Wer wird Super-Museumsdirektor?

Kunstmuseum und Klee-Zentrum rücken auch operativ zusammen. Das soll zu tieferen Kosten und höherem Ansehen führen. Jetzt fehlt nur noch der neue Chef – oder die neue Chefin.

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Michael Feller@mikefelloni

Wir zählten Tag 121 in seiner Karriere als Stiftungsratspräsident von Zentrum Paul Klee (ZPK) und Kunstmuseum Bern. Zeit, «Pflöcke einzuschlagen»:?Am Donnerstag blies Jürg Bucher im Hotel Schweizerhof zum Aufbruch. Der wichtigste Punkt: Die beiden Museen erhalten eine gemeinsame künstlerische Leitung. Das Ziel: Exzellenz. Bern soll in die Top 3 der Schweizer Kunststädte aufsteigen.

Gesucht wird eine Superdirektorin oder ein Superdirektor für beide Häuser. Eine Findungskommission soll den richtigen Mann oder die richtige Frau aufspüren. Eine grosse Aufgabe. Ab sofort darf spekuliert werden, welcher Kandidat auf dem Karussell der Aufgabe am besten gewachsen ist (siehe Bilderstrecke).

Jemand für den Konsens

Für den Direktionsposten schwebt Bucher kein Alleinherrscher vor, sondern jemand, der in der Geschäftsleitung den Konsens sucht. In diesem neu gebildeten Gremium sollen neben dem Direktor als künstlerischem Leiter auch die Leiterinnen und Leiter der Abteilungen Infrastruktur, Kaufmännisches und Sammlungen sitzen. Von ihnen ist erst eine Person bekannt: Der bisherige Kunstmuseum-Direktor Matthias Frehner wird die Sammlungen beider Museen betreuen. Der bisherige ZPK-Chef Peter Fischer tritt Ende Februar zurück.

Bis dann sollen die übrigen Führungsposten besetzt sein – bis auf jenen des neuen Direktors. Die Findungskommission hat hierfür mehr Zeit. Vom 1.März 2016 bis zum Amtsantritt des Superdirektors wird Vizepräsident Marcel Brülhart, Berns Mann für alle Fälle, die Museen interimistisch führen.

Das am Donnerstag vorgestellte neue Organigramm bedeutet die grösstmögliche Annäherung der beiden Institutionen im Dachstiftungsmodell. Sämtliche Abteilungen werden zusammengelegt.

Ist das nun die Fusion? «Klar und eindeutig: Nein!», stellte Bucher am Donnerstag klar. Die Häuser bleiben eigenständig, etwa was den Besitz der Sammlungen betrifft, und gegen aussen sollen weiterhin zwei Marken erkennbar sein. Die Organisation soll aber so weit zusammengelegt werden, dass die Museen gestärkt auftreten können, etwa im internationalen Leihverkehr. Und, ganz entscheidend: Stiftungsratspräsident Jürg Bucher rechnet mit Einsparungen in der Höhe «eines grösseren sechsstelligen Betrags». Die frei werdenden Mittel sollen für Ausstellungsprojekte eingesetzt werden. Als Folge des Zusammenrückens kommt es auch zu Einsparungen beim Personal, vor allem in der Administration. Bucher stellt «sozialverträgliche Lösungen» in Aussicht. Bis im nächsten Sommer sollen die Angestellten Gewissheit haben, ob sie ihren Job behalten können.

«Nicht die Schulbuben»

Marcel Brülhart nutzte die gestrige Medienkonferenz, um als Verhandlungsführer über das Gurlitt-Erbe zu informieren. Derzeit ist die Entscheidung, ob die Bilder tatsächlich nach Bern kommen, beim Amtsgericht München hängig. Brülhart betonte die zugleich entschiedene und gelassene Haltung des Kunstmuseums: «Wir kämpfen nicht ums Erbe, lassen uns aber auch nicht wie Schulbuben behandeln.»

Damit sprach er auch den Zwist um die erste Gurlitt-Ausstellung an. Die deutsche Regierung möchte die Bilder zuerst in Bonn zeigen. Bern hat dabei aber ein Wörtchen mitzureden. Die Ambition der Dachstiftung reicht indes weiter: Brülhart schwebt ein Kompetenzzentrum für Provenienzforschung vor.

Und Matthias Frehner?

Auch Matthias Frehner wird sich mit dem Gurlitt-Erbe beschäftigen – künftig als Sammlungsleiter und Verantwortlicher für die Provenienzforschung. Für ihn ist die Versetzung ins zweite Glied offensichtlich nicht ganz schmerzfrei. Der Noch-KMB-Direktor war zwar am Donnerstag im Schweizerhof anwesend, wollte aber nicht mit der Presse sprechen.

Stattdessen zog er eine vorgefertigte Erklärung aus der Innentasche seines Jacketts. «Ich stehe voll und ganz hinter dem Entscheid der Dachstiftung», steht darin. Und:?«Persönlich freue ich mich insbesondere auf die anspruchsvollen Forschungsaufgaben im Bereich der beiden Sammlungen sowie auf die Integration der Sammlung Gurlitt.»

Berner Zeitung

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