Stadt Bern bringt Allmendingen ins Spiel

Verkommt die Standortsuche für die neue BLS-Werkstätte zum Schwarzpeterspiel? Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät verneinte am Freitag vehement. Dennoch forderte er: Auch Allmendingen muss vertieft geprüft werden.

  • loading indicator
Stephan Künzi

Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) wollte nicht den Anschein erwecken, als ob er den Schwarzen Peter weiterreichen wolle. Gemeinsam mit ETH-Professor Ulrich Weidmann war er vor die Medien getreten, um die Resultate eines Berichts zur neuen BLS-Werkstätte zu präsentieren.

Konkret hatte die Stadt wissen wollen, ob sich das bäuerliche Riedbach im Westen Berns dafür wirklich eignet – und siehe da: Für den aussenstehenden Verkehrsfachmann schneidet Allmendingen als Standort für das heftig umstrittene Projekt besser ab. Denkbar sind zwei Varianten.

Riedbach ist nicht der beste Ort für die neue BLS-Werkstätte: Ulrich Weidmann (links), Alexander Tschäppät. Bild: Stefan Anderegg

Das heisse nicht, sagte Tschäppät mit Nachdruck, dass der Gemeinderat die Werkstätte einfach in die Aaretaler Gemeinde im Süden abschieben wolle. «Wir fordern nur, dass die BLS auch Allmendingen einer Feinuntersuchung unterzieht.» So wie sie es auch für Riedbach im Sinn habe.

Gewichte anders gesetzt

Allmendingen hatte es bereits bei der BLS in die vorderen Ränge geschafft. Wieso es dann aber ausschied, erklärte Weidmann so: «Wir haben die Gewichte in zwei Punkten anders gesetzt.» Für die BLS sei zentral gewesen, dass die Werkstätte im Westen Berns ­stehe. Zudem gehe sie davon aus, dass die heute schon stark belegte Linie durchs Aaretal und weiter zum Neat-Tunnel am Lötschberg noch mehr Verkehr kaum schlucken könne.

Weidmann beurteilt die Situation anders. Es stimme zwar, fuhr der Professor fort, dass die BLS mit der Werkstätte in Spiez bereits über einen Standort an der östlichen Zufahrt zum Bahnhof Bern verfüge. Dass Allmendingen am selben Schienenstrang liege, sei aber kein Nachteil. Immerhin setze die BLS zwei Drittel ihrer Fahrzeuge im Osten und nur ein Drittel im Westen ein. Eine Werkstätte im Westen hätte sogar die nachteilige Folge, dass viele Züge den Flaschenhals Bahnhof Bern durchqueren müssten.

Auch die Belastung der Neat-Zufahrt durchs Aaretal ist für Weidmann kein unüberwindbares Hindernis. Er erklärte, dass auf einem so kurzen Abschnitt wie jenem bis Allmendingen immer Lücken im Verkehr zu finden seien. Zudem brächten das Entflechtungsbauwerk im Wankdorf sowie allenfalls auch das dritte Gleis bis Münsingen neue Kapazitäten. Eine Werkstätte in Allmendingen könnte gar von der Linie nach Luzern her zusätzlich erschlossen werden.

Insellösung oder nicht?

Der BLS sind solche Gedanken fremd, wie sie gestern in einer ersten Stellungnahme klar­machte. Über je eine Werkstätte im ­Osten und im Westen Berns zu verfügen, sei «für die Aufrechterhaltung der Fahrplanstabilität besser und sicherer». Und: Ob auf der Zufahrtslinie durchs Aaretal «die Kapazitäten auch längerfristig verfügbar sind, ist aus heutiger Sicht höchst fraglich».

Ebenfalls reagiert hat die Begleitgruppe, die die BLS nach all den Protesten gegen Riedbach ins Leben gerufen hat. Sie war im Mai selber mit Standorten in Konolfingen und Thun an die Öffentlichkeit getreten – mit Alternativen, die Weidmann gestern als untauglich bezeichnete, weil sie entweder nur über eine Einspurstrecke zu erreichen seien oder zu wenig Fläche böten. Umgekehrt äusserte nun auch die Gruppe Zweifel an Weidmanns Schaffen: Sie kritisierte den Standort Allmendingen als «Insellösung im Grünen ohne Nähe zu einer Siedlungsstruktur».

Allenfalls im Kleinen Forst

Stadtpräsident Tschäppät versicherte derweil, dass sich die Stadt einer Werkstätte auf eigenem ­Boden nicht von vornherein verschliesse. Allerdings dürfe ein solches Projekt nicht zu nahe an den Stadtrand zu stehen kommen. Weil sowohl in Niederbottigen als auch in Riedbach «eine langfristige Stadtentwicklung im Westen auf sehr lange Zeit massiv beeinträchtigt oder gar verunmöglicht» würde, komme dafür höchstens das Gebiet beim Kleinen Forst infrage.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt