Perlen der tschechischen Romantik

Thun

Das Thuner Stadtorchester spielt im 3. Sinfoniekonzert Werke von Antonín Dvo?ák und Zden?k Fibich – zwei musikalische Perlen, die sonst eher im Verborgenen schimmern.

Will mit seinem Konzert an einen Vergessenen erinnern: Das Thuner Stadtorchester spielt am nächsten Wochenende Zden?k Fibichs Sinfonie Nr. 2 Es-Dur op. 38.

Will mit seinem Konzert an einen Vergessenen erinnern: Das Thuner Stadtorchester spielt am nächsten Wochenende Zden?k Fibichs Sinfonie Nr. 2 Es-Dur op. 38.

(Bild: Markus Hubacher)

Beim Gedanken an tschechische Musik drängen sich unweigerlich die Namen Bed?ich Smetana und Antonín Dvo?ák auf. Klassikkenner fügen den Komponisten Zden?k Fibich hinzu. Doch der Letztgenannte steht heute etwas im Schatten von Dvo?ák und Smetana, obwohl es seine Musik nicht verdient.

Das Werk Fibichs der Vergessenheit zu entreissen, dazu will das Thuner Stadtorchester beim 3. Sinfoniekonzert am kommenden Wochenende mit der Aufführung einer hochstehenden Sinfonie aus seiner Feder beitragen.

Früher Zugang zur Musik

Zden?k Fibich wurde 1850 geboren und wuchs in einer Forstmeisterfamilie in Všebo?ice auf. Er fand den Zugang zur Musik vor allem durch seine aus Wien stammende Mutter, die sein Talent erkannte. Zuerst besuchte er Gymnasien in Wien und Prag, später das Leipziger Konservatorium.

In Paris unterrichtete er und gab in Adelskreisen Klavierkonzerte. Er sei ein exzellenter Pianist, Solo- und Kammerspieler wie auch Begleiter gewesen, versicherte der Fibich-Monograf Jaroslav Jiránek in einem Interview. Später studierte Fibich Komposition, Dirigieren und Kontrapunktik bei Vinzenz Lachner in Mannheim.

Schöngeistiger Zeitgenosse

Als seinen Dauerwohnsitz wählte Fibich jedoch Prag, gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine besonders vitale Kulturstadt. Er bestritt seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit Privatstunden am Klavier und in Musiktheorie, war aber kurz auch als Kapellmeister und Chorleiter am Ständetheater und als Operndramaturg am Nationaltheater tätig. In der Öffentlichkeit galt Fibich als scheu, unter Freunden sei er allerdings gesprächig und herzlich gewesen und habe gerne gescherzt, erzählte Jiránek.

Er sprach Tschechisch und Deutsch, kannte sich in der Musik, der Literatur und der bildenden Kunst aus, sammelte Reproduktionen von Porträts bedeutender Persönlichkeiten, frühe Landschaftsfotografien, war Naturliebhaber und wanderte gern, insbesondere in den Alpen. Auch sammelte er Schmetterlinge und zeichnete sie. Ausserdem war er wegen seiner Bewunderung für die technischen Errungenschaften seiner Zeit bekannt – insbesondere Dampflokomotiven hatten es ihm angetan.

Sein künstlerisches Leben teilt Jiranek in drei Etappen ein, die von Fibichs Frauen geprägt wurden: seiner ersten Frau Ružena Hanušová, mit der er jedoch nur sehr kurze Zeit leben konnte. Weiter ihre Schwester, die Sängerin Betty Hanušová, die er nach Ruženas Tod heiratete und mit der er fast das ganze Leben verbrachte. Die dritte Frau im Leben Fibichs war seine 18 Jahre jüngere Schülerin Anežka Schulzová, seine Spätliebe, die ihn zu zahlreichen Werken inspirierte.

Während seines kurzen Lebens von 1850 bis 1900 – er starb an einer Lungenentzündung – und noch eine kurze Zeit danach zählte der vielseitige und ausserordentlich produktive Zden?k Fibich neben Smetana und Dvo?ák zum Dreigestirn der tschechischen Nationalkomponisten.

Meisterliche Kompositionen

Dass er in Vergessenheit geriet, darf nicht über die handwerklich meisterlichen Kompositionen und die Gefühlsgewalt seiner Musik hinwegtäuschen.

Davon kann sich das Publikum des Stadtorchesters Thun überzeugen. Neben Zden?k Fibichs Sinfonie Nr. 2 Es-Dur op. 38 steht das Konzert fu?r Klavier und Orchester g-Moll op. 33 von Antonín Dvo?ák auf dem Programm.

Vielseitiger Pianist

Als Solist konnte der Schweizer Benjamin Engeli gewonnen werden, der international zu den vielseitigsten Pianisten seiner Generation gilt.

Thuner Stadtorchester, 3. Sinfoniekonzert, 23. März, 19.30 Uhr, 24. März, 17 Uhr, KKThun. Tickets: www.kulturticket.ch oder Abendkasse; Abonnements: www.thunerstadtorchester.ch.

Thuner Tagblatt

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