Adria Airways will Skywork auf vier Strecken ersetzen

Bern

Der Flughafen Bern hat einen der turbulentesten Tage seiner Geschichte hinter sich. Nach dem vorläufigen Grounding von Skywork will sich die slowenische Adria Airways einige Linien schnappen.

Das Grounding geht weiter: Die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft Skywork wird auch am Montag nicht fliegen.

Das Grounding geht weiter: Die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft Skywork wird auch am Montag nicht fliegen.

(Bild: Keystone)

Julian Witschi

Um 20.45 Uhr ist am Samstagabend vorläufig das letzte Flugzeug von Skywork in Bern-Belp gelandet. Die Maschine kehrte aus Mallorca zurück. Seither haben die fünf Flieger von Skywork am Boden bleiben müssen. Auch für heute sind alle Flüge abgesagt. Die rund 120 Angestellten der Berner Airline müssen um ihren Job bangen. Denn Skywork hat es bislang nicht geschafft, die benötigten Geldzusagen für den weiteren Flugbetrieb und die geplante Expansion aufzutreiben.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat Skywork deshalb die Betriebsbewilligung zum Beginn des Winterflugplans am Sonntag entzogen. Die Behörde hatte die Flugerlaubnis vor zwei Wochen entsprechend befristet.

Kritik an Berner Elite

Skywork-Chef und -Präsident Martin Inäbnit bekräftigte am Sonntag, dass er den Finanzierungsnachweis erbringen und den Flugbetrieb weiterführen wolle. Am Wochenende könne aber nur reduziert an einer Lösung gearbeitet werden, da Banken geschlossen und wichtige Entscheidungsträger nur beschränkt erreichbar seien.

Ein Interview mit Inäbnit war am Sonntag nicht möglich. In einem als «persönliche Information» bezeichneten Schreiben hatte er am Vorabend die Berner Behörden und Unternehmer angegriffen: «Politische, wirtschaftliche und touristische Kreise geben gerne Statements zur Wichtigkeit zu den Flugverbindungen von und nach Bern ab. Den freundlichen Statements folgten bisher nie Taten.»

Erhöhter Geldbedarf

Wie er seit längerem repetiere, sei Bern als Basis für Skywork zu klein, um einen Ganzjahresbetrieb kostendeckend zu betreiben. «Es ist deshalb unabdingbar, dass wir ausserhalb von Bern zusätzlich Passagiere und Umsatz generieren. Dies ist Teil des Businessplans 2018–2022», erklärte Inäbnit. Deshalb sei der Finanzbedarf jetzt um einiges höher als bei bisherigen – auf Bern fokussierten – Geschäftsjahren.

Es fehlen also einige Millionen Franken. Die bisherigen Teilhaber aus der Region Bern sind aber offenbar nicht mehr bereit, diese Summen einzuschiessen. Skywork ging deshalb auch ausländische Geldgeber an. Diese investieren aber nicht aus Verbundenheit mit der Fliegerei ab Bern, sondern erwarten eine Anlagerendite.

Für den Chef von Skywork wäre es «absurd, genau zu diesem Zeitpunkt über ein Aus nachdenken zu müssen». Denn die Fluggesellschaft habe seit Anfang Jahr über 140'000 Passagiere transportiert, ein Zuwachs von mehr als 25 Prozent. Und die Aussichten für das kommende Jahr seien ausgezeichnet.

Zudem habe das Unternehmen keinerlei Bankkredite offen und verfüge über Bardepositen für Absicherungen zum Beispiel bei Kreditkartenfirmen in Millionenhöhe. Die Strategie werde von Fachleuten aus der Aviatik und dem Bankensektor «als klar plausibel deklariert», schreibt Inäbnit. Aber Skywork habe zu wenig Sicherheiten und sei deshalb kaum kreditwürdig.

Warnung vor GAU

Vorläufig sind trotzdem weiterhin alle Flüge an die acht geplanten Destinationen buchbar. Solange Skywork nicht in Konkurs geht, muss die Airline den Passagieren Ersatzverbindungen offerieren, wenn sie selber nicht fliegen kann. Zu möglichen Kündigungen von Angestellten äusserte sich der Firmenchef nicht direkt. Er schrieb: «Ich gebe erst auf, wenn die letzte Chance verronnen ist. Und das gesamte Skywork-Team kämpft mit.»

«Ich gebe erst auf, wenn die letzte Chance verronnen ist. Und das gesamte Skywork-Team kämpft mit.»Martin Inäbnit, Skywork-Chef

Inäbnit drohte, mit einem allfälligen Verlust von Skywork in Bern «verschwindet die Hauptstadt der Schweiz definitiv von der europäischen Landkarte und viele Arbeitsstellen würden ausradiert». Zu diesem wirtschaftlichen GAU dürfe es nicht kommen. Denn der effektive Schaden wäre um ein Mehrfaches höher als die Gelder, die Skywork be­nötige.

Slowenen wollen einspringen

Eine Pleite würde auch den Flughafen Bern und Lieferanten schwer belasten. Doch für einen Teil der Skywork-Verbindungen bietet sich bereits eine Alternative an. Die slowenische Adria Airways kündigte am Sonntag an, vier Strecken zu übernehmen. Das Mitglied des Vermarktungsbündnisses Star Alliance um die deutsche Lufthansa will zwei Flugzeuge in Bern stationieren.

Adria Airways ist im Anflug nach Bern-Belp. Bild: Keystone

Ab nächstem Montag werde sie von hier nach Berlin, Hamburg, München und Wien fliegen, hiess es. Dies zu den geplanten Flugzeiten von Skywork. Ob sich Adria Airways die nötigen Lande- und Startrechte gesichert hat, blieb am Sonntag unklar. Ebenso, ob sie Angestellte von Skywork übernehmen würde. In den nächsten Tagen will Adria Airways in Bern die Medien informieren. Nicht auf dem Flugplan von Adria Airways stehen die Skywork-Winterdestinationen Amsterdam, Palma de Mallorca und London, auch nicht die Verbindung Basel–Wien.

Einst in Staatsbesitz, gehört Adria Airways heute der Münchner Beteiligungsgesellschaft 4K Invest. Chef ist der Österreicher Arno Schuster. Er hat nach einer Sparrunde eine aggressive Expansion eingeleitet. So hat Adria Airways im Juli die Tessiner Darwin Airline übernommen. Diese fliegt ab Lugano und Genf.

Skywork wollte die Offensive für Bern nicht kommentieren. Allerdings sieht sich die Geschäftsleitung auch ihren Aktionären gegenüber unter Druck: «Wenn sich abzeichnet, dass keine Möglichkeit zur Weiterführung der Geschäftstätigkeiten mehr besteht, dann ist die Geschäftsleitung andererseits verpflichtet, umgehend die Konsequenzen zu ziehen.» Denn neben den Löhnen laufen insbesondere auch die Kosten fürs Leasing von Flugzeugen weiter. Für heute kündigte Skywork neue Informationen an.

Berner Zeitung

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