Fussballplausch für Kinder in Ghana

Langnau

Am Sonntag spielen acht Teams der Sekundarschule in Langnau Fussball, um Spendengelder zu sammeln. Der Gewinn geht an Strassenkinder in Ghana. Isabel Lohri erklärt, wie diese von dem Geld profitieren.

Im Herzen bei den Strassenkindern in Accra: Isabel Lohri weiss, was es bedeutet, wenn Kinder keine Schule besuchen können.<p class='credit'>(Bild: Hans Wüthrich)</p>

Im Herzen bei den Strassenkindern in Accra: Isabel Lohri weiss, was es bedeutet, wenn Kinder keine Schule besuchen können.

(Bild: Hans Wüthrich)

«Rund 60000 Kinder leben in Accra, der Hauptstadt von Ghana, auf der Strasse.» Isabel Lohri-Lukunic kennt die Lebensbedingungen dieser Strassenkinder nur zu gut. Schliesslich steht die junge Schweizerin seit über zehn Jahren in engem Kontakt mit den Gründern der Hilfsorganisation Chance for Children.

Aufgewachsen ist Isabel Lohri in Bärau. Nach der Ausbildung im Kindergartenseminar suchte sie eine Tätigkeit im Ausland. Da eine ausgeschriebene Stelle an der Schweizerschule in Ghana bereits besetzt war, kam sie in Kontakt mit Daniela Rüdisüli Sodjah. «Daniela gründete gemeinsam mit dem einheimischen Amon Kotey ein Hilfsprojekt für Strassenkinder», erzählt Isabel Lohri. Die Emmentalerin willigte spontan ein, 2002 ein dreimonatiges Praktikum in Accra zu absolvieren.

Eine Zukunft ermöglichen

Isabel Lohri erinnert sich, wie bescheiden die Organisation zu Beginn noch war. «Heute läuft alles viel professioneller. Wir beschäftigen 35 Mitarbeiter aus Ghana und können 130 Kinder unterstützen.» Davon lebten 60 in eigenen Heimen, ungefähr 20 könne man wieder in ihre Familien integrieren, 20 besuchten bereits eine Ausbildung, und der Rest lebe zwar auf der Strasse, könne aber in einer Tagesstruktur mitmachen. Neben Workshops rund um Aufklärung und Hygiene helfe es manchmal auch schon, einfach eine Mahlzeit zu erhalten, eine Dusche zur Verfügung zu haben oder medizinisch versorgt zu werden.

Starthilfe Schuhputzkarton

Öffentliche Schulen seien zwar in Accra vorhanden, meistens aber völlig überfüllt und deshalb qualitativ nicht befriedigend, stellt Isabel Lohri weiter fest und sagt: «Amtssprache in Ghana ist Englisch, und wer keine Schule besuchen kann, ist bereits benachteiligt.»

Wichtig sei es in einem ersten Schritt, zu den Strassenkindern Vertrauen aufzubauen. «Einigen können wir eine Ausbildung finanzieren. Andere brauchen eine Starthilfe, zum Beispiel einen Schuhputzkarton, damit sie eine Zukunftsperspektive haben.»

Abfall und Fussball

Während die Mädchen vorwiegend Putzarbeiten übernehmen oder auf den Strassen Wasserflaschen verkaufen, sieht man die Jungen oft auf Müllhalden. Sie suchen dort unter anderem Elektroschrott, den sie dann auseinandernehmen und verkaufen können. «Ein wichtiger Zeitvertreib ist aber in Ghana sicher der Fussball, der am Strand oder in der Stadt gespielt wird.»

Deshalb lasse sich ein Benefizfussballturnier, wie es nun in Langnau geplant ist, gut mit einem Informationsanlass über das Hilfsprojekt kombinieren, findet Isabel Lohri und ergänzt: «Die Idee stammt von Pfarrer Matthias Zehnder aus Langnau, der übrigens selber in einem Team mitspielt.»

Isabel Lohri ist in der Schweiz für die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts zuständig. Sie besucht Accra inzwischen nur noch sporadisch. Im Sommer plant sie mit ihrer Familie, zu der zwei kleine Kinder (2- und 3-jährig) gehören, für ein Jahr nach Tansania zu verreisen. Aber Isabel Lohri betont: «Mit meinem Herzen bin ich immer noch bei den Strassenkindern in Accra.»

Kathrin Schneider Plausch-Turnier: Start des Benefizturniers vom kommenden Sonntag: 11 Uhr. Nach den Gruppenspielen kurze Präsentation (ca. 13.15 Uhr), Handwerksverkauf aus Ghana, Kettenatelier aus Glasperlen, Infostand. www.chance-for-children.org

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt