Präzisionsarbeit für 21 Minuten und 16 Sekunden Lichtzauber

Bern

Bevor am Mittwochabend um 22.30 Uhr das Feuerwerk auf dem Gurten gezündet wurde, war präzise Arbeit nötig. In den Morgenstunden bauten am Mittwoch acht Mitarbeiter der Firma Bugano AG unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen das Berner Augustfeuerwerk auf.

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Um 8 Uhr fahren die ersten Lastwagen der Feuerwerksfirma Bugano aus Neudorf LU auf dem Gurten vor. Sie liefern Rohre, Kanonenkugeln, Kabel und weiteres Feuerwerksmaterial an. Die Spezialisten verteilen die Rohre, die in speziellen Holzharassen stehen, auf fünf verschiedene Plätze auf der Wiese unterhalb des Wäldchens bei der Bergstation der Gurtenbahn.

Prächtiges Hochsommerwetter mit stahlblauem, wolkenlosem Himmel ist angesagt. Bei der Talstation stehen bereits Dutzende Besucher Schlange. «Heute gibts einige Extrafahrten. Wir rechnen mit rund 10'000 Besuchern», sagt ein Angestellter der Gurtenbahn.

Das Gelände, auf dem das Feuerwerk installiert wird, ist grossräumig abgesperrt. Angestellte der Broncos-Security patrouillieren. «Sicherheit ist unser oberstes Gebot. Hier oben gab es mal 15 Jahre kein Feuerwerk mehr. Alle Berner wissen noch genau, warum», sagt Patrik Baumgartner, Betriebsleiter der Firma Bugano. Er ist Chef auf dem Platz und deshalb verantwortlich für die Sicherheit.

Lack schützt vor Feuchtigkeit

Beim Aufbau, während der Zündung des Feuerwerks und beim Abbau herrscht absolutes Rauchverbot. Und ausser den Profis und dem Securitypersonal darf sich niemand auf dem Feuerwerksgelände aufhalten. 33 Euro-Paletten mit Abschussrohren aus Hartkarton stehen auf dem Gelände. Die Kartonrohre sind vorher zum Schutz gegen Feuchtigkeit lackiert worden und werden nun in den Holzkisten vernagelt. In jedem Rohr liegt eine Feuerwerks-Kanonenkugel bereit. Unter ihr ist Schwarzpulver befestigt. «Alle Kugeln sind mit einer Zündschnur versehen, die zur Treibladung gelangt. Diese löst eine verzögerte Zündung direkt in der Kugel aus», erklärt Betriebschef Patrik Baumgartner.

Jede Kugel kann vom Computer aus angesteuert und mit einer Präzision von einer Dreissigstelsekunde gezündet werden. Die Zuschauer in Bern bekämen Schall und Rauch natürlich etwas verzögert mit. «Es ist eben wie bei Blitz und Donner aus der Ferne.» Inzwischen beginnen einige Spezialisten, die vielen Rohre mit dünnen orangen Drähten zu verkabeln und kleine Steuerkästen anzuhängen. Auch hier sei das genaue Stecken äusserst wichtig, sagt Patrik Baumgartner. 21 Minuten und 16 Sekunden dauere das diesjährige Gurten-Feuerwerk, 1300 Zündungen würden durchgeführt, und 92 Funkempfänger mit je 16 Leitungen stünden im Einsatz.

Mit 13 Feuerwerke gebaut

Patrik Baumgartner hat seinen ersten Ferienjob bei der Firma Bugano erhalten, welche damals ihren Standort noch in seinem Wohnort Ballwil hatte. «Ich musste Raketenstäbe verschrauben», erinnert sich der 38-Jährige. Seither sei er immer bei der Firma Bugano dabei und seit acht Jahren auch deren Betriebsleiter. «Das Schönste an diesem Beruf ist, so vielen Leuten Freude zu bereiten», sagt er. Zudem komme er viel in der Welt herum. Schon in Montreal, Abu Dhabi oder Shanghai habe er Feuerwerke gezündet. Das Gurten-Feuerwerk gehöre zu den grossen in der Schweiz und international zu den mittelgrossen. Toni Bussmann, sein Chef, habe das ganze Feuerwerk geplant. «Er hat einen Showreport für das Gurten-Feuerwerk angefertigt, alle Details sekundengenau durchorganisiert. Das ist beeindruckend.»

Und bei Regenwetter?

Das trockene Wetter von gestern früh kam den Feuerwerksprofis entgegen. Bei Regenwetter wird die Vorbereitung nämlich zur Herausforderung. «Dann müssen wir Zelte aufbauen, um die Rohre im Trockenen zu installieren», sagt Baumgartner. Die Crew müsse alle Rohre mit Plastikfolien versiegeln und bis kurz vor der Zündung alles mit Plachen abdecken.

Bei Knopfdruck Stopp

Bei einer Panne kann Baumgartner das Spektakel per Knopfdruck stoppen. «Dann geht 20 Minuten nichts, und das System muss wieder hochgefahren werden», sagt er. Es selber steht bei der Zündung am Waldrand, mit Crewmitgliedern und drei Feuerwehrleuten. Tauche auf dem Gelände ein Spaziergänger mit Hund auf, stoppe er das Feuerwerk. «Das ist das, was man in der Stadt unten dann für eine Panne hält», sagt Baumgartner. Für kleine Zwischenfälle gibt es auch einen «Pausenknopf».

Nach dem Feuerwerk kontrolliere er jedes Rohr, ob eine Kugel nicht gezündet hat. Erst dann dürfen Spezialisten mit dem zweistündigen Abbau beginnen.

Berner Zeitung

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