Viele Abgänge auf dem Thorberg

Krauchthal

In der Justizvollzugsanstalt Thorberg kam es letztes Jahr zu überdurchschnittlich vielen Kündigungen. Die ­Unzufriedenheit beim Personal ist nach wie vor ausgeprägt.

Unruhe und Unsicherheit sind unter den Thorberg-Angestellten weiterhin stark verbreitet.<p class='credit'>(Bild: Beat Mathys)</p>

Unruhe und Unsicherheit sind unter den Thorberg-Angestellten weiterhin stark verbreitet.

(Bild: Beat Mathys)

Philippe Müller

Genau zweieinhalb Jahre ist es her, dass Thomas Egger die Führung der Justizvollzugsanstalt (JVA) Thorberg übernommen hat. Er trat an mit dem Auftrag, die Haftanstalt zu reformieren und die Spuren seines in Un­gnade gefallenen Vorgängers Georges Caccivio zu b

eseitigen. Zumindest diesen Teil der Mission hat Egger erfüllt: Die Reorganisation läuft. Allerdings ist es der neuen Führung bislang nicht gelungen, die Ruhe wieder herzustellen und die Unsicherheit zu vertreiben. Letztes Jahr verliessen 12 der 130 Ange­stellten den Thorberg, was einer überdurchschnittlich hohen Fluktuation von 9,2 Prozent entspricht. Die 6 Pensionierungen sind in dieser Quote nicht eingerechnet. Andreas Michel, Generalsekretär der Polizei- und Militärdirektion (POM), bestätigt diese Zahlen. Die Fluktuationsrate der gesamten Kantonsverwaltung lag 2016 ohne Pensionierungen bei 6 Prozent.

«In allen vier Fällen haben sich die Vorwürfe nicht erhärtet.»Andreas MichelGeneralsekretär POM

Wie Recherchen ergaben, fand Anfang Februar auf dem Thorberg eine Aussprache zwischen Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP), Amtsvorsteher Thomas Freytag, Generalsekretär Michel und dem Personal statt. Auf die Frage Käsers, wer alles mit der ­Situation auf dem Thorberg unzufrieden sei, hätten zur Über­raschung des Regierungsrates fast zwei Drittel der Anwesenden die Hand in die Höhe gestreckt. Michel bestätigt auf Anfrage, dass die betriebliche Reorganisation Verunsicherung stifte.

Kein Mobbing

Im Zusammenhang mit der erwähnten Aussprache wurden auch Vorwürfe gegen einzelne Vorgesetzte und Mitarbeitende geäussert. Michel sagt, das zuständige Amt für Justizvollzug habe diese im Rahmen von vier aufsichtsrechtlichen Verfahren untersucht. In einem Fall sei es um den Vorwurf von Begünstigung gegangen. «Allerdings betraf dieser Vorfall zeitlich noch die Ära Caccivio», so Michel.

Ein Verfahren hatte das Thema Indiskretion zum Inhalt. Ein An­gestellter habe sich beklagt, dass seine Mitarbeiterbeurteilung weitergegeben worden sei, sagt Michel. In zwei separaten Fällen hatte das Amt Mobbingvorwürfe zu beurteilen. Ins Detail geht Andreas Michel nicht. «In allen vier Fällen haben sich die Vorwürfe nicht erhärtet.» Dementsprechend habe es keinen Anlass für personalrechtliche Konsequenzen gegeben. Was Michel betont: In keinem der vier Fälle hätten sich die Vorwürfe gegen Direktor Thomas Egger gerichtet.

Egger ist laut POM auf Kurs

Michel betont, dass Egger die ­volle Rückendeckung der POM habe und im Reorganisationsprojekt auf Kurs sei. «Er setzt die angestrebten Veränderungen um.» Dass dies zu Nebengeräuschen führe, sei bis zu einem gewissen Grad normal. «Ich habe noch keine Reorganisation erlebt, die am Personal spurlos vorbeigegangen wäre.» Dennoch hoffe man natürlich, dass sich die Situation nun beruhige «und sich die Fluktuation wieder in einen normalen Bereich zurückbildet». Denn das sei einer der Indikatoren, mit denen sich die Zufriedenheit am Arbeitsplatz messen lasse.

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