Demonstranten auf dem Bahnhofsplatz eingekesselt

Bern

«Solidarität mit Rojava»: Unter diesem Motto fand am Dienstagabend unter dem Baldachin eine unbewilligte Demonstration statt. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort.

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Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Am Dienstagabend gegen 18.30 Uhr fanden sich rund 50 Demonstranten auf dem Bahnhofsplatz ein, bauten einen Tisch mit Essen auf und hängten ein Plakat mit dem Schriftzug «Solidarität mit Rojava» auf. Die schaulustigen Passanten bekamen jedoch kaum etwas von den Teilnehmern der nicht bewilligten Kundgebung zu sehen.

Um sie herum standen mindestens genauso viele Polizisten in Vollmontur. Vor der Heiliggeistkirche standen zwei weisse Kastenwagen, wo Personenkontrollen bei den Demonstranten durchgeführt wurden. Wer sich kontrollieren liess, konnte die Polizeisperre verlassen.

«Schöner und friedlicher Anlass»

«Dass die Polizei einen Solidaritätsanlass, der Geld für diese Region (Rojava) sammelt, angreift und massiv stört, macht uns wütend», liess der Verein «Perspektiven bauen – Solidarität mit Rojava» noch am späten Dienstagabend verlauten. Er hatte zu dem Anlass aufgerufen. «Die Polizei trat äusserst martialisch (Schilder, Helme, Pfefferpistolen, Gummischrotgewehre) auf», heisst es in der Stellungnahme weiter.

Ausserdem kündigen die Aktivisten weitere Veranstaltungen an: So soll am Samstag in der Brasserie Lorraine ein Vortrag zum «Demokratischen Konföderalismus» stattfinden mit einem kurdischen Buffet im Anschluss. «Wir lassen uns unsere Solidarität nicht kriminalisieren und schon gar nicht verhindern.»

Kritik auch von der Juso

Die Juso hat sich nach dem Polizeieinsatz ebenfalls zu Wort gemeldet und findet: «Menschen festzuhalten, weil sie ein Essen veranstalten? Es ist klar, Reto Nause kann die Situationen nicht mehr richtig einschätzen», lässt sich Tamara Funiciello, Vorstandsmitglied der Juso Stadt Bern, in einem Communiqué zitieren. Zynisch heisst es weiter: «Mit grossem Mut und Einsatz konnte die Kantonspolizei die essenden und trinkenden Demonstranten unter Kontrolle bringen und so gefährliche kulinarische Übergriffe auf die Berner Bevölkerung verhindern.»

Grosses Polizeiaufgebot wegen Gewalt bei Demos vom Samstag

«Wir hatten Kenntnis von einem Aufruf zu einer unbewilligten Demonstration auf dem Bahnhofsplatz», sagt Polizeisprecherin Ramona Mock vor Ort. Mehrere Personengruppen seien von der Reitschule her auf den Bahnhofsplatz gezogen. Dort wurden sie einer Personenkontrolle unterzogen. «Weil bei den Demonstrationen vom Samstag massiv Gewalt ausgeübt wurde, unter anderem auch gegen Polizisten, sind wir mit einem entsprechenden Aufgebot ausgerückt», so Mock weiter.

Den Demonstranten war es vor der Personenkontrolle untersagt, mit jemanden ausserhalb der Polizeisperre zu sprechen. Ein Demonstrant teilte einem Reporter vor Ort via Handy mit, dass die Kundgebung nichts mit den Vorkommnissen vom Samstag zu tun hätten. Es gehe um die aktuelle Situation in Rojava, dem kurdischen Gebiet in Syrien, in dem sich die Stadt Kobane befindet.

Auf einem Flyer, mit dem zur Kundgebung aufgerufen wurde, steht, es sei «wichtig, die Solidarität aufrecht zu erhalten und weiterhin für die Freiheit aller Menschen zu kämpfen.»

Gemäss Mock hat der Polizeieinsatz so lange gedauert, bis alle Personen kontrolliert wurden.

Berner Zeitung

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