Abgründe im Familienglück

Toffen

Das Theaterstück «Glückliche Zeiten» handelt von Beziehungen und ihrem Scheitern.

Wenn der Geburtstag der Mutter zum Fiasko wird und Familienbande reissen. Das Theater Toffen zeigt «Glückliche Zeiten»

Wenn der Geburtstag der Mutter zum Fiasko wird und Familienbande reissen. Das Theater Toffen zeigt «Glückliche Zeiten»

(Bild: zvg)

Bis ans Ende der Tage glücklich zusammen zu leben: Das ist die Vorstellung der meisten Paare. Hält das Verliebtsein einigermassen, werden Ringe getauscht, vielleicht ein Haus gebaut, Kinder geboren. Doch die Glückseligkeit von Liebenden ist dem Moment vorbehalten.

Der Alltag schleicht sich ein, und nicht wenige Beziehungen halten diesem Härtetest nicht stand. Im Theaterstück «Glückliche Zeiten» zerrt Autor Alan Ayckbourn die Unzulänglichkeiten des partnerschaftlichen Alltags nicht nur ins grelle Licht, nein, er bohrt mit spitzem Schreibwerkzeug darin herum und zeigt Abgründe von Beziehungen auf.

Das ist in der Inszenierung des Theaters Toffen nicht anders. Die berndeutsche Bühnenfassung von Ami Barbara Rauch und Ueli Schärer lässt das Publikum teilnehmen an den Geschichten von drei Beziehungen, die im Sumpf von menschlichen Schwächen ersticken.

Brüche in der heilen Welt

Die Bühne ist unter der Regie von Ami Barbara Rauch als Restaurant gestaltet. Im hinteren Teil feiert eine Familie den Geburtstag von Mutter Laura. Und schon räumt die Theatergruppe mit dem ersten Klischee auf: Der traute Kreis passt Mutter Laura, gespielt von Marianne von Dach, überhaupt nicht.

Ihr Lieblingssohn hat eine ihr nicht genehme Freundin mitgebracht. Was folgt, sind böse Anspielungen und Gehässigkeiten. Die Familie zelebriert Laura nur, wenn gerade der Restaurantbesitzer oder einer seiner Neffen an den Tisch tritt – die alle von Simon Schneider gespielt werden.

Ergänzt wird das Bühnenbild mit zwei kleineren Tischen im Vordergrund. Hier setzen sich die beiden Söhne jeweils mit ihren Partnerinnen hin. Für Rückblenden und Zukunftsausblicke.

An Tisch 1 erlebt man, wie sich Sohn Adam (Stefan Rupp) und Maureen (Franziska Brönnimann) kennen gelernt haben. An Tisch 2 erhält das Publikum einen Blick in die Zukunft: Sohn Glynn (Raphael Gonseth) und seine Frau Stephanie (Alexandra Gfeller) trennen sich. Die sonst so angepasste Stephanie sorgt für eine Überraschung. In dieser Zukunft fehlt der Vater (Roland Zwygart). Er hat das Saufgelage der Geburtstagsparty nicht überlebt.

Zusatzvorstellungen

Das Stück «Glückliche Zeiten» lebt von seinen Dialogen. Rauch dazu: «Ohne so erfahrene Amateurdarsteller wie hier beim Theaterverein Toffen hätte ich die Regie nie angenommen.» Der gute Ruf dieses Theaters sei bis zu ihr als Profi gedrungen, und so habe sie zugesagt.

Die gesteigerte Bekanntheit schlägt sich gemäss Hans-Ulrich Tanner auch in den Reservierungen nieder. 15 von 18 Vorstellungen waren innert kurzer Zeit ausgebucht, trotz der 100 Plätze, die allabendlich zur Verfügung stehen. Seit der letztjährigen Freilichtaufführung sei das Interesse noch grösser geworden, so Tanner.

Der Kundenstamm erstrecke sich weit über die Region Bern hinaus. Leute aus Basel, Zürich und Luzern seien ebenso interessiert. Um dem Andrang auf «Glückliche Zeiten» gerecht zu werden, haben die Organisatoren gar Zusatzvorstellungen eingeplant.

www.theater-toffen.ch

Berner Zeitung

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