Minarett-Gegner rufen zur Demo auf

Langenthal

Scharfer Streit ums Minarett in Langenthal: Die Gegner wollen vor der Moschee demonstrieren. Stecken Rechtsextreme dahinter?

Kurz nach der Abstimmung über die Minarett-Initiative: Ein Moslem steht nach dem Freitagsgebet vor dem Islamischen Zentrum in Langenthal. Das Gerüst auf dem Dach zeigt die Höhe des Minarettes.

Kurz nach der Abstimmung über die Minarett-Initiative: Ein Moslem steht nach dem Freitagsgebet vor dem Islamischen Zentrum in Langenthal. Das Gerüst auf dem Dach zeigt die Höhe des Minarettes.

(Bild: Keystone)

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Das Minarett sorgt weiter für Zündstoff: Diese Woche hat der Kanton das Baugesuch der islamischen Glaubensgemeinschaft Langenthal bewilligt. Und nun kündet das Komitee Stopp Minarett an, den Entscheid ans Verwaltungsgericht weiterzuziehen – falls die Muslime nicht auf den Moscheeturm verzichten.

Der Streit ist aber nicht nur eine Paragrafenreiterei: Die Minarett-Gegner verschärfen jetzt den Ton. Auf der Internetplattform Facebook rufen sie gar zur Demonstration vor der Moschee an der Bützbergstrasse in Langenthal auf. Heute in einer Woche soll diese stattfinden. Verantwortlich ist die Facebook-Gruppe «Stopp dem Minarett in Langenthal». Die knapp 250 Mitglieder stören sich daran, dass nach dem Ja zur Anti-Minarett-Initiative vom November 2009 trotzdem noch ein Minarett gebaut werden kann. So zumindest argumentieren die Juristen des Kantons (wir berichteten).

Kein Gesuch eingereicht

Wie ernst es den Organisatoren ist, bleibt unklar. Bis gestern haben sich knapp drei Dutzend Personen für die Demonstration angemeldet. Bei der Stadt Langenthal ist allerdings bisher kein Gesuch eingegangen.

Teilweise machen die Gegner ihrem Ärger auf der Facebook-Seite mit fragwürdigen Aussagen Luft: Wenn das «Spieli» mit dem Minarett so weitergehe, schreibt eine Frau, dann könne durchaus einmal etwas passieren. In anderen Ländern hätte es «scho lang Toti geh». Ein anderer Nutzer schlägt vor, bei der Moschee in Langenthal ein totes Schwein zu vergraben, so werde der Boden für die Muslime unrein «und kommt als Standort nicht mehr in Frage».

Mit dem Aufruf zur Demo haben die Minarett-Gegner gleichzeitig eine Onlinepetition lanciert, die bis gestern Abend von knapp 200 Personen unterschrieben worden ist. Gestartet hat die Aktion ein «Domi Stucki» aus Zürich. Es deutet einiges darauf hin, dass der Mann gewisse Sympathien für die rechtsextreme Szene hegt. So outet er sich auf einer Profil-Seite im Netz als Fan der Gruppe Halgadom. Die deutsche Rechtsrock-Band ist wegen ihrer zweifelhaften Symbolik auch schon ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Eine Anfrage per Mail beantwortete der Petitionär gestern nicht.

Blockade: «Nur lächerlich»

Das Geschütz, das die Minarett-Gegner auffahren, ist selbst für Daniel Zingg zu grob. «Das sind Trittbrettfahrer», sagt der Sprecher des Stopp-Minarett-Komitees, «wir distanzieren uns.»

Ein anderer Trittbrettfahrer ist in den Augen Zinggs der St.Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Im «Tages-Anzeiger» kündete er an, er wolle in Langenthal eine Sitzblockade organisieren, falls das Minarett gebaut werden sollte. An der Demonstration wird er aber nicht teilnehmen, wie er auf Anfrage sagte: «keine Zeit». Wer hinter dem Demo-Aufruf steckt, weiss er nicht: «keine Ahnung».

Mutalip Karaademi, Präsidenten der Glaubensgemeinschaft, ist enttäuscht: «Wir sind Opfer schmutziger Propaganda.» An der Demo und der Sitzblockade stört er sich aber nicht. «Wir leben in einem freien Land.» Jeder könne seine Meinung äussern.

Dezidierter äussert sich Daniel Kettiger, der Anwalt der Muslime. Falls jemand vor der Moschee demonstrieren wolle, sei das sein Recht. Wer aber das private Gelände betrete, begehe Hausfriedensbruch. Und die «illegale Aktion», wie Kettiger die Sitzblockade Reimanns nennt, findet der Anwalt «einfach nur lächerlich».

Berner Zeitung

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