Wenn Metalheads Fussball schauen

Sie saufen, gröhlen und wollen sich vom Mainstream distanzieren – und trotzdem, wenn Fussball-EM ist, gönnen sich am Greenfield sogar härteste Metaller eine Auszeit vom Festival.

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Martin Bürki@tinubuerki27

«5 Gründe, warum Rocker Fussball hassen», hat das Schweizer Radio SRF Virus am Greenfield Festival einen Bericht geschrieben. Fussballer werden als untalentierte Simulanten, die zu viel verdienen, verschrien. Und trotzdem: Beim EM-Eröffnungsspiel der Schweizer Nationalmannschaft gegen Albanien platzte der Rockstarblock aus allen Nähten: Dort wurde das Spiel auf Leinwand übertragen.

Es wird eng und kuschelig

Für schätzungsweise 100 Personen ist der Raum ausgelegt, am Ende quetschten sich wohl rund 150 rein, manche sassen am Boden, andere auf dem Bartresen. Und draussen unter dem Zeltdach sassen mindestens noch dreimal so viele Fussballinteressierte. Diese brauchten angesichts der kleinen Fernsehbildschirme aber gute Augen.

Wie ist es denn nun, wenn Metalheads Fussball schauen? Nicht viel anderes als bei «Normalos». Kleidungstechnisch überwiegt die Farbe Schwarz, rote (oder weisse) Schweizer Trikots sind die Ausnahme. Aber es gibt sie. Gespannt wird das Spiel verfolgt, gejubelt bei gelungenen Aktionen des eigenen Teams, gezittert bei gefährlichen Vorstössen des Gegners.

Mitbibbern, jubeln, verzweifeln: Wie ganz normale Fussballfans eben. Video: Martin Bürki

Man merkt genau einmal, dass es sich um Rocker handelt: Dann nämlich, als irrtümlicherweise Sound aus den Boxen ertönt und Kommentator Sascha Ruefer untergeht – der Saal, in dem die Leinwand steht, ist sonst ein Club. In einem «normalen» Public Viewing wären die Fans wohl empört gewesen, hier nickt man halt mit dem Kopf im Takt.

Gegner sind inkognito

Und wie steht es eigentlich um Albanien-Fans? Nun, wenn es denn überhaupt welche hatte, gaben sie sich nicht zu erkennen. Anhand der Reaktionen scheint es aber unter den 150 Zuschauern im kleinen Raum mindestens deren zwei gegeben zu haben. Was sie natürlich nicht eingestehen wollten.

Kurz vor Schluss, bei der riesigen Ausgleichsmöglichkeit von Gashi, rutscht den Zuschauern das Herz in die Hose. Dann die grosse Erlösung – und gleich darauf drängen alle nach draussen, wohl ans laufende Konzert. Drinnen übernimmt wieder ein DJ und draussen im Zelt wird die extra unterbrochene Beer-Pong-Meisterschaft fortgesetzt. Eben doch kein «normales» Public Viewing.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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