Die Debatte um Basels Medien-Zukunft füllt die Säle

BaZ-CEO Rolf Bollmann und AZ-Verleger Peter Wanner diskutierten über den Umbruch in der Medienlandschaft Basels. Der Publikumsandrang war riesig.

Diskutierten über den Umbruch der Basler Medienlandschaft: Peter Wanner und Rolf Bollmann. (29. April 2013)

Diskutierten über den Umbruch der Basler Medienlandschaft: Peter Wanner und Rolf Bollmann. (29. April 2013)

(Bild: Keystone)

Der Umbruch der Basler Medienlandschaft mit dem Kurswechsel der «Basler Zeitung» hat zur Gründung neuer Medien geführt. Doch die Vielfalt ist fragil und die Zukunft wirtschaftlich offen, wie an einem sehr gut besuchten Podium zu hören war.

Auf Einladung des Instituts für Medienwissenschaften der Uni Basel und von zwei Verlagen, die Bücher zum Wandel der BaZ publiziert haben, diskutierten BaZ-CEO Rolf Bollmann und AZ-Verleger Peter Wanner mit Ex-Radio-DRS-Direktor Walter Rüegg und fünf leitenden Journalisten. Der Publikumsandrang war so gross, dass ein zweiter Instituts-Saal mit Videoübertragung bespielt wurde.

Einig war sich das Podium, dass der BaZ-Kurswechsel den Markt belebt hat. Der frühere BaZ-Recherchechef Christian Mensch, heute bei der «Schweiz am Sonntag», deutet die Menge neuer Medien aber als Zeichen einer «Krisensituation». Auch Rüegg betrachtet das alte Forumszeitungs-Konzept als gescheitert.

Sprung ins Netz

SRF-Regionaljournal-Basel-Chef Dieter Kohler beobachtet, dass BaZ-Enttäuschte die Gelegenheit der Abokündigung nutzen, ohne ein anderes Zeitungsabo auszukommen. Die Leute suchten sich heute ihre Infos im Internet; vielleicht erlebe Basel dies einfach als erste Medienregion der Schweiz so heftig.

Wanner verwies auf inhaltlich dünne Gratisblätter, die viele Leser und Werbegelder anzögen. Unternehmen setzten zunehmend auf eigene Kommunikationsabteilungen statt klassische Werbung, sagte TeleBasel-Vizechefin Mirjam Jauslin. Für Wanner ist aber das Leser-Vertrauen in ein Medium zentral fürs Überleben.

Bollmann wollte die Aboverluste der BaZ nicht bloss mit einem politischen Kurswechsel erklären. Die Krise sei kommerziell: Mit dem Abwandern der Rubrikinserate ins Internet fehle ein Drittel der Einnahmen. 2013 müsse er deswegen 30 Millionen sparen, um schon nur eine schwarze Null zu schreiben.

Wie so noch Qualitätsjournalismus zu finanzieren ist, konnte das Podium nicht aufzeigen. Die Werbewirtschaft interessiert sich laut Bollmann nur für Leserschaft und Reichweite, gar nicht für Qualität. Er kündigte deshalb an, dass Abos teurer würden, damit das Blatt von der Werbung unabhängiger wird.

Netz-Renditen unsicher

Wanner räumte ein, dass Journalisten für ihre anspruchsvolle Arbeit meist wenig verdienten. Er wünschte Sukkurs von der Politik - nicht mit direkter Medienförderung, sondern mit indirekter ohne Einfluss, etwa mit Staatsgeld für Vertrieb, Journalistenausbildung oder für die Nachrichtenagentur.

Auf eine Publikumsfrage nach der Perspektive gaben sich alle optimistisch. Wanner fragte sich indes, ob in fünf bis zehn Jahren Zeitungen noch täglich erscheinen oder mehr aufs Netz setzten. Die vor 18 Monaten gestartete «TagesWoche» hat just dieses Modell und sieht laut Chefredaktor Urs Buess den Break Even schon Ende 2014.

Mensch gab sich gelassen: Ihm sei egal, ob er gedruckt werde, wichtig sei ihm als Journalist seine Mittler-Funktion ohne politische Stossrichtung. Wie künftig online Geld verdient werden kann, liess das Podium offen; das Stichwort «Paywall» fiel nur leise am Rande.

Mediensoziologe Klaus Neumann, der das Podium moderierte, schloss skeptisch, die Medien hätten das Publikum ja selber zu Gratiskonsum im Internet erzogen.

kle/sda

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