Beatrice Simon: «Wir haben eine Krise – die managen wir»

Finanzdirektorin Beatrice Simon erzielte das beste Resultat der Regierungsräte. Ihre Partei, die BDP, dagegen kassierte eine massive Schlappe. Die BDP sei zwar in einer Krise, aber noch nicht am Ende.

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Frau Simon, was überwiegt: Die Freude über Ihr Glanzresultat oder die Enttäuschung über die Verluste der BDP?
Beatrice Simon: Wenn ich ganz ehrlich bin: trotz allem die Freude. Mein sehr gutes Wahlresultat gibt mir die Genugtuung, dass ich meine Arbeit offenbar gut mache.

Haben Sie mit diesem guten persönlichen Resultat gerechnet?
Nein, natürlich nicht. Ich habe mit den Finanzen eine schwierige Direktion, in der nicht nur schöne Entscheide getroffen wurden. Es gab Leute, die die Sparmassnahmen mir persönlich anlasteten.

Zudem gab es noch Schelte wegen der Nebeneinkünfte.
Als das Thema auf den Tisch kam, habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wie die Wählerinnen und Wähler dies wohl beurteilen. Rechtlich ist zwar alles korrekt gewesen, über die Moral lässt sich allerdings immer diskutieren. Deshalb habe ich auch reagiert und Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Wie erklären Sie sich das schlechte Resultat der BDP?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dafür nur einen Grund gibt. Für seriöse Erklärungen ist es aber schlicht noch zu früh. Wir müssen das Wahlresultat erst sauber analysieren und dann sehen, was wir allenfalls anders machen müssen. Ein interessanter Aspekt ist übrigens, dass keine der bisherigen BDP-Frauen abgewählt wurde. Uns wird oft gesagt, wir seien die bürgerliche Frauenpartei.

Mangelt es der BDP am eigenständigen Profil?
Nein. Wir haben ein eigenes Profil, das zeigt etwa Smartvote deutlich. Zudem gab es im Grossen Rat verschiedene Geschäfte, bei denen wir anders als die SVP gestimmt haben. So etwa bei der Mühleberg-Abschaltung und beim Pensionskassengesetz.

Trotzdem: Ein Teil der Wähler kehrte zur SVP zurück.
Auch dies müssen wir erst analysieren. Uns war schon immer bewusst, dass wir einen grossen Anteil an Wechselwählern haben. Dies birgt natürlich eine gewisse Gefahr. Zudem ist es nicht einfach, in der Mitte zu politisieren.

BDP-Präsident Heinz Siegenthaler vermutet den Grund für die Schlappe im Zusammengehen mit der SVP bei den Regierungsratswahlen.
Wir haben dazu zwar ab und zu Kritik gehört. Ich denke allerdings nicht, dass das schlechte Wahlergebnis einzig deshalb zustande gekommen ist. Dass wir so viele Grossratsmandate verlieren, kam für uns alle unerwartet. Zumal unsere Politik im Vorfeld der Wahlen nicht infrage gestellt worden war.

Ihnen dagegen hat es genützt: Ohne Stimmen der SVP wäre Ihr Spitzenresultat wohl nicht möglich gewesen.
Das bürgerliche Paket hat sicher gut funktioniert. Allerdings wurde ich 2010 auch ohne diese Stimmen gewählt.

Hat das schlechte Wahlresultat Signalwirkung für die nationalen Wahlen 2015?
Ich denke nicht. Es ist jedoch wie gesagt zu früh, zu solchen Fragen seriös Stellung zu nehmen.

Ist dies der Anfang vom Ende der BDP?
Sicher nicht. Wir haben jetzt eine Krise, die müssen wir nun managen, und die werden wir auch managen.

Dennoch sieht die Zukunft der BDP nicht so rosig aus: Ihr Zugpferd Eveline Widmer-Schlumpf wird irgendwann zurücktreten.
Das ist etwas weit in die Zukunft geblickt (lacht). Wir haben keine Partei um Eveline Widmer-Schlumpf herum gebaut. Das unterstellen uns die Medien gern. Wir aber haben die BDP gegründet, weil es uns in der SVP nicht mehr wohl war.

Muss sich die BDP nun neu positionieren?
Sicher nicht völlig neu. Wir bleiben eine bürgerliche und lösungsorientierte Mittepartei. Ob und wie wir uns allenfalls verändern, diskutieren wir nach der Analyse des Wahlresultats.

Würden Sie die Direktion wechseln wollen?
Nein. Das entscheide ohnehin nicht ich, sondern der Gesamtregierungsrat.

Bereits wurden Stimmen laut, die eine Rochade bei der Direktionsverteilung fordern. Wir haben eine mögliche Neuverteilung skizziert und sehen Sie als Erziehungsdirektorin – was halten Sie davon?
Nichts. Mein Mann ist Lehrer. Daher diskutieren wir am Familientisch oft Schulthemen – das reicht mir (lacht).

Steht Ihnen als am besten gewählte Regierungsrätin bei der Direktionszuteilung eine gewisse Wahlfreiheit zu?
Das wird sich zeigen.

Berner Zeitung

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