Die Goalie-Frage und fehlende Antworten

Ein Nullpunktewochenende für die SCL Tigers: Nach dem 0:2 in der Ilfishalle gegen Bern verlieren die Langnauer in Davos 3:4. Torhüter Ivars Punnenovs scheint im Duell mit Damiano Ciaccio die Nase vorne zu haben.

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Auch ein Rücken kann entzücken. Dies dürfte sich der Davoser Broc Little gedacht haben, als er hinter dem Langnauer Gehäuse stehend die Scheibe einfach mal nach vorne spedierte. Natürlich vergass er das Zielen nicht, via Rücken des verdutzten Tigers-Goalies Damiano Ciaccio kullerte der Puck ins Tor. Sieben Minuten waren erst gespielt, nach dem Führungstreffer aber agierte lange Zeit nur noch das Heimteam.

Nach 25 Minuten lagen die Davoser 4:1 vorne; bis zur zweiten Pause änderte sich daran nichts, obwohl es gut und gerne 8:1 hätte stehen können. Der Tabellenvierte schaltete bald einen Gang, nein, eher zwei Gänge zurück, verrichtete fortan Dienst nach Vorschrift. Weshalb die zuvor überforderten Gäste quasi aus dem Nichts zurück ins Spiel fanden, dank Toren von Alexei Dostoinov und Yannick-Lennart Albrecht auf 3:4 (50.) verkürzten.

­Arno Del Curto, längst fuchsteufelswild geworden, nahm sein Time-out, und die These sei gewagt: Hätte er ein Mikrofon bei sich gehabt, seine Wutrede wäre ein Youtube-Hit geworden. Langnau erspielte sich in der Schlussphase tatsächlich noch drei Grosschancen. Auf die Frage, weshalb seine Equipe 40 Minuten lang derart Mühe bekundet habe, fand Coach Heinz Ehlers keine Antworten. «Das ist unerklärlich. Aber die Davoser waren stark. Spielen sie so, kriegt wohl jedes Team Probleme.»

Ciaccios Auswechslungen

Es war kein Wochenende nach Langnauer Geschmack: null Punkte, Rückfall auf Platz 11. Ehlers meinte zwar, der Rang dürfe niemanden überraschen, «aber mich stört es extrem, verlieren wir so oft». Gegen Bern hatten die Emmentaler in der ausverkauften Ilfishalle solide, aber eben auch ziemlich harmlos gespielt. 20 Stunden später präsentierten sie sich zuweilen unstrukturiert, markierten in der gegnerischen Zone während der ersten beiden Drittel zu wenig Präsenz. Der bemerkenswerte Effort in der Endphase vermochte das Verdikt kaum mehr zu beschönigen.

Zu beschönigen gab es auch nichts an der Leistung Damiano Ciaccios, den Ehlers nach nur 34 Sekunden im Mittelabschnitt vom Eis beorderte – es handelte sich nicht um seine erste Auswechslung in dieser Saison. Ivars Punnenovs hat sich im «Duell» der Goalies markante Vorteile erarbeitet. Er ist bis anhin 486 Minuten lang zwischen den Pfosten gestanden, der Romand deren 298. Ciaccio habe beim ersten und beim dritten Gegentor nicht gut ausgesehen, meinte Ehlers. Punnenovs mag er (noch) nicht als Nummer 1 bestätigen, «aber Fakt ist, dass er zuletzt einige enge Spiele für uns entschieden hat».

Ciaccio war freilich wenig begeistert, er meinte nur: «Es könnte besser laufen.» Nun, seine Statistik ist mit 87,1 Prozent gehaltener Schüsse bescheiden. Daran ändert nichts, dass ihm seit Qualifikationsbeginn das Pech an Goaliestock und Fanghand klebt. Der Aufstiegsheld von 2015 bekräftigte, in Langnau glücklich zu sein. «Sonst hätte ich meinen Vertrag nicht bis 2019 verlängert.» Er werde sicher keinen Stunk verbreiten, «in unserer Situation hat es keinen Platz für Einzelinteressen», resümierte der 28-Jährige.

Punnenovs’ Anspruch

Auch Punnenovs ist bis 2019 an die Tigers gebunden. Bereits in der vergangenen Saison hatte er mehr Einsatzzeit gefordert, ziemlich offensiv den Anspruch geäussert, die Nummer 1 sein zu wollen. Der Lette, welcher dank Schweizer Lizenz das Ausländerkontingent nicht belastet, ist erst 23; im Frühling kam er zu seinem WM-Debüt, er figuriert auch in Lettlands Kader für die November-Länderspiele. «Meine Form wird besser», hielt er fest, die Fangquote hat er nach durchzogenem Saisonstart auf 90,9 Prozent verbessert. Wenngleich er im Derby das 1:0 Tristan Scherweys mit einem Abpraller mitverschuldete, hat Punnenovs am Wochenende abermals Eigenwerbung betrieben.

In Davos konnten sich seine Vorderleute bei ihm bedanken, durften sie noch in den Schlusssekunden auf Punktezuwachs hoffen. Auf den Einwand, er sei dem Nummer-1-Status sehr nahe gekommen, mochte Punnenovs nicht näher eingehen. «Das soll der Trainer beurteilen, meine Meinung zählt nicht.» Das Verhältnis zu Kollege und Konkurrent Ciaccio bezeichnet er als professionell. «Gemeinsam Nachtessen würden wir aber nicht.»

Berner Zeitung

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