Sulejmani: Meistermacher für die Young Boys

YB verpflichtet wie erwartet den spielstarken Serben Miralem Sulejmani (26) von Benfica Lissabon – für rund drei Millionen Franken Ablöse.

Quelle: youtube.ch/ybchannel

Fabian Ruch

Am Ende dauerte es noch ein paar Tage, bis alle Details vertraglich festgelegt waren. Gestern gaben die Young Boys einen Transfer bekannt, den die Berner Zeitung am Samstag angekündigt hatte: Miralem Sulejmani verstärkt die Berner. «Er ist ein echter Gewinn», sagt Fredy Bickel, «und in der Offensive auf beiden Flügeln sowie im Zentrum hinter einem Stürmer einsetzbar.» Der YB-Sportchef traf sich mit Sulejmani bereits im März erstmals und ist erleichtert über den Deal: «Wir wollten ihn unbedingt. Er ist ein sehr guter Typ, auf den sich die Zuschauer freuen dürfen.»

Sulejmani unterbrach am Samstag seine Ferien mit Freundin und Sohn in Dubai und flog nach Bern zur Unterzeichnung eines Dreijahresvertrages. «YB hat grosse Pläne und will den Titel holen, das gefällt mir. Ich bin in den letzten fünf Jahren Meister geworden, die Serie darf weitergehen», sagt er. Sulejmani gewann seit 2010 stets mindestens einen Titel (mit Ajax Amsterdam 2010 Cupsieger und 2011 bis 2013 Meister, mit Benfica Lissabon 2014 das Double und zuletzt Meister).

Technisch brillant und flink

Sulejmani ist ein technisch vorzüglicher, flinker, schussstarker Spieler. Die Karriere des Serben startete bei Heerenveen (37 Spiele, 14 Tore, 11 Assists) derart brillant, dass Ajax 2009 für das Supertalent rund 25 Millionen Franken Ablösesumme an den holländischen Kleinklub überwies. Sulejmani ist mit Abstand der Rekordtransfer in der glorreichen Ajax-Vereinsgeschichte, spätere Weltstars wie Zlatan Ibrahimovic und Luis Suárez kosteten Amsterdam etwa 10 Millionen weniger. Bei Ajax avancierte der kraftvolle Sulejmani mit seiner spektakulären Spielweise rasch zum Publikumsliebling, in fünf Jahren bestritt er 158 Partien und sammelte 68 Skorerpunkte (38 Tore, 30 Assists).

Allerdings gelang es Sulejmani nicht ganz, die gewaltigen Erwartungen zu erfüllen. 2013 wechselte der Linksfuss ablösefrei zu Benfica, wo er 34 Spiele absolvierte (3 Tore, 5 Assists). In der abgelaufenen Spielzeit tat sich Sulejmani im breit und stark besetzten Kader schwer, zumal er mehrmals verletzt ausfiel. Vor einer Woche immerhin stand er beim 2:1-Sieg gegen Maritimo im Ligacupfinal in der Startformation.

Und jetzt kommt Sulejmani (178 Zentimeter, 73 Kilogramm) in die Schweiz, um seine Karriere neu zu lancieren. Der 26-Jährige trifft dabei auf Landsmann Milan Vilotic, den er aus dem Nationalteam kennt. «Er hat mir viel Gutes über YB und Bern erzählt», sagt Sulejmani (18 Länderspiele, 1 Tor, 3 Assists), der zuletzt wieder für die serbische Auswahl nominiert gewesen wäre, wegen der Verhandlungen mit YB aber auf das Aufgebot verzichtete.

Benito und ein Transferbudget

Vermutlich wird Sulejmani in Bern auf einen aktuellen Mitspieler treffen. Linksverteidiger Loris Benito, einst beim FCZ überzeugend, spielt bei Benfica keine Rolle mehr und gilt als ernsthafter Kandidat bei YB. «Wir müssen abwarten, was mit unseren Spielern passiert», sagt Bickel, «ehe wir einen zweiten grossen Transfer machen.» YB-Akteure wie Renato Steffen und Sékou Sanogo werden ja bei anderen Klubs als Zugänge gehandelt. «Es gibt keine Anzeichen, dass uns einer verlässt», sagt Bickel, «aber wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet.» Geht Steffen, wäre Marco Schönbächler (FCZ), der ablösefrei ist, ein möglicher Ersatz.

Die Young Boys sind gewillt, Basel zu attackieren, Bickel hat ein Budget von etwa 5 Millionen erhalten, um das Team zu verstärken. Sulejmani dürfte inklusive Handgeldern für Berater etwas mehr als 3 Millionen kosten und einer der YB-Topverdiener sein. Im Erfolgsfall erhält er wie Guillaume Hoarau über eine Million jährlich. «Aber es gibt bei uns auch ein Verkaufsbudget, das wir jedes Jahr einhalten müssen», sagt Bickel. Und so ist realistisch, dass ein Abgang von Steffen, Sanogo, Vilotic oder des talentierten Goalies Yvon Mvogo in den nächsten Monaten kommuniziert wird – möglicherweise aber erst auf Sommer 2016. Dann möchte YB Meister sein.

Sulejmani in Aktion:

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Berner Zeitung

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