Ein Aufruf, die Kanzel selbst zu erklimmen

Rohrbach

Pfarrer Alex Kurz hat mit Fotograf Rolf Sutter einen neuen Kirchenführer gestaltet. Die Lange Nacht der Kirchen ist auch Vernissage.

Führt durch die Kirche im Hintergrund: Pfarrer Alex Kurz.

Führt durch die Kirche im Hintergrund: Pfarrer Alex Kurz.

(Bild: Thomas Peter)

Jürg Rettenmund

Dieser Teil der Kirche von Rohrbach fällt kaum auf: Ein Holztäfer zieht sich entlang der grauen Mauer vom Hauptportal bis zur Kirchentür links vom Chor. Doch Fotograf Rolf Sutter hat es für den neuen Führer über die Kirche gekonnt ins Bild gesetzt. Den Text schrieb Pfarrer Alex Kurz; die Idee lieferte sein Pfarrkollege Samuel Reichenbach. «Wir funktionieren als Team oft so», hält Alex Kurz im Sitzungszimmer des Pfarrhauses fest: «Er liefert die Ideen, ich fasse sie in Worte, Rolf Sutter in Bilder. Intuitiv erfasst er, um was es mir geht», sagt Kurz und zeigt auf die Rückseite der Broschüre: «Dass er auf dem Drohnenbild den Friedhof mit aufgenommen hat, fiel ihm nicht auf, doch es ist eine schöne Abrundung des Ganzen.»

Anstoss aus dem Alltag

Der Anstoss zum Führer war ein ganz praktischer. Pfarrer und Kirchgemeinderat von Rohrbach stellen immer wieder fest, dass ihre Kirche häufig aufgesucht wird. «Samuel Reichenbach und ich legen dort jeweils auch unsere Predigttexte auf», erwähnt Alex Kurz. «Pro Woche wird im ­Durchschnitt eine Handvoll Kopien mitgenommen.» Diesen Besuchern will die Kirchgemeinde künftig etwas in die Hand geben, das sie durch die Kirche führt und das sie anschliessend mitnehmen können.

Es ist nicht die erste Broschüre, die Kurz und Sutter gemeinsam gestalten. Bereits erschienen sind Gedanken zu Taufe und Kindersegnung, zu Tod und Begräbnis, zu Weihnachten sowie zum Glauben aus christlicher Sicht. «Aus dieser Erfahrung ist ein Layout entstanden, das wir gemeinsam immer wieder neu füllen können.» Nun also zur Kirche in Rohrbach selbst.

Die Bedeutung der unscheinbaren, nun gekonnt ins Bild gerückten Wand: Rohrbach gehört mit einer Ersterwähnung 795 zu den ältesten urkundlich belegten Kirchen im Oberaargau und im Kanton Bern. Fünfmal wurde sie seither umgebaut und neu gebaut, letztmals 1738, als sie ihre heutige Gestalt erhielt.

Vom Raum ausgehen

Die Mauerlinie zwischen Haupt- und Seiteneingang war jedoch Bestandteil aller Kirchen. Sie ist deshalb ein Ort, so der Pfarrer, wo Menschen seit zwölf Jahrhunderten «bei Gott ein offenes Ohr suchen und finden». Überhaupt geht Alex Kurz stark vom gegebenen Raum aus, ruft die Besucher zum Beispiel dazu auf, die Kanzel selbst zu erklimmen und die ­Mischung aus Kontrolle und Überblick, aus Höhenangst und Machtgefühl selbst zu empfinden. Oder sich ins Chorgestühl zu setzen, um die Perspektive der Chorrichter und der Kirchgemeinderäte einzunehmen, die noch dort sitzen mussten: «öffentlich ausgestellt, von einem starren Stuhlrahmen umschlossen und mit dem Rücken zur Wand.» Würde, so der Pfarrer und Autor, bringe eben Bürde.

Erste Gelegenheit

Gelegenheit, sich durch die neue Broschüre führen zu lassen, bietet sich zum ersten Mal am kommenden Freitag. Dann findet die Vernissage im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen statt (siehe Kasten). Sie beginnt in Rohrbach mit Verpflegung und Begegnung auf dem Kirchhof oder im Kirchgemeindehaus und wird abgeschlossen mit Liedern, die Alex Kurz zusammen mit Christof Fankhauser ins Berndeutsche übersetzt hat und die erstmals in dieser Form vorgestellt werden. Auch Kurz und Fankhauser sind ein eingespieltes Team. Gemeinsam hätten sie herausgefunden, erklärt Kurz, dass die berndeutschen Psalmen Generationen verbinden.

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