Das Bundesasylzentrum Thun ist schon geschlossen

Thun

Im ehemaligen Bundesasylzentrum auf dem Thuner Waffenplatz laufen die Aufräumarbeiten. Der Betrieb wurde per Freitag eingestellt. Der städtische Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler (SP) zieht eine positive Bilanz – mit Vorbehalt.

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Marco Zysset@zyssetli

«Wie geplant hat das Staatssekretariat für Migration das Bundesasylzentrum (BZ) Thun nach fünf Monaten Betrieb per 13. Mai wieder geschlossen.» Das teilte das Eidgenössische Staatssekretariat für Migration (SEM) am Freitagnachmittag in einem kurzen Communiqué mit. Seit der Eröffnung am 18. Dezember 2015 haben sich 511 Gesuchsteller im BZ Thun aufgehalten.

Mit 198 Gesuchstellern stammte gemäss der SEM-Mitteilung mehr als ein Drittel der beherbergten Asylsuchenden aus Afghanistan, gefolgt von Gesuchstellern aus Gambia, Sri Lanka, dem Irak und Nigeria. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Asylsuchenden im Bundeszentrum habe 45 Tage betragen, heisst es weiter.

Übergabe fürs Turnfest

In den nächsten zwei Wochen wird das SEM die Infrastruktur in den beiden Panzerhallen auf dem Thuner Waffenplatz abbauen. Per Ende Mai übergibt es diese dann wieder dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. «Somit können die Organisatoren des kantonalen Turnfests die Panzerhallen termingerecht übernehmen», schreibt das SEM.

Die Bewohner des Bundesasylzentrums beteiligten sich in den letzten fünf Monaten aktiv an ­gemeinnützigen Beschäftigungsprogrammen im öffentlichen Raum der Stadt Thun. So putzten sie den Schlossberg und reinigten die Böschungen entlang von Kantonsstrassen.

Zufrieden, aber...

Entsprechend unterscheidet der Thuner Gemeinderat und Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler (SP) in seiner persönlichen Bilanz denn auch zwischen dem öffentlichen Raum und dem Areal des Zentrums. «Bis auf einen schwerwiegenden Vorfall bin ich zufrieden», sagt er und spricht einen Vorfall im Februar an, als Asylbewerber bei einer Kontrolle in der Innenstadt Polizisten tätlich angriffen (wir haben berichtet). «Zu einem guten Teil verdanken wir es den zahlreichen freiwilligen und karitativen Angeboten von Privatpersonen und Institutionen, die den Asylsuchenden Beschäftigungsmöglichkeiten und Strukturen geboten haben.»

Zudem habe sich wohl auch die Tatsache positiv ausgewirkt, dass das Zentrum nie mit den möglichen 600 Personen voll belegt gewesen sei. Er habe selber verschiedene Anlässe besucht. «Wenn 80 bis 100 Personen zusammen im Kirchgemeindehaus einen Anlass besuchen, sind sie nicht gelangweilt auf der Strasse anzutreffen», so Siegen­thaler. Und: «Ich würde mir wünschen, dass wir diese karitativen Strukturen, die da entstanden sind, für ähnliche künftige Herausforderungen erhalten und pflegen könnten.»

Allerdings habe die grosse Hilfsbereitschaft die Stadt auch vor grosse Herausforderungen gestellt. «Wir mussten extra eine 40-Prozent-Stelle schaffen, die die vielen Anfragen koordiniert und kanalisiert hat.» Laut Siegenthaler hat das SEM einen Teil dieser Kosten übernommen. Auch die Kosten für die Polizeieinsätze im BZ wurden nicht auf Kosten der Stadt Thun geleistet.

Lob für Zentrumsleitung

Siegenthalers Bilanz über den Betrieb innerhalb des Zentrums fällt indes etwas zwiespältiger aus. «Ich habe festgestellt, dass die Polizei oft anrücken musste, um bei Streitereien oder Schlägereien zu schlichten, oder auch wegen Diebstahl- oder Betäubungsmitteldelikten», sagt er, wobei die Polizei laut einer Sprecherin den Deliktskatalog bestätigt.

Die Zentrumsleitung habe jedoch seiner Meinung nach stets gut reagiert und alles dafür unternommen, die Situation zu beruhigen, «zuletzt nach Ostern, als mehrere Bewohner in Ausschaffungshaft oder andere Zentren verbracht wurden». Der Thuner Gemeinderat betont auch die ­«offene und konstruktive Zusammenarbeit» mit der Zentrumsleitung. «Unsere Anliegen wurden auf- und ernst genommen.»

Damit nimmt er gewisse Antworten schon vornweg, welche die Fraktion von SVP und FDP gemäss einer Medienmitteilung am 3. Juni im Stadtrat aufgreifen will. Sie kündigt einen Vorstoss an, in dem sie «detailliert Auskunft» darüber verlangt, «welche Erfahrungen die Stadt Thun mit dem Zentrum gemacht hat und welches Fazit der Gemeinderat für künftige Nutzungen daraus zieht».

Thuner Tagblatt

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