrkosten

Der Entwurf der Lektionentafel geht nun bis Ende März in eine Vernehmlassung an Organisationen wie die Lehrergewerkschaft LEBE oder den Verband Bernischer Gemeinden. Pulver will bis zum Sommer die Lektionentafel auch mit Lehrpersonen und Behörden diskutieren und danach alle Rückmeldungen auswerten.

Erst Anfang 2016 will der kantonale Erziehungsdirektor die definitive Lektionentafel festlegen. In Kraft treten soll sie am 1. August 2018 für den Kindergarten und das 1. bis 7. Schuljahr, ab August 2019 respektive ab August 2020 für das 8. und 9. Schuljahr.

Bevor die neue Lektionentafel den Unterricht in den bernischen Schulen verändert, hat aber der bernische Grosse Rat noch ein Wörtchen mitzureden: Er soll im November dieses Jahres die nötigen Mittel für die Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Bern bewilligen. Dies im Rahmen des Budgets 2016 und des Aufgaben- und Finanzplans 2017-2019.

Es geht um jährliche Mehrkosten von 22,4 Millionen Franken für den Kanton Bern und um fast 32 Millionen Franken für Kanton und Gemeinden zusammen. Das entspreche etwa der Ankündigung im Abstimmungsbüchlein von 2009 zur Einführung des HarmoS-Konkordats, sagte Pulver.

Es handle sich ausschliesslich um zusätzliche Lohnkosten, sagte der kantonale Erziehungsdirektor weiter. Es fielen keine zusätzlichen Kosten für Administration oder ähnliches an.

cla/sda

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