Das bietet die Stadt Bern ihren Migranten

Politische Mitsprache und Hilfe bei der Jobsuche: Das bietet die Stadt Bern den Migrantinnen und Migranten, um sie zu unterstützen und ihnen eine Stimme zu geben.

Die Stadt Bern bietet Migrantinnen und Migranten Hand - beispielsweise bei der Jobsuche.

Die Stadt Bern bietet Migrantinnen und Migranten Hand - beispielsweise bei der Jobsuche.

(Bild: Fotolia)

Ein Drittel der Berner Stadtbevölkerung hat einen Migrationshintergrund. «Ihnen fehlt bei der Jobsuche das Vitamin B, oder sie werden bei der Wohnungssuche diskriminiert», sagt Marianne Helfer vom Kompetenzzentrum Integration der Stadt Bern.

Ausländer, die ein Viertel der Bevölkerung ausmachen, haben zudem kein Stimm- und Wahlrecht. Die Stadt Bern bietet aber einiges, um die Migrantinnen und Migranten bei ihren Problemen zu unterstützen, und versucht, ihnen auch in der Politik eine Stimme zu geben.

Von der Ausländermotion . . .

Rund 60 Prozent des Stadtberner Stimmvolks haben im Juni 2015 der Partizipationsmotion zugestimmt. Seit dem 1. November dieses Jahres können in der Stadt Bern 200 Ausländerinnen und Ausländer einen Vorstoss einreichen. Kommt eine solche Ausländermotion zustande, beantwortet sie zuerst der Gemeinderat, anschliessend berät sie das Stadtparlament. Falls der Stadtrat das Anliegen annimmt, muss es die Stadtregierung umsetzen.

In den vergangenen zwei Monaten sei noch keine solche Motion zustande gekommen, sagt Marianne Helfer. Zwar habe es direkt nach der Abstimmung von Einzelpersonen und NGO grosses Interesse gegeben. «Aber eineinhalb Jahre nach der Abstimmung müssen wir erst wieder bekannt machen, dass es die Ausländer­motion gibt», so Helfer.

«Die Migrantinnen und Migranten sollen ihre Anliegen direkt bei jenen platzieren können, welche die Probleme beheben können.»Marianne Helfer

Auch das MigrantInnenforum, das seit 2002 jährlich stattfindet, soll Ausländern eine politische Stimme geben. Das Forum richtet sich aber auch an Schweizer mit Migrationshintergrund. Im Zentrum stehen allerdings nicht politische Entscheide, sondern der Austausch: «Die Migrantinnen und Migranten sollen ihre Anliegen direkt bei jenen platzieren können, welche die jeweiligen Probleme tatsächlich beheben können», sagt Marianne Helfer.

Im November dieses Jahres sprachen Migranten mit Schulleitern, Sozialarbeitern und Lehrern über das Thema «Die Schule unserer Kinder». Der Bericht des Forums landet jeweils auf dem Schreibtisch von Franziska Teuscher, der Vorsteherin der Sozialdirektion.

Rund hundert Migranten nehmen laut Helfer pro Forum teil: «Das ist für eine solche Veranstaltung eine recht hohe Zahl.» Gemessen an den über 34'000 Ausländerinnen und Ausländern, die in der Stadt Bern leben, sei die Teilnehmerzahl aber gering. Und: «Es ist klar, dass ein solches Forum das Stimm- und Wahlrecht nicht ersetzen kann.»

. . . bis zu Bernetz

Mit dem Projekt Bernetz will die Stadt Bern den Migranten die Tür zum Arbeitsmarkt öffnen. Bernnetz richtet sich an «qualifizierte Migrantinnen und Migranten» – das heisst an jene, die eine Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben. Doch wieso brauchen ausgerechnet gut ausgebildete Personen –zum Beispiel Kaufleute oder Architekten – die Unterstützung der Stadt? «Weil diese Personen häufig den Einstieg in ihr Berufsfeld nicht finden», sagt Marianne Helfer.

«Von offenen Stellen erfährt man oft beim Feierabendbier mit Arbeitskollegen.»Marianne Helfer

Sie würden dann in Gas­trobetrieben oder in der Reinigung arbeiten, oder der Partner komme für sie auf. Eine Stelle auf ihrem gelernten Beruf finden sie nicht, da Arbeitgeber meist einwandfreie Deutschkenntnisse erwarten und weil sie über kein berufliches Netzwerk verfügen: «Von offenen Stellen erfährt man oft beim Feierabendbier mit Arbeitskollegen», sagt Helfer. «Vielen Migrantinnen und Migranten fehlen aber diese Informanten.»

Hier versucht das Projekt anzusetzen: Bernetz vermittelt den Teilnehmern jeweils zwei sogenannte Vernetzer – Leute, die auf dem entsprechenden Beruf arbeiten. Das Projekt läuft heuer zum zweiten Mal an, es haben sich dreissig Personen angemeldet.

Dass der Stadt Bern die Migrantinnen und Migranten nicht egal sind, zeigte sie auch am 12. Dezember. An diesem Montag hat der Gemeinderat die Migrantinnen und Migranten der Stadt Bern in den Sternensaal in Bümpliz eingeladen, um sie zu würdigen und mit ihnen den internationalen Tag der Migranten zu feiern.

tis

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