Thun will BLS-Werkstätte auf keinen Fall

Thun

Keine hohe Wert­schöpfung, Lärm und Lichtemissionen in der Nacht – dies sind zwei der Gründe, weshalb der Gemeinderat einer BLS-Werkstätte im ESP Thun-Nord einen Korb gibt.

Thun Nord hat die BLS als möglichen Standort für eine neue Werkstätte auserkoren. Nur will die Stadt Thun den Platz anderweitig nutzen. (Archivbild) 2012)

Thun Nord hat die BLS als möglichen Standort für eine neue Werkstätte auserkoren. Nur will die Stadt Thun den Platz anderweitig nutzen. (Archivbild) 2012)

(Bild: Markus Hubacher)

Ursprünglich wollte die BLS in Bern-Riedbach eine neue Werkstätte bauen. Nachdem dieses Vorhaben auf Kritik gestossen war, hat die BLS eine Begleitgruppe mit der Evaluation von möglichen Alternativstandorten beauftragt. Wie die Stadt Thun mitteilt, hat die Begleitgruppe auch den Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Thun-Nord mit einem Bedarf von 10 Hektaren als denkbare Option bewertet.

Die Stadt Thun hatte bereits im Mai in einer Medienmitteilung kommuniziert, dass sie den ESP Thun-Nord als nicht geeigneten Standort für die BLS-Werkstätte erachtet.

Weitere Planungsarbeiten der Begleitgruppe für eine BLS-Werkstätte auf dem ESP-Areal ­sowie der von der Fraktion der Grünen eingereichte Vorstoss, der die Prüfung des Standortes ESP Thun-Nord für die Werkstätte verlangt, veranlassen den Gemeinderat, seine Gründe für die Ablehnung ausführlicher darzulegen.

Wertschöpfung hat Priorität

«Der ESP Thun-Nord stellt eines der wichtigsten wirtschaftlichen Zukunftspotenziale der Stadt Thun dar», sagt Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) auf Anfrage. In Anbetracht der in Thun für Wirtschaft und Arbeiten nur beschränkt zur Verfügung stehenden Bodenflächen stelle das Areal des ESP Thun-Nord für die Stadt Thun ein wertvolles und knappes Gut dar, steht in der Medienmitteilung der Stadt. Höchste Priorität habe deshalb die Ansiedlung von Unternehmungen mit hoher Wertschöpfung.

Nachdem der ESP Thun-Nord bereits im Rahmen des kantonalen ESP-Programmes als Pre­miumstandort klassifiziert wurde, hat im Frühjahr dieses Jahres die Hauptstadtregion Schweiz (HRS) das ESP-Areal auf die Liste der Topentwicklungsstandorte aufgenommen.

Diese Qualifikation deklariert den Standort nicht nur aus kantonaler Optik, sondern über ein Gebiet von fünf Kantonen (Bern, Freiburg, Neuenburg, Solothurn und Wallis) hinweg als bedeutend. «Die Ansiedelung einer nicht wertschöpfungsstarken Werkstätte, die den Boden nur schwach ausnützt, wäre kein gutes Signal für einen Premium-ESP», sagt Lanz.

Ruag und Armasuisse winken ab

Sowohl die Ruag Real Estate AG als auch die Armasuisse als Grundeigentümerinnen im Areal ESP Thun-Nord nutzen die betroffenen Bodenflächen entweder aktuell oder haben konkrete Pläne für deren weitere Entwicklung. Beide Grundeigentümerinnen sehen keine Möglichkeit, der BLS eine für den Bau einer Werkstätte geeignete Bodenfläche zur Verfügung zu stellen.

Gemäss Information der BLS-Begleitgruppe ist bei der angedachten BLS-Werkstätte ein 24-Stunden-Betrieb vorgesehen, bei dem laufend mit Lärmemissionen infolge Rangierbetrieb und Unterhaltsarbeiten zu rechnen ist. Zudem wäre das Areal in der Nacht permanent beleuchtet. Es ist davon auszugehen, dass Beleuchtung und Lärmemissionen die Wohn- und Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner des nahe liegenden Wohnquartiers Lerchenfeld erheblich beeinträchtigten.

Die Interpellation der Grünen wird der Gemeinderat im Sinne dieser Gründe beantworten. Das Geschäft ist für die Stadtrats­sitzung vom 24. August trak­tandiert.

tag/sda

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