Thorberg-Mitarbeiterin schenkte Häftling eine Kette - «Kein Sex»

Einer Angestellten der Strafanstalt Thorberg wurde gekündigt. Sie habe zu den Häftlingen keine angemessene Distanz gewahrt. Ein intimes Verhältnis zu einem Häftling habe sie jedoch nicht gehabt.

Die Strafanstalt Thorberg: Eine Mitarbeiterin hat einem Insassen eine Kette geschenkt.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Die Strafanstalt Thorberg: Eine Mitarbeiterin hat einem Insassen eine Kette geschenkt.

(Bild: Keystone)

Gegen eine Mitarbeiterin der Strafanstalt Thorberg läuft das Kündigungsverfahren, weil sie einem Häftling eine Halskette geschenkt hat. Die Anstaltsleitung wirft ihr vor, sie habe die professionelle Haltung der Nähe und Distanz zu dem Insassen nicht gewahrt.

Der zentrale Kündigungsgrund sei das zerrüttete Vertrauensverhältnis, sagte Thorberg-Direktor Thomas Egger am Dienstag vor den Medien. Die Kündigung sei aber noch nicht rechtskräftig.

Er betonte zugleich, Medienberichte über eine intime Beziehung der beiden träfen gemäss den vorliegenden Erkenntnissen nicht zu. «Eine Annäherung im sexuellen Sinn kann zum heutigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden.» Die Mitarbeiterin ist suspendiert, seit die Verantwortlichen Kenntnis vom Vorfall haben.

Die Geschichte war vor einigen Wochen dem «SonntagsBlick» zugetragen worden. Die Rede war von einer Liebesbeziehung mit einem wegen Vergewaltigung verurteilten Insassen.

Aufgrund der Medienberichte wolle die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern nun ein Verfahren eröffnen, berichtete Egger. Denn bei sexuellen Handlungen mit Gefangenen handelt es sich um ein Offizialdelikt nach Artikel 192 des Strafgesetzbuchs.

Der Vorsteher des Berner Amts für Freiheitsentzug, Thomas Freytag, im Video-Interview. Video: sda

Keine reine Männerwelt

Auf dem Thorberg leben 180 Straftäter. Betreut werden sie von 130 Personen, darunter sind gut 20 Frauen. Es sei richtig und wichtig, dass auch Frauen in dieser Männerwelt lebten, betonte Egger. Sonst fänden sich die Insassen später in der Freiheit nicht mehr zurecht.

Thomas Freytag, Vorsteher des bernischen Amts für Justizvollzug, nannte ein Beispiel: Viele Männer täten sich schwer, sich von Frauen etwas befehlen zu lassen. Wenn sie dies auf dem Thorberg nicht lernten, könnten sie sich später in der Arbeitswelt kaum noch zurechtfinden.

flo/sda

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