Lauberhorn-Absage: «Es geht um den Rubel»

Ski alpin FIS-Renndirektor Markus Waldner äussert sich zu Kritik und Problemen rund um die Abfahrt am Lauberhorn.

Markus Waldner ist Renndirektor beim Weltverband FIS.

Markus Waldner ist Renndirektor beim Weltverband FIS.

(Bild: Keystone)

In der Hochgeschwindigkeitsabteilung ist Feuer im Dach. Rennfahrer aus Norwegen, Österreich und der Schweiz haben sich in der letzten Woche mehrfach negativ über die Vorgehensweisen des Weltverbandes FIS geäussert. Begonnen hat die Debatte, nachdem Renndirektor Markus Waldner in Santa Caterina verlauten liess, die abgesagte Abfahrt würde nicht nachgeholt. Der Athleten beklagen sich wegen fehlender Chancengleichheit im Kampf um den Gesamtweltcup sowie wegfallender Verdienstmöglichkeiten – pro Wettkampf gibt es 120'000 Franken Preisgeld zu gewinnen.

Aus ihrer Optik hätte man in Wengen alles auf die Abfahrt setzen, notfalls den Slalom absagen müssen. Ihr Hauptargument: Bisher haben lediglich zwei Abfahrten stattgefunden, einen Slalom kann man anders als die Abfahrt vielerorts und bei fast allen Wetterlagen durchführen. In Zauchensee handelte Frauen-Renndirektor Atle Skaardal nach erwähntem Muster; er verschob die Abfahrt auf Sonntag und kippte die Kombination aus dem Programm. Waldner war sichtlich angefressen, als er in Wengen mit der Kritik der Fahrer konfrontiert wurde. Der 53-jährige Südtiroler sprach dabei über…

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…die Aussichten im Gesamtweltcup: «Mit zwei Disziplinen kann keiner gewinnen. Klar, wir haben weniger schnelle als technische Rennen im Kalender, aber das ist in WM-Jahren immer so gewesen. Marcel Hirscher gewinnt die grosse Kugel, weil er das Super-G-Training intensiviert hat, im Super-G und in der Kombination punktet. Die Abfahrer müssen halt mehr Riesenslalom trainieren.»

…den Unterschied zwischen Wengen und Zauchensee: «Für uns und das OK in Wengen war im Vornherein klar: Abfahrt und Slalom sind gleichwertige Rennen. Mein Kollege Atle Skaardal hat die Kombination gestrichen. Kann er tun, er hat drei Kombinationen im Kalender. Führt er zwei durch, kann er eine Kristallkugel für die Disziplinenwertung vergeben. Wir hingegen hatten nur zwei „Kombis“ im Kalender. Anders war es bei der abgesagten Abfahrt in Santa Caterina. Wir hätten sie kurzfristig verschieben können, aber dann wäre sie zu einem Ersatzrennen geworden. Und für ein Ersatzrennen bezahlt der für Italien zuständige Vermarkter Infront dem Veranstalter nur die Hälfte des normalen Betrags. Wir führen Skirennen durch, aber es geht immer um den Rubel.»

…das weitere Vorgehen: «Ich hoffe, dass wir in Garmisch am Freitag ein Rennen durchführen können, obwohl Doppelabfahrten nie gut sind. Wer schaut sich schon zweimal den gleichen Film an? In Kitzbühel gibt es keine zweite Abfahrt, auch wenn sich gewisse Fahrer das wünschten. Nach den Stürzen im Vorjahr strichen wir die Kombination, weil das Programm überladen war. Stellen Sie sich vor, was geschähe, wenn wir ein zusätzliches Rennen einbauten und es wiederum schwere Unfälle gäbe. Das wäre verantwortungslos.“

…die Zukunft der Abfahrt:«Die Natur verändert sich. Auch die Herren Abfahrer müssen akzeptieren, dass es die perfekten Bedingungen immer seltener gibt. Beim Pingpong sind die Verhältnisse immer für alle gleich, bei uns ist das nie der Fall.»

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