Das Wasser soll aufwärtsfliessen

Trub/Trubschachen

Die Gemeinden Trub und Trubschachen werden ihr Trink-, Brauch- und Löschwasser künftig von der ­Gemeinde Langnau beziehen. Voraussetzung ist, dass die Stimmberechtigten den ausgehandelten Verträgen zustimmen.

<b>Eigentlich selbstverständlich</b> – oder doch nicht? Damit es immer fliesst, braucht die Wasserversorgung ein zweites Standbein.

Eigentlich selbstverständlich – oder doch nicht? Damit es immer fliesst, braucht die Wasserversorgung ein zweites Standbein.

(Bild: Urs Baumann)

Susanne Graf

Man möchte meinen, in regen­reichen Gebieten wie der Napf­region sollte Wasser in Hülle und Fülle vorhanden und Knappheit kein Thema sein. Doch im Herbst 2015 erfuhren die Bewohner von Trub und Trubschachen, was es heisst, wenn dem nicht so ist.

Die öffentlichen Brunnen wurden abgestellt, die Bevölkerung war aufgerufen, sorgsam mit dem Wasser umzugehen. Denn im trockenen Herbst sank der Grundwasserspiegel in Hüseren hinter dem Dorf Trub von Tag zu Tag.

Der für die Wasserversorgung zuständige Samuel Fankhauser musste damals «in einer Nacht-und-Nebel-Aktion» dafür sorgen, dass das Wasser aufwärtsfloss: Es wurde aus dem Gebiet Grauenstein nach Trub gepumpt. Dort, zwischen Trubschachen und Kröschenbrunnen, befindet sich die Grundwasserfassung der Gemeinde Langnau (siehe Kasten).

Was damals als Notszenario vorgesehen war und dank bereits vorhandener Leitungen problemlos funktionierte, soll nun zur fixen Lösung werden. Die Verantwortlichen der Gemeinden Trub, Trubschachen und Langnau haben die Wasserversorgung neu organisiert. An den kommenden Gemeindeversammlung werden die Stimmberechtigten über entsprechende Verträge und Kredite befinden.

Hüseren wird aufgegeben

Zwei Gründe gaben den Ausschlag für die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit: Die Wasserstrategie des Kantons Bern verlangt, dass jede öffentliche Wasserversorgung über ein zweites Standbein verfügt. Geplant war, Trub und Trubschachen in erster Linie vom Grundwasser ab dem Pumpwerk Hüseren zu versorgen und mit dem Langnauer Wasser die geforderte Reserve ­sicherzustellen.

Doch nun soll das Pumpwerk hinter dem Dorf Trub ganz stillgelegt werden – der zweite Grund für eine ­Zusammenarbeit der drei Gemeinden. «Schutzzonenprobleme» und «immer häufiger auftretende Extrem­situationen mit tiefem Grundwasserstand» seien dafür verantwortlich, erklären die Behörden von Trub und Trubschachen in ihren Informationen zu den bevorstehenden Gemeindeversammlungen.

Ein neues Pumpwerk

Beide Dörfer sollen nun also nicht in zweiter, sondern in erster Linie mit Trinkwasser aus der Grundwasserfassung Grauenstein versorgt werden. Auch für Notfälle stellen Trub und Trubschachen auf Langnauer Wasser ab: Das zweite Standbein ihrer Versorgung befindet sich im Reservoir an der Lenggen, von wo die Langnauer Wasser gegen die natürliche Fliessrichtung nach Trubschachen und Trub pumpen könnten.

Vorher muss allerdings eingangs Trubschachen noch ein Pumpwerk mit integrierter UV-Des­infektionsanlage gebaut ­werden. «Das machen wir erst, wenn die beiden Gemeinden den Verträgen zugestimmt haben», sagt der für die Ver- und Entsorgung zuständige Langnauer Gemeinderat Jürg Gerber. Die Anlage wird etwa 770 000 Franken kosten.

Die Truber machen an ihrer ­Gemeindeversammlung von morgen Abend den Anfang: Sie befinden über zwei Verträge. Der eine regelt die Wasserlieferung, der andere die Mitbenützung der Anlagen von Trubschachen. Gleichzeitig müssen die Stimmberechtigten einem Verpflichtungskredit zur Umsetzung des Projekts zustimmen.

Eine Woche später sind an der Gemeindeversammlung von Trubschachen die gleichen Fragen traktandiert. Stimmen beide Gemeinden zu, werden sich schliesslich die Mitglieder des Grossen Gemeinderates von Langnau an ihrer Sitzung Ende Juni ebenfalls mit den Vertragswerken beschäftigen.

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