SCB aus der Balance

Der Favorit taumelt. Ihm droht ein frühes Saisonende. Am Samstag muss er in Genf mit einem dezimierten Kader antreten.

Ausgehebelt: Genfs Eliot Berthon befördert den Berner Flügel Daniele Grassi zu Boden.

Ausgehebelt: Genfs Eliot Berthon befördert den Berner Flügel Daniele Grassi zu Boden.

(Bild: Urs Lindt (Freshfocus))

Reto Kirchhofer@rek_81

Das Spiel? Geht kurz vor Mitternacht in der zweiten Verlängerung verloren. Verteidiger Eric Blum? Wird von einem Puck im Gesicht getroffen und fällt zumindest für die Partie vom Samstag aus. Verteidiger Jérémie Kamerzin? Verdreht sich das Knie und wird diese Saison nicht mehr spielen. Stürmer Jan Mursak? Prallt nach einem Check von Tommy Wingels mit dem Kopf gegen die Bande und erleidet eine Hirnerschütterung. Stürmer Alain Berger? Trifft mit seinem Stock das Handgelenk Goran Bezinas und wird gesperrt. Zusammengefasst: Der SC Bern hat schon bessere Abende erlebt als jenen am Donnerstag.

Servettes Verteidiger Johan Fransson traf im längsten Playoffspiel in der Geschichte der National League in der 96. Minute zum 3:2. Der Aussenseiter reüssierte im Viertelfinal bereits zum zweiten Mal in der Postfinance-Arena. Er führt in der Serie 2:1. Und eben: Die Berner verloren nicht nur die Partie, sondern auch drei Spieler durch Verletzungen.

Zyniker mögen einwenden, dass die Ausfälle für SCB-Coach Kari Jalonen eine marginale Rolle spielen. Er verteilt die Eiszeit so oder so auf wenige Spieler. Am Donnerstag kam Topskorer Mark Arcobello auf über 39 Minuten, Captain Simon Moser stand fast 37 Minuten im Einsatz. Auch Servettes Coach Chris McSorley lässt seine besten Pferde im Akkord galoppieren. Verteidiger Henrik Tömmernes setzte in Bern mit 40 Minuten und 56 Sekunden die Rekordmarke im Schweizer Eishockey.

Nur: Das Kader der Genfer ist schwächer besetzt. Die vierte Berner Formation mit André Heim, Alain Berger und Daniele Grassi zeichnete in Spiel drei für das 2:0 verantwortlich. Sie erreicht in den meisten Statistiken gute Werte – ausgenommen die Eiszeit. Nicht auf Touren kommen die Linien der Mittelstürmer Andrew Ebbett und Gaëtan Haas. «Die Genfer haben weniger Talent, aber sie überzeugen als Team», sagt Ebbett. «Sie kämpfen, blocken Schüsse. In diesem Bereich müssen wir gleichziehen.»

Playoff und Vernunft

Beim SCB ist die Stilsicherheit jedenfalls seit längerem passé. Er hat nur drei der letzten neun Spiele gewonnen. Bei Genf verhält es sich umgekehrt. Servette sucht und findet sein Heil in der einfachsten aller Kombinationen: Schuss aufs Tor, Verkehr vor dem Tor. Die Berner gehen häufig als Verlierer aus den Zweikämpfen, agieren ineffizient. Und das Powerplay ist weit davon entfernt, mit Power zu tun zu haben.

Die Momentaufnahme ist aus Berner Optik keine vorteilhafte. Doch Ebbett sagt: «Die Genfer führen 2:1. Aber sie müssen uns viermal bezwingen. Das ist nochmals eine ganz andere Sache.»

Nebst den Ausfällen gibt es beim SCB einen Rückkehrer und Hoffnungsträger: Ramon Untersander. Er hatte wegen Gleichgewichtsstörungen lange pausiert, gab nach fast drei Monaten sein Comeback. Der Nationalspieler könnte dem Berner Überzahlspiel die notwendigen Impulse geben, sofern er keinen Rückfall erleidet. Auf die Frage, ob er punkto Gesundheit vernünftig entscheide oder sich von der sportlichen Situation und den Ausfällen in der Abwehr beeinflussen lasse, antwortet er: «Ich fühle mich gut und bin bereit für Samstag. Aber Playoff und vernünftig sein: Das passt nicht zusammen.»

Berner Zeitung

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