Viele Emotionen, wenig Gegenliebe

Vor der Abreise ins Trainingslager hat YB den Wechsel von Renato Steffen zum FC Basel bekannt gegeben. Die Berner möchten schon heute einen Ersatz verpflichten. Derweil wird Steffen in Basel nicht mit offenen Armen empfangen.

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Dominic Wuillemin

Am frühen Abend endet der letzte Akt im emotionalen Transfertheater um Renato Steffen. Zeitgleich vermelden YB und Basel, dass der Nationalspieler per sofort zum Meister wechselt. Steffen unterschreibt einen Vertrag bis zum Sommer 2020. Über die Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart.

Sie dürfte sich um die Millionengrenze bewegen. Steffen lässt im Communiqué Basels verlauten, er freue sich auf die neue Herausforderung. Und: «Auch wenn es für mich einige Anfragen anderer Klubs gab, so habe ich mich nach Abwägen aller Faktoren mit grosser Überzeugung dazu entschieden, beim FCB zu unterschreiben.»

Gehässige Kommentare

Über den Wechsel waren sich YB und Basel schon seit Tagen mündlich einig. Der Ligakrösus liess sich mit der Bekanntgabe aber Zeit, wohl auch deshalb, weil Steffen bei vielen Basler Fans ­gelinde ausgedrückt auf wenig Gegenliebe stösst.

Vielsagend schrieb der FC Basel in der Pressemitteilung, der Verein habe berücksichtigt, dass der Wechsel neben positiven auch negative Reaktionen auslösen könne. Nur wenig später sah er sich auf seiner Facebook-Seite gezwungen, die Fans in der Kommentarspalten um eine gemässigte Tonalität zu bitten. Seinen ersten Arbeitstag beim FC Basel verbringt Steffen heute in der Abgeschiedenheit des spanischen Marbellas.

Kein österreichischer Ersatz

Derweil ist Fredy Bickel mit den Modalitäten des Steffen-Transfers zufrieden. Auch wenn die bestmögliche Lösung gewesen wäre, wenn der umworbene Offensivakteur seinen Vertrag bei YB verlängert hätte, wie der YB-Sportchef sagt. Die Ablösesumme wird Bickel möglichst bald in einen Ersatz reinvestieren.

Denkbar, dass es sich dabei um den Franzosen Yoric Ravet von den Grass­hoppers handelt. Zumindest schloss Bickel eine Verpflichtung der Österreicher Jakob Jantscher oder Thomas Murg aus. Der 50-Jährige hofft, den Transfer vor der Abreise heute Abend ins Trainingslager nach Belek (13. bis 24. Januar) bekannt geben zu können.

Einen Sitzplatz auf dem Flug von Zürich nach Antalya wird voraussichtlich auch Samuel Afum belegen. Der bei YB nicht mehr erwünschte Ghanaer soll mit türkischen Vereinen in Verhandlungen stehen. Er könnte aber auch noch länger bei YB verweilen. Dann nämlich, wenn Haris Tabakovic die Young Boys in der Winterpause verlässt. Der gross gewachsene Stürmer liebäugelt mit einem Transfer.

Dem 21-Jährigen, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, liegen diverse Angebote aus der Super League vor. Nicht mit ins Trainingslager reist Alexander Gonzalez. Er hält sich bei der U-21 fit. Der venezolanische Rechtsaussen hat in Bern keine Zukunft mehr, er soll möglichst bald verkauft werden. «Ich habe in den vergangenen Tagen die anderen offenen Personalien zurückgestellt», sagt Fredy Bickel. Der Sportchef war mit dem Transfertheater um Steffen und dessen Ersatz beschäftigt.

Standpunkt: «YB als Verlierer des Transfertheaters zu bezeichnen, wäre zu einseitig»: Sportredaktor Dominic Wuillemin zum Steffen-Transfer.

Berner Zeitung

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