Umnutzen statt abbrechen

Burgdorf

Zwei Zeitzeugnisse der Burgdorfer Industriegeschichte sollen erhalten bleiben. Der Berner Heimatschutz wehrt sich gegen den Abbruch dieser Gebäude der früheren Maschinenfabrik Aebi.

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Urs Egli

65 Jahre lang prägten die Industriegebäude der Landmaschinenfabrik Aebi & Co. AG mit ihren markanten Rasterfassaden das Erscheinungsbild des Burgdorfer Bahnhofquartiers. Das soll sich bald ändern. Die Alfred Müller AG aus dem zugerischen Cham, welche die Industriebrache besitzt, will sämtliche acht Gebäude abbrechen und durch Neubauten ersetzen.

Dass dadurch auch zwei Fabrikgebäude von der Bildfläche verschwinden würden, die als zeittypische Vertreterinnen der Industriearchitektur aus den 1950er-Jahren gelten, ist aus Sicht des Berner Heimatschutzes ein grosser Verlust. Deshalb hat er gegen das Abbruchgesuch Einsprache erhoben.

Abkehr vom Siegerprojekt

«Wir stehen zwar ganz klar für eine Entwicklung dieses ehemaligen Industrieareals ein. Jedoch sind wir der Meinung, dass man den geplanten Abbruch der Gebäude Lyssachstrasse 46 und 48 kritisch hinterfragen muss», betont Heinz Sägesser, Präsident der Bauberater des Berner Heimatschutzes, Regionalgruppe Burgdorf.

Fakt sei nämlich, dass beim durchgeführten Wettbewerb jenes Projekt gewonnen ­habe, das die beiden Gebäude erhalten wollte. Die Jury stellte in ihrer im September 2015 präsentierten Würdigung des siegreichen Projekts von Camponovo Baumgartner Architekten, Zürich, tatsächlich fest: «Die Stärke des Projekts liegt im Einbezug der bestehenden Strukturen und im Wechselspiel alter und neuer Bauten.»

Das Projekt nehme die bestehenden Strukturen auf, versuche sie zu klären und in einen grös­seren Zusammenhang mit dem ganzen Bahnhofquartier zu stellen. Positiv wertete das Beurteilungsgremium zudem, dass auch nicht erhaltens- oder schützenswerte Bauten bestehen bleiben sollen.

«Der Projektvorschlag wird in seiner städtebaulichen Haltung und Auseinandersetzung mit der gewachsenen Baustruktur gewürdigt. Er zeigt auf, dass der Einbezug der prägenden bestehenden Gebäudevolumen, speziell der Aebihalle, möglich ist und dadurch eine hohe Siedlungs- und Aussenraumqualität entstehen kann», heisst es im Bericht weiter.

Die Identität des Quartiers

Dass die Alfred Müller AG die Vorzüge des Projekts von Camponovo Baumgartner Architekten jetzt beiseite legt und alle Gebäude der ehemaligen Maschinenfabrik Aebi dem Erdboden gleichmachen will, ist für den Heimatschutz die Hauptmotivation zur Einsprache. Auch werde dadurch eine wichtige Zielsetzung des Studienauftrags Suttergut Nord nicht erfüllt: «Die denkmalpflegerisch bedeutsamen Gebäude sind in der neuen Überbauungsstruktur zu respektieren und zu integrieren.»

An dieser Prämisse gelte es festzuhalten. Die Umnutzung der beiden Fabrikbauten sei wichtig, damit die städtebauliche Entwicklung erkennbar bleibe, «nicht dass man sich in Burgdorf wie in Bern-West fühlt. Dass die Identität des Quartiers gewahrt wird, ist eines unserer Anliegen.»

Die Alfred Müller AG führt als Bauherrin mehrere Gründe für den Totalabbruch ins Feld. Zum einen seien die Gebäude der früheren Aebi & Co. AG auf die Bedürfnisse einer industriellen Nutzung zugeschnitten gewesen. Zum anderen könne auch eine umfassende Sanierung nicht alle Altlasten beseitigen, sodass die Gebäude im Kataster der belasteten Standorte verbleiben würden. Dies sei nicht im Interesse der Landbesitzerin und der künftigen Mieter.

Die Bauberater bestreiten diese Aussagen nicht, sie machen aber ein Fragzeichen hinter die Abrisspläne. Denn: «In den letzten Jahren wurden schweizweit zahlreiche ehemalige Industriegebäude saniert und zu Wohnungen und Gewerberäumen umgenutzt.» Komme dazu, dass das Aebi-Areal weder als überwachungs- noch als sanierungsbedürftig eingestuft sei und seitens des Kantons eine Umnutzung bewilligt würde.

Berner Zeitung

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