Verschnaufen mit Hank Shizzoe

Auch auf seinem neuen Album «Steady as We Go» jagt der Berner Gitarrist Hank Shizzoenach dem perfekten Sound. Und findet ihn zusammen mit einer neuen Band.

Stolz wie eine Western-Swing-Band aus den 40ern (von links nach rechts): Tom Etter, Simon Baumann, Hank Shizzoe und Michael Flury.

Stolz wie eine Western-Swing-Band aus den 40ern (von links nach rechts): Tom Etter, Simon Baumann, Hank Shizzoe und Michael Flury.

(Bild: Reto Camenisch)

Shutdown, Klimawandel, Rahmenabkommen. Die Zeit drängt. Push-Nachrichten, Filterblasen, Twitter. Eile herrscht. In einer Verschnaufpause legt man die neue Platte von Hank Shizzoe auf. «Steady as We Go» heisst sie, frei nach Jack White.

Hank Shizzoe - Steady As We Go (Quelle: Vimeo/Hank Shizzoe)

Den Anfang macht eine einsame Gitarre, die aus der Zeit fällt wie ein kurzes gedankliches Abschweifen: ohne Ziel, ohne Takt. Dann setzt die Musik ein. Sie hat den Sound, den man im Englischen als «vintage» bezeichnet und für den es bei uns kein passendes Wort gibt. Die Band spielt «Careless Love», eine amerikanische Ballade, die schon der Kornettist Buddy Bolden in der Dämmerung des Jazz vor über 100 Jahren intonierte.

Hank Shizzoes Slide-Gitarre könnte auch als musikalisches Pendant zu T.C. Boyle durchgehen.

Das Lied erzählt von den Abgründen der Liebe. Hank singt es mit stoischer Ruhe, die sich nur höchst selten einen emotionalen Ausbruch leistet. Dazu lässt er sich von Tinu Heinigers Klarinette schmeicheln, die ihn neckt und aufheitert. Hank und Tinu kennen sich über ihren gemeinsamen Mentor Stephan Eicher.

Fabulierende Gitarre

Seit bald 30 Jahren tritt der Gitarrist Thomas Erb als Hank Shizzoe auf. Seinem Stil ist er auch visuell treu geblieben. Schon auf dem Cover seiner ersten EP machte er auf alt und posierte als Double des mythenumrankten Bluesmanns Robert Johnson, der 1938 qualvoll am Rattengift starb, das ihm eine enttäuschte Geliebte ins Essen gemischt hatte.

So beschreibt es jedenfalls der fabulierende Kultautor T.C. Boyle, dessen musikalisches Pendant Hank Shizzoes Slide-Gitarre sein könnte. Auf den Fotos zum neuen Album posieren Hank und seine Musiker nun wie eine Western-Swing-Band aus den 40ern, die stolz ihre schönsten Gitarrenmodelle präsentiert. Sie sind jetzt schon etwas älter.

Hank Shizzoe ist der amerikanischste Musiker der Schweiz, auch wenn er seine Liebe stets mit dem kritischen Blick des Europäers mustert. Er hegt das American Songbook und die entsprechende Klangkultur. Und er pflegt eine Vorliebe für dessen Fackelträger wie Bob Dylan oder Ry Cooder.

Längst spielt der Schweizer Slide-Gitarrist auf Augenhöhe mit den Meistern des Fachs. Seine Americana-Musik hat sich über die Jahre nicht gross geändert, doch Shizzoe bleibt ein Jäger des perfekten Sounds. Auf «Steady as We Go» kommt er der angestrebten Perfektion nahe. Im Zentrum stehen die Songs, viele davon Standards, andere aus der eigenen Feder, alle ballastfrei arrangiert.

Leise Kritik

Eine prächtige neue Band (mit Tom Etter, Michael Flury, Simon Baumann, verstärkt durch Bassist Michel Poffet) und ein eigenes Studio sind klare Pluspunkte dieses 16. Shizzoe-Werks. Sie ermöglichen ein atmosphärisch dichtes, in sich geschlossenes Album. Manchen mag das viel zu ruhig und relaxt sein. Wer Musik als Ventil oder Galeerentrommel braucht, ist hier fehl am Platz. Selbst wenn er im Song «They’re No Good» über den IWF oder den Mann im Oval Office herzieht, wird Hank Shizzoe nie laut.

Album: Hank Shizzoe, Steadyas We Go, Blue Rose Records.Konzert: 1. Februar, 19 Uhr, Serge and Peppers Records, Bern.

Berner Zeitung

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