Eine Million Gäste sind nicht genug

Die Jungfraubahn-Gruppe eilt von Rekord zu Rekord. 2017 erzielte sie mit einem Gewinn von 41,6 Millionen Franken und 1,04 Millionen Gästen neue Bestmarken. Das Wachstum soll weitergehen.

Die Jungfraubahnen erwägen einen Ausbau der Bergstation auf dem Joch zwischen den beiden Gebäuden im Bild.<p class='credit'>(Bild: zvg)</p>

Die Jungfraubahnen erwägen einen Ausbau der Bergstation auf dem Joch zwischen den beiden Gebäuden im Bild.

(Bild: zvg)

Zur Jahrtausendwende war es noch das Ziel der Jungfraubahnen, die Marke von einer halben Million Besuchern pro Jahr zu halten. Die Nachfrage insbesondere von Touristen aus Asien konnte aber stark erhöht werden, und so setzte Unternehmenschef Urs Kessler für 2022 das Ziel von einer Million Gästen auf dem Jungfraujoch. Zuerst belächelt, übertraf die Bahn das Ziel im Jahr 2017 bereits zum zweiten Mal.

«Die Million Jungfraujoch- Besucher ist von der Vision zur ambitiösen Richtgrösse für die nächsten Jahre geworden», sagte Kessler gestern bei der Präsentation der Jahresbilanz in Bern. Die Jungfraubahnen würden langfristig weiterhin wachsen wollen. Ein neues Ziel für die Gästezahl bezifferte Kessler zwar nicht. Aber seine neue Vision bis zum Jahr 2025 lautet «12 Monate Hochsaison».

«Wir sehen in den Randzeiten weiteres Potenzial», erklärte Kessler. Wie diese Zeitung publik machte, sind dazu auch saisonabhängige Billettpreise geplant. In der Nebensaison im November sollen tiefere Tarife die Nachfrage ankurbeln, im Sommer kostet es rund 10 Prozent mehr als zum Normaltarif.

Dabei konnte die Jungfraubahn die Zahl der Joch-Besucher seit 2002 in den bisher schwächsten Monaten bereits markant steigern. 2002 waren es in den Monaten Januar, Februar, November und Dezember 10 000 bis 15 000 Gäste. Inzwischen sind es 39 000 bis 45 000 Besucher.

Tageslimite bleibt, vorerst

An schönen Sommertagen wird die Jungfraubahn oft überrannt. 2017 war das auf gut 5000 Sitzplätze begrenzte Angebot für Fahrten auf das Joch an 26 Tagen ausverkauft. An dieser Limite hält die Bergbahn vorläufig fest, damit für die Kunden die Qualität stimmt. «Was exklusiv ist, gewinnt an Wert», sagt Kessler. Aber mit dem geplanten Ausbau bestehe durchaus die Möglichkeit, «dass man über diese ­Gästezahllimite wieder einmal spricht».

Für das wichtigste strategische Projekt der Gruppe, die V-Bahn, sind bekanntlich die letzten Einsprachen zurückgezogen worden. Der Baubeginn für das Projekt mit den zwei Seilbahnästen von Grindelwald auf den Männlichen und zum Eigergletscher wird bis Ende Mai erwartet.

Weitere Ausbauprojekte

Damit ist aber nicht Schluss. Wie eine Pharmafirma müsse die Jungfraubahn-Gruppe ihre Produktpipeline laufend mit Neuerungen stärken, sagte Kessler. Nach der V-Bahn hat «der erste Blick auf dem Jungfraujoch» Priorität. Angedacht ist ein neuer Anbau, damit von der Ankunftshalle aus der Aletschgletscher betrachtet werden kann. Bis 2025 soll die Gästelenkung in der Bergstation verbessert werden und mehr Platz erhalten.

Die letzte grosse Erweiterung des «Top of Europe» sieht Kessler am Ostgrat der Jungfrau, dort, wo eine Telecomanlage steht. Hier sollen die Touristen die Schweiz als Uhrenland erleben können. Die Anlage soll bis 2030 zu einem grossen Uhrwerk werden.

Trotz aller Wachstumspläne ist es eine Herausforderung, so viele Kunden anzulocken. Dies umso mehr, als 91 Prozent aller Jungfraujoch-Gäste heute Erstbesucher sind und somit Neukunden. Anders gesagt, viele Gäste gönnen sich den Ausflug einmal im Leben. Deshalb setzt die Gruppe auch auf den Ausbau ihrer anderen Standbeine: die Bergbahnen auf den Harder, nach First und Winteregg-Mürren und das auf tiefes Niveau gesunkene Wintersportgeschäft.

Berner Zeitung

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