Der Kocherpark soll leben

Bern

Letztes Jahr ­fanden im Kocherpark gleich drei Events statt. Das Polizeiinspektorat möchte den Park längerfristig für Veranstaltungen öffnen.

Kino im Kocher: An acht Abenden wurden letztes Jahr Filme im Kocherpark gezeigt. Ein Bedürfnis, wie dieses Bild zeigt.

(Bild: pd/Pascale Amez)

Claudia Salzmann@C_L_A

Mutig sei es gewesen, sagt Marc Heeb vom Polizeiinspektorat, wenn er vom vergangenen Sommer spricht. Parkonia, Kino im Kocher und Stadtoasen ­– gleich drei mehrtägige Events wurden im Kocherpark bewilligt. In einem Park, der seit dreissig Jahren quasi leer ist und dem das Image eines Drogenparks anhängt. Heeb sagt: «Danach haben wir viele Beschwerden der Anwohner erhalten. Diese Beschwerden nehmen wir ernst und als Grundlage, um in diesem Jahr zu justieren.»

Eine Erkenntnis sei, dass die Events zeitlich weiter auseinanderliegen müssten. Deshalb gibt es nun zwischen dem Open Air Parkonia, welches im Juli stattfindet, und dem Kino im Kocher im August zwei Wochen Pause. Beide Events wurden letztes Jahr zum ersten Mal durchgeführt. Beim Kino im Kocher sei man sich schnell einig gewesen, es zu wiederholen. «Zumal der Hauptsponsor EWB wieder mit an Bord ist», sagt Pablo Sulzer vom OK.

Weder lange noch laut

Letztes Jahr sei das Konzept von Stadt und Quartiermitwirkung auf Anhieb positiv aufgenommen worden. Dieses Jahr sprach das OK bei der Quartiermitwirkung vor. «Nach unserer Erklärung wurde das Konzept einstimmig angenommen, das war richtig toll», sagt Sulzer. Die Zustimmung der Anwohner ist laut Heeb sehr wichtig. «Daher empfahlen wir auch, an Wohnungs­türen zu klopfen und nachzufragen.» Pablo Sulzer bestätigt: ­«Genau das ­taten wir und merkten, dass die Mehrheit der Nachbarn wieder ein Kino will.»

Anpassen müssen die Kino­organisatoren allerdings einiges: Die Anspielzeiten seien früher, teilweise werde es noch nicht einmal ganz dunkel sein. Auch dürften nicht zu lange oder zu laute Filme gezeigt werden, so Pablo Sulzer. Marc Heeb meint, dass die Anrainer ein Recht ­darauf hätten, auf ihrem Balkon ohne Ohrschutz zu sitzen. «Die Lautsprecher müssen deshalb anders ausgerichtet werden.» Gleich bleibt, dass die Bar nur noch in der Filmpause offen ist, somit müssen ­Anwohner nicht mit spätem Lärm rechnen.

Auch das Open Air Parkonia geht in die zweite Runde, wofür letzte Woche die Festwirtschaftsbewilligung eingetroffen ist. «Wir sind froh, wenn wir die ­Anträge früh bekommen. Wir werden aber niemandem einen reinbremsen und eine Veranstaltung spät nicht bewilligen», sagt Heeb. Usus sei, die Bewilligung kurz vor der Veranstaltung auszustellen. «Wir klären aber früh mit dem Veranstaltenden die Grundsatzfragen», präzisiert Heeb. Letztes Jahr knackte die Stadt Bern die Grenze von 1000 Events.

Die dritte Veranstaltung, das zweitägige Technofest Stadt­oasen, wird hingegen nicht mehr im Kocherpark durchgeführt. Nicht wegen Klagen aus der Nachbarschaft, sondern wegen der ­Abwechslung: «Unser Konzept sieht vor, dass die Stadtoasen in wechselnden Pärken stattfindet», sagt Diego Dahinden, der das Festival mit seinem Club Kapitel und dem Label Fraktion Tanz durchführte. Nun findet es in kleinerer Form auf dem Kleeplatz statt.

Plätze ausschreiben?

Nach einem Event sei es die Aufgabe des Polizeiinspektorats zu prüfen, wie alles vonstattenging. «Man muss die Balance zwischen Ruhe und Events im Kocherpark noch finden», sagt Heeb, betont aber das Potenzial dieser zentralen Grünanlage dafür, Events durchzuführen. «Das ist langfristig unser Ziel.»

Diese Festwirtschaftsbewilligungen seien unter Druck, sagte Max Reichen von der Buck Pro Nachtleben Bern gegenüber dieser Zeitung. «Wir haben diese ­Bewilligungen schon lange, seit Jahren beispielsweise beim Summer Beach auf der Grossen Schanze», sagt Heeb. Eine denkbare Alternative für ­etwas zwischen dieser Bewilligung und einem langwierigen Bauvorhaben sieht er in einer Variante für vier bis fünf Monate. «Ein schneller Notpass, der dafür doppelt so viel kostet», sinniert Heeb.

Nebst dem Kocherpark werden auch andere öffentliche Plätze belebt wie die Grosse Schanze oder auch das Aareufer. «Wenn dann die Nachfrage grösser ist als das Platzangebot, müsste sich die Stadt überlegen, ob sie Plätze nicht ausschreibt.»

Berner Zeitung

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