Andere Gedanken

Luca Hischier vermag beim SCB sein Talent nicht zu entfalten. Heute Mittwoch trifft der Walliser auf seinen künftigen Arbeitgeber HC Davos.

Zwei Titel, aber nicht am Ziel: Luca Hischier sagt: «Ich muss stärker werden, effizienter.»

Zwei Titel, aber nicht am Ziel: Luca Hischier sagt: «Ich muss stärker werden, effizienter.»

(Bild: Pascal Muller (Freshfocus))

Reto Kirchhofer@rek_81

Wo Kari Jalonen Trainer ist, spielt der Zufall selten mit. Selbst die Plätze in der Garderobe werden nach System verteilt. Der Finne achtet darauf, dass ein Spieler, der mental nicht der Stabilste ist, möglichst neben einem Optimisten und Stimmungsmacher sitzt. Auf diese Weise sollen negative Strömungen vermieden werden.

Und so ist es eben kein Zufall, sitzen Tristan Scherwey und Luca Hischier nebeneinander. Sie tun das seit längerem. Sie verstehen sich bestens. Sie verbindet im Klub der Weg vom Nachwuchs ins Fanionteam. Und sie ergänzen sich. Hier der 26 Jahre alte Freiburger, der beim Meister zum Führungsspieler avanciert ist. Da der 23 Jahre alte Walliser, dessen Karriere gerade nicht mehr so schwungvoll verläuft, wie er übers Eis zu gleiten pflegt.

Scherwey, der Kämpfer, die Konstante – Hischier, der Künstler, der Zweifler: Die Unterscheidung ist etwas gar plakativ formuliert, doch in der Tendenz gilt sie allemal. Ein Träumer sei er, sagt Scherwey über seinen Sitznachbarn. «Luca ist manchmal in seiner eigenen Welt. Bei ihm musst du immer ‹dranneblybe›.»

Kein Traumtänzer

Der Begriff des Träumers gefällt dem Walliser nicht. Der elegante Läufer will kein Traumtänzer sein. «Ich habe es gerne gemütlich im Leben. Aber auf dem Eis trainiere ich seriös, gebe ich Vollgas.» Doch das träumerische Element, dieses Entfliehen in Gedanken, das trägt Hischier schon in sich. Er sagt, er studiere manchmal zu viel, setze sich zu stark unter Druck. «Ich habe den Hang dazu, nie zufrieden zu sein. Und bist du unzufrieden, ist das selten förderlich.»

Mittlerweile erhält er punkto mentale Arbeit Unterstützung. «Und die Situation hat sich gebessert. Ich versuche nun, selbst bei kleinen Dingen das Positive zu sehen.» Trotz externem Support: «Ich kann und muss mir selbst helfen.»

Dass der Angreifer in den letzten Monaten dem Zweifel näher war als der Zuversicht, ist auch den Verletzungen geschuldet. Da war das Playoff 2016, Hischier spielte ausgezeichnet, bis ihn ein Schlüsselbeinbruch im Final vom Stammspieler zum Zuschauer werden liess. Die Rückkehr verlief nicht wie gewünscht. Es folgten Hüftprobleme, ein operativer Eingriff war erforderlich. Auch am Knie musste er sich operieren lassen.

War Hischier einmal einsatzbereit, vermochte er den Trainer selten zu überzeugen. Während Bruder Nico in der NHL Grenzen verschiebt – die beiden stehen mehrmals pro Woche in Kontakt –, hat Luca stagniert. Deshalb entschloss er sich, einen Wechsel vorzunehmen.

Del Curtos Worte

Natürlich tat sich der Denker schwer mit dem Entscheid. Mit 15 Jahren hatte er von Visp zum SCB gewechselt; die Verbundenheit mit dem Klub ist stark. Doch in einigen Telefonaten konnte ihn Arno Del Curto vom Wechsel nach Davos überzeugen. Del Curto sagt: «Luca soll bei uns den Knoten lösen und seinem Bruder nacheifern. Er wird in Davos eine andere Rolle erhalten als in Bern.» Hischier sagt: «Ich muss stärker werden, effizienter werden. Aber es wird nicht am Trainer liegen, ob ich den nächsten Schritt machen kann – sondern an mir.»

Dass er vor dem Vergleich mit den Bündnern nicht ausgiebig über den Wechsel sprechen möchte, versteht sich von selbst. «Ich bin zu 100 Prozent beim SCB» sagt Hischier. Die Worte kommen nicht ohne Beleg. «Ich habe zum Beispiel im Bündnerland noch keine Wohnung gesucht. Ich möchte zuerst in Bern sauber abschliessen.»

Blitzeblank abschliessen würde er mit dem Gewinn der Meisterschaft. «Wir sind noch weit vom Ziel entfernt. Aber die Winnermentalität im Team beeindruckt mich», sagt Hischier. Es wäre sein dritter Meistertitel in seiner dritten NLA-Saison mit dem SCB. Nicht schlecht für einen Träumer.

Berner Zeitung

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