Schrittweise zurück zur sanften Medizin

Langnau

Wer dies ausdrücklich wünscht, kann künftig im Spital Emmental wieder mit alternativer Medizin behandelt werden. Am Standort Langnau wird mit den komplementärmedizinischen Hausärzten ein Projekt erarbeitet.

Schröpfkugeln werden, wie hier im Spital Scuol, bald auch wieder im Regionalspital Langnau zum Einsatz kommen.<p class='credit'>(Bild: Arno Balzarini)</p>

Schröpfkugeln werden, wie hier im Spital Scuol, bald auch wieder im Regionalspital Langnau zum Einsatz kommen.

(Bild: Arno Balzarini)

Sie haben sich gefunden: die Verantwortlichen des Spitals Emmental und Rolf Schmid, Karl Gronewold, Danielle Lemann sowie Hansueli Albonico. Die vier sind in Langnau als komplementärmedizinische Hausärzte tätig. Seit 2014, seit die entsprechende Abteilung im Spital Langnau geschlossen ist, hatten sie darauf gehofft, dass ebendort dereinst wieder sanfte Medizin angeboten wird.

Jetzt haben sie zusammen mit der Spitalleitung eine Lösung gefunden: «Das Spital Emmental und die Gruppe der komple­mentärmedizinisch tätigen Ärztinnen und Ärzte des oberen ­Emmentals haben gemeinsam entschieden, eine komplementärmedizinische Zusatzbehandlung für ausgewählte Akutpatienten der medizinischen Abteilung im Spital Langnau anzubieten», teilt das Spital auf Anfrage mit.

Eine Projektgruppe unter der Leitung von Martin Egger, Chefarzt Medizin Langnau, sei daran, die Prozesse dafür festzulegen. In der Projektgruppe arbeiten zudem Rolf Schmid, Danielle Lemann sowie der Leiter Pflege ­Medizin und eine komplementärmedizinisch geschulte Pflegefachfrau.

«Konstruktiv und produktiv»

Letzte Woche habe eine erste «konstruktive und produktive» Sitzung stattgefunden, schreibt Mediensprecherin Francesca Heiniger. CEO Anton Schmid betont: «Das soll nicht bloss eine Marketingübung werden. Was wir aufbauen, soll Hand und Fuss haben.» Das Spital Emmental werde in Langnau weiterhin «gute Schulmedizin» anbieten.

Den Bruch verhindern

Patientinnen und Patienten jedoch, die sich für die Philosophie der Komplementärmedizin entschieden hätten, sollten diese künftig nicht nur beim Hausarzt, sondern auch wieder im Spital in Langnau in Anspruch nehmen können. «Dank der integrativen Betreuung können wir verhindern, dass es zu einem Bruch kommt in der Behandlung», sagt Schmid.

Auf dem Weg zu einer reinen komplementärmedizinischen stationären Abteilung lägen aber zu viele Stolpersteine. «Jetzt haben wir eine Lösung gefunden, die wir mit den vorhandenen Ressourcen umsetzen können.»

Die komplementärmedizinischen Hausärzte werden eng mit dem Spital zusammenarbeiten und die von ihnen eingewiesenen Patienten konsiliarisch, also beratend, mitbetreuen. Dabei basiere das Spital unter anderem auf den Pflegefachkräften, die seinerzeit in der separat geführten komplementärmedizinischen Abteilung gearbeitet hätten, sagt Schmid. «Ihr Wissen wird in den Aufbau des Zusatz­angebots einbezogen.»

Vor Mitte Jahr

Wie sich Wickel, Globuli und Misteltherapien am Spital Langnau durchsetzen, muss sich weisen. Mit der Umsetzung des Konzepts, das jetzt erarbeitet wird, soll vor Mitte Jahr begonnen werden, dies im Sinne eines Pilotprojekts. «Die Weiterführung beziehungsweise Weiterentwicklung der Komplementärmedizin am Akutspital in Langnau hängt von den Erfahrungen aus diesem Pilotprojekt ab», schreibt die Spitalleitung.

Berner Zeitung

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