Fast alles ist leihbar

Januarloch-Kalender

Wer einen Gegenstand nur einmal braucht, leiht ihn am besten aus. Seit Dezember ist das in der Leihbar in der Alten Feuerwehr Viktoria in Bern möglich.

Mit dem Angebot der Leihbar, die vom Konsumentenschutz aufgebaut wurde, werden der Werkzeugkasten und die Küchenausrüstung viel grösser.

Mit dem Angebot der Leihbar, die vom Konsumentenschutz aufgebaut wurde, werden der Werkzeugkasten und die Küchenausrüstung viel grösser.

(Bild: Nicole Philipp)

Claudia Salzmann@C_L_A

Unsere Werkzeugkiste ist überschaubar, sie besteht aus einem Schraubenzieher, einem Hammer und einer Dose WD40. Wenn wir also etwas festschrauben müssen, bestellen wir den Vater meines Partners oder versuchen, den Gegenstand festzukleben. Das hat beim Geyoungboyst-Bild geklappt, nicht aber bei der neuen Garderobe, da muss eine Bohrmaschine her. Vor einigen Jahren gab es diese Aufkleber, die man an den Briefkasten kleben und so anzeigen konnte, was man den Nachbarn ausleihen würde.

Nicht alle sind so locker mit ihrem Besitz: Einen meiner Nachbarn fragte ich einmal nach einem Laubbläser; die Antwort war so scharf, dass ich mich nicht mehr getraue, ihn zu grüssen. Seit der Eröffnung der Leihbar in der Alten Feuerwehr Viktoria braucht mich das nicht mehr zu kümmern. Auf der Website Leihbar.ch schaue ich das Inventar an, um einen vergeblichen Besuch zu vermeiden. Derzeit gibt es 159 Gegenstände im Sortiment, das noch wachsen dürfte, denn man kann nicht nur ausleihen, sondern auch Geräte ab­geben. Nach dem Registrieren ­mache ich mich auf den Weg. Ich habe Glück, denn die Leihbar ist nur an zwei Abenden offen.

Expandierte Küche

Im Restaurant Löscher herrscht Bierseligkeit. Ich durchquere das Lokal und gehe in den Keller, wo sich die Leihbar befindet. Drinnen stehen Leute herum und besprechen die Ordnung, obwohl alles sehr aufgeräumt wirkt. Die Gegenstände, die man ausleihen kann, sind säuberlich in schwarzen Plastikkisten verstaut.

Ab einem Jahresbeitrag von 60 Franken wird hier mein Werkzeugkasten um einige Dutzend Gerätschaften grösser, merke ich. Und auch meine Küchenausrüstung, denn auch ein Glühweintopf oder eine Marronipfanne sind im Sortiment. Gleich frage ich mich, warum ich eine Pastamaschine in meinem Besitz habe, die leider viel seltener in ­Gebrauch ist als erhofft.

Bosch verleiht ebenfalls

Da man nicht mit Karte be­zahlen kann, beschränkt sich meine Mitgliedschaft für den Moment auf einen Probemonat. Die 10 Franken allerdings kann man dann an die Jahresmitgliedschaft anrechnen lassen – eine kulante Art des Geschäftens. Vor Ort ist auch Raffael Wüthrich vom Konsumentenschutz; sie haben die Leihbar aufgebaut. Ich frage Wüth­rich, was er vom Bosch-Fachgeschäft, das bis Mitte Jahr im Post-Parc einen Werkzeugverleih betreibt, hält: «Ich finde das super, jeder soll es uns nachtun.»

Bei der Ausleihe des einzelnen Gegenstands zahlt man nichts mehr, somit verläuft die Abwicklung ab dem zweiten Besuch noch schneller. Ich gebe die Dauer an, wie lange ich die Bohrmaschine brauche, an die Rück­gabe erinnert mich eine automatische E-Mail.

Wo gibt es Talent?

Und wenn ich etwas kaputt mache? «Kein Problem, wir lassen alles beim Repair Café im Progr reparieren. Falls es nicht reparierbar ist, würde deine Haftpflichtversicherung bezahlen», informiert mich die Angestellte. Mit dem Bohrmaschinenkasten unter dem Arm verlasse ich die Leihbar und sinniere darüber, wer denn nun das Loch bohren wird. Auch wenn es vieles in der Palette der Leihbar gibt, Handwerkertalent leider nicht.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt