Helfer in der Personalnot

Gemeinden, die Kaderpositionen in der Verwaltung nicht besetzen können, landen früher oder später bei Firmen wie der Abplanalp-Ramsauer AG.

<b>Peter Bühler hilft mit seinem Personal,</b> Lücken in den Gemeindeverwaltungen zu füllen.

Peter Bühler hilft mit seinem Personal, Lücken in den Gemeindeverwaltungen zu füllen.

(Bild: Raphael Moser)

Die Abplanalp-Ramsauer AG Verwaltungsorganisation gibt es seit 35 Jahren. Peter Bühler ist seit 5 Jahren Geschäftsführer. In dieser Zeit ist die Firma beträchtlich gewachsen und zählt heute bereits zehn Mitarbeitende.

Die Kundinnen der Firma sind oftmals Gemeinden. Viele Gemeindeschreiberinnen, Bau- und Finanzverwalter haben mehrheitlich eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Die Suche nach einer Nachfolge dauert häufig länger, was unweigerlich zu Lücken führt. Ab und zu kommt es auch vor, dass Kaderleute krankheitsbedingt für längere Zeit ausfallen.

Finden die Gemeinden in solchen Fällen keine interne Lösung, kommen externe Firmen wie Abplanalp-Ramsauer ins Spiel. Ihre Mitarbeitenden haben die nötigen Ausbildungen absolviert und übernehmen die Stellen im Mandatsverhältnis.

Diese Stellvertretungen seien nicht der einzige Grund für das Wachstum der Firma, betont Bühler, auch ein anderes wichtiges Standbein – Archivdienstleistungen – sei gewachsen. «Aber natürlich spüren auch wir, dass es für die Gemeinden schwieriger geworden ist, ihre Kaderstellen zu besetzen.»

Weniger Verantwortung

Kleine, ländliche Gemeinden hätten es bei der Personalsuche tendenziell schwerer, hat Bühler beobachtet. Eine wichtige Rolle spiele auch die Organisationsstruktur: Viele Kommissionen deuten auf viele Abendsitzungen hin – das kann ein Hinderungsgrund sein, sich zu bewerben.

«Einige scheuen zudem die Verantwortung», erklärt Bühler. Gut ausgebildete Leute, die lieber Gemeindeschreiber-Stellvertreter in einem grösseren Ort sind als Gemeindeschreiber in einem kleineren Ort, in dem sie für alles zuständig sind.

Am grössten ist der Mangel an Kaderpersonal derzeit bei den Bauverwaltungen. «Dort ist man dem kritischen Wind der Bevölkerung in der Regel am stärksten ausgesetzt», sagt Bühler. Entsprechend gibt es mittlerweile zahlreiche Firmen oder Fachleute, welche im Mandatsverhältnis Bauverwaltungen führen.

Einige von ihnen waren vorher selbst bei einer Gemeinde angestellt, traten dann aber in den Vorruhestand und arbeiten nun noch ein paar Jahre weiter. Oder es sind Leute wie Peter Bühler, der bereits als 31-Jähriger oben auf der Karriereleiter ankam und Gemeindeschreiber von Münsingen wurde.

Irgendwann fragte er sich: Wie soll es jetzt weitergehen? Vor 6 Jahren wechselte er zur Abplan­alp-Ramsauer AG, vor 5 Jahren wurde er deren Geschäftsführer.

Weniger Respekt

Der Mangel an Verwaltungskaderleuten könnte laut Bühler auch damit zusammenhängen, dass Gemeinderäte und -präsidenten früher mehr Ansehen und Respekt genossen als heute.

«Heute wird sofort mit Anwälten gedroht.» Daher sei es schwieriger geworden, motivierte Leute gewinnen zu können, ein politisches Amt zu übernehmen. Die Wechsel in den Gemeinderäten häufen sich, was einer guten Zusammenarbeit mit der Verwaltung nicht gerade förderlich ist.

Für Bühler ist deshalb klar: «Es ist im Interesse aller, dass öffentliche Ämter wieder mehr Gewicht erhalten.»

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