Challandes: «Ich will ein Feuerwehrmann sein»

Bernard Challandes trainiert YB wie erwartet bis Ende Saison. Der 61-Jährige geht seine Aufgabe mit grossem Elan an.

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Fabian Ruch

Es ist mal wieder tiefe Krise im Stade de Suisse und Trainerflugzeit. Gestern gab YB wie erwartet die Verpflichtung von Trainer Bernard Challandes als Nachfolger Martin Ruedas bis Saisonende bekannt. «Es sind noch 30 Punkte zu holen», sagt Challandes bei seiner improvisierten Vorstellung im Stadion. «Wir werden Gas geben.» Wenige Meter daneben steht Sportchef Fredy Bickel und sagt: «In unserer Situation ist Challandes die beste Lösung. Er ist Schweizer, verfügbar, kennt die Liga und war bis vor kurzem in der Super League engagiert.» Bickel und Challandes beteuern, es gebe keine Klausel, wonach sich der Vertrag von Challandes verlängere, wenn er mit YB den Europacup erreiche – obwohl sich dieses Gerücht hartnäckig hält. «Nein, niemals», sagt Bickel. Und Challandes meint: «Das brauche ich nicht. Es geht nur um diese Saison.» Eine Prämie fürs Erreichen des Europacups hat er sich zusichern lassen. Dazu reicht vielleicht Rang 5.

Koller wäre sehr teuer

Spannend ist die Konstellation mit Challandes und YB aber allemal. «Sollen wir den Trainer Ende Saison rausschmeissen, wenn wir bis dahin zehnmal gewonnen haben?», fragt Bickel. Er ist leicht genervt, weil diese Zeitung am Montag verriet, dass Marcel Koller der YB-Wunschkandidat als Trainer der Zukunft sei. Bickel gibt sich Mühe, diese Nachricht zu dementieren («Koller verdient 1,5 Millionen Euro im Jahr und ist viel zu teuer»). Doch das YB-Interesse am Zürcher ist bekannt, der Weg bis zur Verpflichtung aber lang und steinig. Koller arbeitet als Nationaltrainer Österreichs und kämpft um eine WM-Teilnahme 2014, würde jedoch gerne als Klubtrainer tätig sein.

Mit sehr viel Leidenschaft

Vorerst heisst der YB-Trainer Bernard Challandes. Und der feurige, impulsive Neuenburger erfüllt bei seinen ersten Ausführungen im Stade de Suisse alle Vorstellungen. Er spricht ausführlich, schnell, mit vielen Bildern. Einmal sagt er: «Ich will ein Feuerwehrmann sein. Aber nicht einer, der löscht, sondern einer, der Feuer legt.» Es brauche Emotionen, Leidenschaft, Freude. Jeden Tag. Im Team. Im Betrieb. Unter den Fans. Challandes spricht und gestikuliert, rollt die Augen und breitet die Arme aus, tänzelt manchmal sogar, zu spüren ist seine Lust und seine Vorfreude. «Ich bin noch nicht fertig als Trainer», sagt der 61-Jährige.

Ein Engagement beim FC Luzern klappte letzte Woche nicht, möglicherweise auch, weil Challandes auf das Amt beim «Spitzenklub YB» spekulierte. Viele gute Spieler hätten die Young Boys, sagt Challandes, und es spiele keine Hauptrolle, ob das Team mit zwei oder drei Stürmern oder vier offensiven Mittelfeldspielern oder Aussenverteidigern, die wie Flügel stürmen, agiere. «Es geht darum, dass jeder Spieler seine Aufgabe mit absoluter Bereitschaft und teamorientiert angeht.» Wenn man Challandes so dozieren hört, minutenlang nach einer Frage, erhält man eine Vermutung, warum der Mann die YB-Trainerlösung sein könnte – für die letzten Wochen dieser missratenen Saison.

Aber langfristig? Seine Art nutzte sich zuletzt bei den Spielern relativ rasch ab, zum Beispiel in Thun. «Ach, ich weiss nicht, ob da wirklich so viele Spieler gegen mich waren», sagt Challandes. «Wir Trainer müssen unseren Weg gehen und Eier zeigen. Sonst sind wir immer die Dummen.»

Es gibt Leute, die rümpfen die Nase, weil einer, der vor kurzem bei Thun scheiterte, nun die YB-Spielzeit retten soll. Das kümmert Challandes nicht. Er ist mit grossem Elan bei der Sache, hat in der Rückrunde jedes Spiel der Young Boys entweder live oder am TV gesehen und findet: «Dieses Team hat Potenzial, braucht aber wieder mehr Vertrauen.»

«Schiedsrichter-Therapie»

Challandes, der in den letzten Jahren oft auf die Tribüne verwiesen worden war, weil er seine Emotionen an der Linie nicht im Griff gehabt hatte, absolvierte zuletzt eine «Schiedsrichter-Therapie», wie er sagt. Der Fussballfreak betreute in der Rückrunde Referees in der Super League und zeigte ihnen, worauf sie taktisch achten müssen und wie Trainer denken. «Das war eine wertvolle Erfahrung. Trainer und Schiedsrichter müssen mehr miteinander reden. Bei YB werde ich sicher nie auf die Tribüne müssen.»

Challandes erinnert sich an seine erste Zeit in Bern 1994/95, als YB kein Spitzenklub war, kein Geld besass und kaum Zuschauer hatte. «Manchmal kam der Lohn, manchmal nicht.» Das wird diesmal nicht das Problem sein. In der Krise aber ist YB im April 2013 mal wieder.

Berner Zeitung

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