Intendant Märki verlässt KTB

Bern

Über die Liebe gestolpert: Stephan Märki verlässt Konzert Theater Bern per sofort. Auch Sophie-Thérèse Krempl, die heimliche Geliebte, geht.

Stephan Märki: Der Intendant liest seine Erklärung vor. Neben ihm Stiftungsratspräsidentin Nadine Borter und Stiftungsrat Marcel Brülhart.

(Bild: Franziska Rothenbuehler)

Michael Feller@mikefelloni

Irgendwann sagte Stephan Märki «lies du fertig» und reichte das vorbereitete Manuskript mit seiner Erklärung an Nadine Borter.

Borter hatte an ihrem fünften Tag als Stiftungsratspräsidentin von Konzert Theater Bern ihre erste Bewährungsprobe. Sie verkündete den sofortigen Abgang ihres wichtigsten Angestellten, des Intendanten. Nach sechs Jahren an der Spitze von Konzert Theater Bern verlässt Stephan Märki das Haus. Von heute auf morgen. Die Schauspielerinnen, Sänger, Musikerinnen und Tänzer erfuhren am Freitag in ihren Ferien vom grossen Knall, der alle grossen Knalle übertönt, die in den letzten Jahren durch das Haus ­hallten.

«Ich weiss, dass ich damit viele und wichtige Menschen in- und ausserhalb des Theaters sehr enttäusche», sagte Märki noch, dann versagte die Stimme. Und Borter las seinen Text weiter vor. «Wenn das Aussen aber wichtiger geworden ist als das Innen, wenn die Diskussionen darüber, wie ein Theater zu führen sei, wichtiger zu führen sei als der Output des Theaters, kann ich mich nicht mehr auf das Eigentliche konzentrieren, auf die Theaterarbeit.»

Unter Schwur dementiert

Das Aussen: Hier ging es um die Beziehung zwischen Sophie-Thérèse Krempl, zuletzt Medienchefin des Hauses, und Intendant Märki. Die Liebschaft wurde nach dem letzten personellen Knatsch zum Thema, nachdem Schauspielchef Cihan Inans Abgang bekannt wurde: Als Inan zu Beginn der Saison bei KTB anfing, war Krempl noch Chefdramaturgin seiner Schauspielsparte. Als es Knatsch gab zwischen Krempl und Inan, weil sie ihre Ansichten über das Theater nicht teilten, fand sich Inan in der Mangel wieder: Zwischen Chef und Untergebener, die zusammen eine Beziehung führten.

Diese Zeitung berichtete über das nicht besonders gut gehütete Geheimnis. Alles war im Prinzip bekannt. Nur hat Märki gegenüber dem Stiftungsrat offenbar bis zuletzt unter Schwur dementiert, dass diese Beziehung existiere. «Das will ich nicht kommentieren», sagte Stiftungsrat Marcel Brülhart.

Laut gut unterrichteten Quellen kam es vergangenen Montag zum Eklat. Nachdem ein Journalist der «SonntagsZeitung» Märki mit persönlichen Fragen gelöchert hatte – für ein Interview, das morgen erscheinen sollte –, beichteten Märki und Krempl die Beziehung. Das Lügengebilde konnte nicht mehr aufrechterhalten werden.

Damit war der Scherbenhaufen angerichtet und das Vertrauen so stark geschädigt, dass beide Seiten einsahen, dass es so nicht weiterging. Man einigte sich auf eine sofortige Freistellung von Märki und Krempl. Für Märki schaut eine Lohnfortzahlung bis Frühling 2019 heraus. Das ergaben Verhandlungen in dieser Woche.

Das alles war nicht Thema der Medienkonferenz. Dort übte sich die KTB-Leitung in Verschwiegenheit. Als alle ihre Texte verlesen hatten, verliess Märki, der einen mitgenommenen Eindruck machte, den Raum. «Ich bin ja jetzt frei», sagte er und verliess das Hotel Schweizerhof, das anstelle des geschlossenen Stadttheaters die Kulisse für das Trauerspiel bot.

Neuer Verhaltenskodex

Konzert Theater Bern sucht jetzt Übergangslösungen. Anton Stocker, der kaufmännische Direktor, führt das Haus interimistisch. Weitere Experten sollen laut Brülhart hinzugezogen werden. Gesucht ist auch jemand, der von 2019 bis 2021 die Schauspielsparte übernimmt. Und ja, ganz wichtig, die Suche nach der neuen Intendanz ist jetzt dringend geworden. Brülhart gab sich zuversichtlich. «Unser Haus ist so gut positioniert, unsere Stadt ist attraktiv, unser Haus ist attraktiv für die besten Köpfe», las er ab.

Und Nadine Borter? Die neue Stiftungsratspräsidentin versuchte gegen die wegen Infor­mationsknappheit aufgebrachte Medienmeute Ruhe auszustrahlen. Sie stellte einen Verhaltenskodex für KTB in Aussicht, auf dass folgenschwere Liebschaften künftig ausgeschlossen werden können.

Berner Zeitung

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