Einmal kurz durchatmen

Patrick Fischer polarisiert ungemein als Schweizer Eishockey-Nationaltrainer. Das liegt aber nicht nur an den Resultaten.

Nationaltrainer Patrick Fischer.

Nationaltrainer Patrick Fischer.

(Bild: Keystone Gian Ehrenzeller)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Das Eishockey-Nationalteam bewegt. Das frühe Olympia-Aus hat eine Debatte losgetreten, wie es dieser Sport im Land schon lang nicht erlebt hat. Fans, Medien, Clubs, Verband. Alle suchen in der Diskussion eines: den Weg, die «Nati» zurück auf Kurs zu bringen.

Alle? Nicht wirklich. Oder nicht nur. Wer sich im Netz durch Kommentare kämpft, wer mit Kollegen über die Thematik plaudert, findet auch ein anderes Phänomen. Schadenfreude über das Scheitern des Teams. Genauer: über das Scheitern Patrick Fischers.

Seit 1998 und WM-Platz 4 darf sich die Schweiz zur erweiterten Weltspitze zählen. Kein Nationaltrainer weckte seither Emotionen wie Fischer.

Nicht Ralph Krueger, der taktische Disziplin brachte, aber mit defensivem Spiel auch schon mal langweilte.

Nicht Sean Simpson, der am Anfang des offensiven Frühlings stand, sich aber trotz WM-Silber per schiefgelaufenem Vertragspoker durch die Hintertüre verabschiedete.

Nicht Glen Hanlon. Der kam – und ging gleich wieder.

Warum Fischer? Er polarisiert nicht schlechter Resultate wegen. Dass die Top 8 abwechslungsweise verpasst und geschafft werden, ist seit 20 Jahren Normalität.

Es geht um was anderes. Fischer wagt, höhere Ziele als den seit Jahren gewohnten Durchschnitt offen auszusprechen. Er nimmt Worte wie «Medaille» in den Mund.

Ein Nordamerikaner dürfte das. Fischer tut es als Schweizer. Noch schlimmer: als junger Schweizer. Diese Konstellation ist neu, sie irritiert.

Die Nationaltrainer waren in Eishockey und Fussball nach Simon Schenk und Paul Wolfisberg Ausländer. Die Ausnahme: Jakob Kuhn. Aber Köbi National ist anders, eine Vaterfigur. Einer, den alle gern haben, keiner, der grosse Töne spuckt.

Fischer soll hinterfragt werden. Warum spielte sein Team die Stärken nicht aus? Warum blieben viele Spieler blass? Warum funktionierte das Powerplay nicht? Waren alle Rollen gut besetzt? Doch wenn in der Rhetorik der Übergang zwischen Kritik, Häme und mitunter gar einer seltsamen Art von Hass fliessend wird, ist es Zeit, kurz Luft zu holen. Eishockey ist immer noch bloss ein Spiel.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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