Ibrahimovics legendäres Tor gegen Buffon

Der Stern von Superstar Zlatan Ibrahimovic ging nach einem Tor gegen Gianluigi Buffon auf. Ist er mittlerweile gar zu gross für Schweden?

Unvergessenes Tor: Bei der EM 2004 in Portugal ist Zlatan Ibrahimovic gegen Italien und Gianluigi Buffon mit der Hacke erfolgreich. Heute stehen sich die beiden Legenden in Toulouse gegenüber (15 Uhr).

Dominic Wuillemin

Zlatan Ibrahimovic drehte ab, euphorisiert, voller Adrenalin, vielleicht auch ein wenig überrascht, obwohl ein Ibrahimovic sich prinzipiell alles zutraut. Schon damals, im Sommer 2004, als er noch bei Ajax Amsterdam unter Vertrag stand und noch niemand so genau wusste, ob es dieser Schlaks zu etwas bringen würde.

Wochen zuvor war ihm für die Holländer bereits ein sensationelles Tor gelungen, er hatte fünf Gegenspieler und den Torhüter düpiert. Doch dieser Treffer, auf der grossen Bühne der EM in Portugal, gegen Italien, gegen Welttorthüter Gianluigi Buffon, dieser Treffer war noch mal was ganz anderes. «Ich fühlte mich wie auf einem anderen Planeten. Es war eines der unglaublichsten Tore meiner Karriere», sagte er damals, mit 22 Jahren.

Es war in der 85. Minute geschehen. Nach einer Ecke für die Schweden flog der Ball auf den langen Pfosten, dann zurück zur Mitte, an die Fünferlinie, wo es gleich mehreren Italienern nicht gelang zu klären.

Und plötzlich kam Ibrahimovic wie aus dem Nichts angesprungen, energisch und elegant bugsierte er den Ball per Hacke in einem hohen Bogen ins Tor. 1:1: Es war der Grundstein für den Viertelfinaleinzug der Skandinavier – und die Sternstunde des Superstars.

Bewegung als Markenzeichen

Seither hat Zlatan Ibrahimovic viele Tore erzielt: Akrobatische, leichte, schwere, gefühlvolle, wichtige, unmögliche, kompromisslose, solche mit rechts, mit links, mit dem Kopf, per Hacke, per Schulter. Aber es war dieser Treffer vor zwölf Jahren in Porto, bei dem der Mythos Ibrahimovic zu entstehen begann.

Die Bewegung, die zum Tor geführt hatte, wurde sein Signature-Move, wie die Amerikaner sagen. Sein Markenzeichen. Gerne wird seither erzählt, dass Ibrahimovic über den schwarzen Gurt im Taekwondo verfüge. Es ist auch Teil der ­Legendenbildung.

Mit Selbstironie

Nach der EM in Portugal wechselte Ibrahimovic zu Juventus Turin, später spielte er auch für Inter Mailand, Barcelona, die AC Mailand, zuletzt bei Paris Saint-Germain. Überall sind ihm viele Tore gelungen, überall hatte er Erfolg. Mittlerweile ist er eine Ikone des Sports, mit dem Image des guten Badboys, stets grossmäulig, aber auch oft mit einem Schuss Selbstironie. Etwa wenn er seinen Abschied aus Paris mit den Worten ankündigt, er sei als König gekommen, er würde nun als Legende gehen.

Zlatan hier, Zlatan da

Noch aber ist Zlatan Ibrahimovic da, in Frankreich, bei der EM. Mit dem schwedischen Team, das scheint zuweilen vergessen zu gehen. Gestern sorgte die Meldung für Aufsehen, wonach der Stürmer kurzerhand den Schuhausrüster gewechselt habe. Zlatan hier, Zlatan da, er ist die übergrosse Figur der Skandinavier. Vielleicht ist Zlatan Ibrahimovic gar zu gross.

Gianluigi Buffon: Die italienische Torhüterlegende trifft heute in Toulouse auf Zlatan Ibrahimovic, der ihn einst alt aussehen liess.

Gianluigi Buffon lag am Boden, geschlagen, konsterniert, ungläubig. War ihm das wirklich passiert? Ihm, dem Welttorhüter und Champions-League-Sieger. Ihm, Gigi nazionale, San Gigi.

Es war der 18.?Juni 2004, Estádio do Dragão in Porto. Es lief die 85.?Minute, die Italiener führten gegen Schweden 1:0. Ein Resultat, mit dem sie die Türe zum Viertelfinal weit aufgestossen hätten.

Buffon stand also auf der Grundlinie, in Erwartung einer schwedischen Ecke. Der Ball flog auf den langen Pfosten, dann zurück zur Mitte, an die Fünferlinie, wo es gleich mehreren Italienern nicht gelang, zu klären. Buffon hechtete blitzschnell aus dem Tor, energisch, voller Entschlossenheit. Und kam doch zu spät.

Er war bezwungen: Nach einem Geniestreich. «Der einzige Schuldige an diesem Tor ist», sagte Buffon später einmal, «Zlatan Ibrahimovic».

Vielleicht gründet der Respekt, den Gianluigi Buffon dem schwedischen Superstar entgegenbringt, in dieser Sekunde, in diesem Tor für die Ewigkeit. Tage später schieden die Italiener aus, weil die Schweden und die Dänen auf Unentschieden gespielt hatten.

Die Azzurri waren empört, schrien laut Skandal. Unerhört: Die Geschehnisse von damals sind heute (15 Uhr), wenn die beiden Teams in Toulouse wieder aufeinandertreffen, noch immer unvergessen.

Als Legende aufgestiegen

Buffon und Ibrahimovic aber gingen fortan gemeinsame Wege. Sie wurden mit Juventus Turin zweimal Meister, die Titel später aber aberkannt, weil die Turiner tief im italienischen Fussballskandal versunken waren.

Der Rekordmeister musste absteigen, Ibrahimovic ging für viel Geld zu Inter Mailand, Buffon aber blieb. Nachdem er gerade mit Italien Weltmeister geworden war und überallhin hätte wechseln können.

Es sind diese Tage im Sommer 2006, die den Mythos des 38-Jährigen vielleicht nicht begründet, aber sicher gefestigt haben. Er, der grosse Torhüter, war sich nicht zu schade, in der Serie B gegen Teams wie Albino-Leffe, Mantova oder Rimini zu spielen. Buffon stieg prompt wieder auf, als Legende. 158 Länderspiele hat er mittlerweile bestritten. – ein Rekord natürlich. Sein Serie-A-Debüt liegt bald 21 Jahre zurück.

Private Fehlgriffe

Gianluigi Buffon ist mittlerweile so gross, da wird ihm auch mancher Fehltritt verziehen. Etwa, dass er 2012 in den italienischen Wettskandal verstrickt gewesen sein soll. Und zuletzt kam raus, dass ihm eine Investition in das Textilunternehmen Zucchi rund 20 Millionen Euro gekostet habe. «Weil ich an Made in Italy glaubte», sagte er. Es klang schon fast wieder heldenhaft.

Seinen Leistungen waren solche Geschichten aber nie abträglich. Am Montagabend gegen Belgien wirkte Gianluigi Buffon jung und frisch, er spielte stark. Und jubelte grossartig. Der ewige Gigi, es ist ein weiterer Spitzname von Buffon.

Berner Zeitung

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