Plüss-Rücktritt – das sagen Weggefährten

Mit Martin Plüss erklärt einer der prägendsten Schweizer Eishockey-Figuren der letzten zwei Jahrzehnte seinen Rücktritt.

Peter Berger@PeterBerger67
Reto Kirchhofer@rek_81

Tristan Scherwey: «Plüssi war ein super Typ, mega professionell von A bis Z. Er war sehr seriös und ernst, verfügte aber durchaus auch über eine andere Seite. So konnte man mit ihm scherzen und lachen. Hatten wir einen neuen Spieler im Team, wiesen wir diesem im Car absichtlich den Platz von Plüssi zu, der stets als Letzter einstieg. Bis zum Schluss nervte sich Plüssi, wenn er einen Neuen auf seinem Platz erblickte – sehr zur Belustigung von uns. Schade, beendet er nun seine Karriere. Ich wünsche ihm alles Gute für den nächsten Lebensabschnitt und viel Freude mit der Familie.» Aufgezeichnet: pbt

Ivo Rüthemann: «Wir spielten schon in der Juniorennationalmannschaft zusammen, später auch lange Zeit im A-Team und natürlich beim SCB. Oft waren wir in der gleichen Linie. Er war ein guter und wertvoller Mitspieler, der konsequent viel investierte und sich stetig weiterentwickelte. Früher lebte er stark von seiner Energie, in Schweden lernte er dann, seinen Körper einzusetzen. Als er zurück in die Schweiz kam, hatte er zu Beginn läuferisch etwas Rückstand. Das holte er jedoch schnell auf und war fortan ein kompakter Spieler. Obwohl wir privat nicht viele Berührungspunkte haben, stehen wir noch heute in Kontakt.» Aufgezeichnet: pbt

Simon Moser: «Plüssi war auf und neben dem Eis ein Musterprofi. Ich erachte es als riesige Ehre, dass ich mit ihm im gleichen Team spielen durfte. Er ist für mich einer der besten Schweizer Stürmer. Er beherrschte alles: defensiv, offensiv, die Bullys. Ich bin sein Nachfolger als Captain, aber noch lange nicht auf seinem Niveau. Er war ein guter Kommunikator, brachte die negativen Sachen zum richtigen Zeitpunkt auf den Tisch, war schlau und hinterfragte alles. Dass er jetzt in aller Stille seinen Rücktritt bekannt gibt, passt zu ihm. Eine riesige Abschiedssause hätte ihm nicht entsprochen.» Aufgezeichnet: pbt

Antti Törmänen: «Martin Plüss war für mich bereits ein Thema, als ich noch für die finnische Nationalmannschaft spielte. Es hiess dann jeweils vom Coach: ‹Vorsicht, Plüss und Rüthemann, das sind nicht die Grössten, aber sie haben ein grosses Herz.› Während meiner Zeit als SCB-Trainer habe ich Plüss als ausgezeichneten Athleten erlebt: Je härter die Situation, desto stärker war er. Martin zog sein Ding durch. Selbst wenn er nicht mit den Jungs in den Ausgang ging, stand bei ihm der Teamgedanke im Vordergrund. In den Playoffs 2013 waren wir in Rücklage, Plüss lud uns nach Hause ein, danach holten wir den Titel. Nur sein Stock war, nun, schräg: Wie konnte er mit dieser geraden Schaufel über 20 Saisontore erzielen? Auch das belegt seine Qualität. Respekt!» Aufgezeichnet: rek

Beat Gerber: «Das Captainamt war die passende Funktion für ihn. Stets setzte er sich für das Team ein. Er war ein Spieler, der alles machte, um erfolgreich zu sein, ein Musterprofi eben. Er montierte immer Schoner an seine Kufen. Letzte Saison vergass er, diese bei einem Spiel der Champions Hockey League auszuziehen und landete prompt auf dem Hosenboden – sehr zur Freude von uns. Plüssi hat eine gute Karriere gemacht, ob in Schweden, im Nationalteam oder beim SCB – er war überall sehr stark. Vom Privatleben gab er nicht viel preis, er wollte das so, und wir alle haben das akzeptiert.» Aufgezeichnet: pbt

Sven Leuenberger: «Martin Plüss war einer der grossartigsten Schweizer Spieler und verkörperte Weltklasse. Mich hat beeindruckt, wie er sein Topniveau halten konnte, an sich arbeitete, sich auch um das Team kümmerte. Seine Einstellung zum Sport war hervorragend. Er war eine grosse Persönlichkeit. Wenn man ihn als Gesamtpaket betrachtet, kann man nur sagen: ‹Wow›. Bei Verhandlungen mit mir vertrat er eine klare Meinung und wusste genau, was er wollte. Er brauchte keinen Berater, sondern kam allein; auch in dieser Hinsicht war er einer der letzten Mohikaner.» Aufgezeichnet: pbt

Berner Zeitung

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