Bern sucht den Superdirektor

Bern

Die Dachstiftung von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee hat für Donnerstag eine Pressekonferenz angekündigt. Vieles deutet darauf hin, dass die beiden Betriebe nun eine gemeinsame künstlerische Leitung erhalten.

Eine gemeinsame künstlerische Leitung fürs Zentrum Paul Klee (im Bild) und fürs Berner Kunstmuseum dürfte nun Realität werden.

Eine gemeinsame künstlerische Leitung fürs Zentrum Paul Klee (im Bild) und fürs Berner Kunstmuseum dürfte nun Realität werden.

(Bild: Urs Baumann)

Oliver Meier@mei_oliver

Plötzlich ging alles schnell. Anfang September gab Peter Fischer, Direktor des Zentrums Paul Klee, seinen Rücktritt per Ende Februar 2016 bekannt. Dass sich Berns fähigster Museumsmann zurückzieht, wirkte von aussen überraschend. Mittlerweile ist es aber ein offenes Geheimnis, was hauptsächlich dahintersteht. Fischer und der neue Stiftungspräsident Jürg Bucher hatten das Heu nicht auf der gleichen Bühne, der neue Stil, der mit dem Ex-Postchef Einzug hielt, passte dem Museumsmann nicht, er stufte ihn auch als zu wenig «kulturaffin» ein.

Fischers Abgangsankündigung scheint den Knoten gelöst zu haben. Was – ausser Fischer selbst – niemand im Umfeld der Dachstiftung als Ziel formulierte, dürfte nun Realität werden: Eine gemeinsame künstlerische Leitung für die beiden Häuser, mithin die engstmögliche Verzahnung der beiden Institutionen, abgesehen von einer Fusion, die rechtlich allzu schwierig sein dürfte.

Forsches Tempo

An der Medienkonferenz am Donnerstag will Bucher gemäss Einladung «über die Dachstiftung» informieren. Vieles deutet darauf hin, dass damit der Entscheid für eine Superdirektion gemeint ist. Das aber bedeutet auch: Der neue Stiftungsrat mit Jürg Bucher an der Spitze schlägt ein forsches Tempo an. Anfang September kündigte Bucher gegenüber dem «Bund» an, er wolle «Anfang 2016» personelle Entscheide vorlegen.

Dass Bucher nun am Donnerstag bereits einen Superdirektor oder eine Superdirektorin präsentieren kann, ist zwar ausgeschlossen. Vorentscheide aber dürften bereits gefällt worden sein. Schwer vorstellbar ist jedenfalls, dass der amtierende Kunstmuseums-Direktor Matthias Frehner in das Superamt gehievt wird. Dies wäre nicht nur politisch ein schlechtes Signal an die Partnerinstitution Klee-Zentrum.

Frehner scheint für ein solches Amt auch wenig geeignet. Der Kunsthistoriker und ehemalige Journalist gilt als fachlich starker, aber eher führungsschwacher und kommunikativ wenig versierter Direktor. Insider sehen ihn eher als künftigen Sammlungs-Verantwortlichen der beiden Häuser – Gurlitt-Werke inbegriffen, falls das Amtsgericht München sich zugunsten Berns ausspricht. Wer führt das Kunstmuseum und das Klee-Zentrums operativ in die gemeinsame Zukunft? Das Kandidatenkarussell beginnt sich zu drehen.

Berner Zeitung

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