Alpiq kämpft mit «radikaler Zeitenwende»

Die Wende in der Energiepolitik hat Alpiq einen Milliardenverlust eingebrockt. Nun fordert der Schweizer Stromkonzern klarere Rahmenbedingungen und kürzere Bewilligungsverfahren für Kraftwerke.

Wie weiter? Beim Ausbau der erneuerbaren Energie setzt Alpiq vor allem auf Wasser und Wind.

Wie weiter? Beim Ausbau der erneuerbaren Energie setzt Alpiq vor allem auf Wasser und Wind.

(Bild: Keystone)

Die Konturen der neuen Schweizer Energiepolitik sind undeutlich, bemängelt die Spitze des Stromkonzerns Alpiq. Deshalb fordert er von der Politik klarere Rahmenbedingungen sowie kürzere Bewilligungsverfahren für neue Kraftwerke.

Für die internationale Energiebranche war das Geschäftsjahr 2011 von fundamentalen Umwälzungen geprägt, wie Alpiq-Interims-Chef Hans Schweickardt an der Jahresmedienkonferenz heute in Zürich sagte. Die Ereignisse in Japan hätten zu einer «radikalen Zeitenwende» in der Energiepolitik geführt und für Alpiq zu einer komplett neuen Ausgangslage.

Nach Ansicht von Schweickardt hat der von Bundesrat und Parlament beschlossene Atomausstieg «den Charakter einer visionären Absichtserklärung». Jedes Unternehmen brauche indessen klare Rahmenbedingungen. «Wir müssen wissen, unter welchen Bedingungen wir in welche Technologien investieren können.»

Schnellere Bewilligungsverfahren

Schweickardt forderte im Weiteren schnellere Bewilligungsverfahren für neue Anlagen. Angesichts einer Fülle von Hindernissen bei einzelnen Projekten stelle sich die Frage nach der Realisierbarkeit der neuen Energiepolitik.

Durch den angepeilten Atomausstieg fielen 40 Prozent des in der Schweiz produzierten Stroms weg, sagte Schweickardt weiter. Wenn nun der Stromverbrauch weiter steige und nicht sinke, entstehe eine Lücke. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien müsse die Schweiz viel Strom aus ausländischen thermischen Kraftwerken importieren, auch aus Atomkraftwerken.

Beim Ausbau der erneuerbaren Energie setzt Alpiq vor allem auf Wasser- und Windenergie. Die Solarenergie steht dabei gemäss Schweickardt nicht im Zentrum.

Zudem will der Konzern die Bemühungen um eine höhere Energieeffizienz verstärken. Die Alpiq Intec Gruppe verfügt gemäss dem Konzernchef über das entsprechende Know-how und die Kapazitäten, um vom Wachstum profitieren zu können. Ein Markstein sei mit der neu gegründeten Alpiq E-Mobility AG gesetzt worden. Dieses Unternehmen bietet Tankstellen für Elektrofahrzeuge an.

Interesse an Abkommen mit EU

Alpiq sei grundsätzlich an einem Energieabkommen mit der EU interessiert, erklärte Schweickardt weiter. Die Verhandlungsposition der Schweiz sei umso stärker, je unabhängiger die Stromproduktion sei. Sollte das Abkommen zustande kommen, müsse die Schweiz die Strommarktöffnung und ihre neue Energiepolitik in Einklang bringen.

Sollte es hingegen an den darin enthaltenen institutionellen Fragen scheitern, sei das zu akzeptieren. «Der Strom fliesst nach physikalischen Gesetzen und auch ohne Abkommen, wohl einfach etwas komplizierter», sagte Schweickardt.

Das Stromabkommen soll als Präzedenzfall für die Weiterentwicklung des Verhältnisses zur EU dienen. Das bedeutet, dass in seinem Rahmen so umstrittene Fragen wie die quasi- automatische Rechtsübernahme oder die gemeinsame Gerichtsbarkeit gelöst werden sollen.

Milliardenverlust eingefahren

Der Energiekonzern Alpiq fuhr 2011 einen Verlust von 1,3 Milliarden Franken ein. Grund waren Wertberichtigungen, Sonderabschreibungen und Rückstellungen in der Höhe von 1,7 Milliarden Franken, wie Alpiq bereits im Februar bekanntgab. Viele der Faktoren, welche dem Konzern das Ergebnis verdorben haben, hängen mit der Energiewende zusammen.

Ohne diese Sonderfaktoren hätte der Konzern 258 Millionen Franken Gewinn erzielt. Mit Kosteneinsparungen in der Höhe von 100 Millionen Franken und Beteiligungsverkäufen will Alpiq seine Finanzen wieder ins Lot bringen. Unter anderem baut der Konzern 450 Stellen ab, 170 davon in der Schweiz.

wid/sda

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