Der Serbe Mitrovic sagt, weshalb er die albanische Flagge runterriss

Serbien fordert einen Forfaitsieg im Skandalspiel von Belgrad. Weitere Beteiligte melden sich zu Wort und sprechen von Todesangst.

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Thomas Niggl@tagesanzeiger

Das EM-Qualifikationsspiel zwischen Serbien und Albanien musste in der 42. Minute wegen Ausschreitungen vorzeitig abgebrochen werden. Als eine Drohne, behängt mit einer Flagge Grossalbaniens, über das Spielfeld des Partisan-Stadions flog, riss der serbische Spieler Stefan Mitrovic die Fahne runter, worauf es zwischen Spielern, Zuschauern und Offiziellen zu schweren Zusammenstössen kam.

Mitrovic, der Teamkollege der Schweizer Roman Bürki und Admir Mehmedi beim SC Freiburg, behauptet nun, sein Handeln hätte keinen politischen Hintergrund gehabt. Der grossgewachsene Verteidiger erklärt gegenüber «Mozzartsport»: «Wir wollten lediglich einfach weiter Fussball spielen. Deshalb habe ich die Fahne runtergezogen. Ich wollte sie dem vierten Offiziellen geben. Ich hatte nicht vor, auf sie zu treten und hatte auch keine anderen schlechten Absichten. Dann kamen die albanischen Spieler auf mich zu und jeder konnte sehen, was dann passiert ist.»

«Die hätten uns gekillt»

Neue Stimmen gibt es auch aus dem albanischen Lager. «Ich hatte Todesangst, habe zum Glück nichts abbekommen. Ich bin hart im Nehmen, aber so viel Hass habe ich noch nie erlebt. Sogar die Security, die für Ordnung sorgen sollte, hat zugeschlagen. Im Kabinentunnel habe ich sogar Polizisten gesehen, die unsere Spieler geschlagen haben», berichtet der ehemalige Bundesligaprofi Altin Lala, der Co-Trainer Albaniens. Etliche Hooligans seien auf den Platz gestürmt und hätten losgeprügelt. «Ein Tor zum Block war offen. Wenn es 100 oder 200 Hooligans auf den Platz geschafft hätten, bin ich sicher: Die hätten uns gekillt.»

Dortmunds Star Milos Jojic, der serbische Nationalspieler, hat hingegen eine andere Sicht auf die Geschehnisse: «Ich bin wieder in Dortmund. Es ist alles gut. Aber das war eine Provokation der Anhänger von Albanien. Ich bin nicht angegriffen worden, weil ich auf der Bank sass. Was jetzt passieren wird, weiss ich nicht.» Der serbische Fussballverband (FSS) hat inzwischen bei der Uefa beantragt, das Spiel mit 3:0-Toren zugunsten Serbiens zu werten.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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