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0:3 in Luzern verlorenAls sei es ein anderer FC Thun

Die Berner Oberländer zeigen ein deutlich unfreundlicheres Gesicht als beim 3:2 gegen den FC Zürich.

Das Lattenkreuz verhindert einen weiteren Gegentreffer: Thun ist in Luzern chancenlos.
Das Lattenkreuz verhindert einen weiteren Gegentreffer: Thun ist in Luzern chancenlos.
Martin Meienberger (Freshfocus)

Marc Schneider ist nicht bekannt dafür, Dinge schönzureden. Dafür schafft er es oft, mit wenigen Worten eine klare Zusammenfassung zu liefern – wie an diesem Sonntagnachmittag. Thuns Trainer bilanziert: «Wir brauchen nicht zu diskutieren: Luzerns Sieg ist sehr verdient. Defensiv waren wir anfällig, offensiv zu wenig kreativ. Wir haben nicht gezeigt, wozu wir eigentlich imstande wären.»

Am Mittwoch noch hatte seine Mannschaft beim 3:2 gegen den FC Zürich für Aufsehen gesorgt, mit Tempofussball in der ersten Halbzeit, mit erstaunlicher Widerstandskraft nach der Pause in Unterzahl. In Luzern aber ist von diesem Selbstbewusstsein kaum mehr etwas sichtbar, man könnte fast den Eindruck gewinnen, als stünde ein anderer FC Thun auf dem Feld. Seine Spieler halten grosszügig Abstand und stören ihren Gegner nicht bei der Arbeit. Nach zehn Minuten ist das so, als mehrere von ihnen tatenlos zuschauen, wie Lucas das 1:0 erzielt – daran ändert auch der Videoschiedsrichter nichts, für den Ryder Matos zuvor kein Handspiel begangen hat.

Die Thuner sind beim 1:0 von Luzerns Captain Lucas nur Zuschauer.
Die Thuner sind beim 1:0 von Luzerns Captain Lucas nur Zuschauer.
Urs Flüeler (Keystone)

Drei Minuten später ahnt Schneider bereits: Das wird wohl nichts mit einem weiteren Punktezuwachs. Francesco Margiotta, der italienische Stürmer, bestätigt seine starke Form und trifft für den FCL zum vierten Mal seit dem Wiederbeginn der Meisterschaft. Wie gegen Servette gelingt ihm auch diesmal erneut ein überaus sehenswerter Treffer.

Die Not-Innenverteidigung

Die Zentralschweizer, 2020 das erfolgreichste Team der Liga, zeigen Lust auf Fussball, auf weitere Tore. Goalie Guillaume Faivre verhindert gegen Margiotta (33.) und Matos (35.) einen höheren Rückstand, kurz vor der Pause prallt der Ball nach einem gewaltigen Schuss von Grether an die Latte.

Und der Gast? Wirkt müde, ist passiv, hat schlicht keine Chance. Die Probleme fangen weit hinten an in der zentralen Abwehr. Nikki Havenaar/Miguel Rodrigues heisst das Duo, weil Basil Stillhart eine Sperre absitzen muss und Nicola Sutter laut Schneider im Training am Vortag eine Hirnerschütterung erlitten hat. Die Not-Innenverteidigung strahlt keine Souveränität aus, ihre Unsicherheit überträgt sich auf die Kollegen. «Von einigen hat mir die Körpersprache nicht gefallen», sagt Schneider.

Die Niederlage löst bei Thuns Trainer Marc Schneider keine Zweifel aus.
Die Niederlage löst bei Thuns Trainer Marc Schneider keine Zweifel aus.
Urs Flüeler/Keystone

Dass seine personellen Optionen limitiert sind, zeigt sich, wenn er in solchen Phasen mit Wechseln reagieren will. Er erlöst in der Pause Havenaar – und bringt an dessen Stelle Justin Roth, einen Mittelfeldspieler. Gleichwohl hat er die Hoffnung auf eine Reaktion, auf ein Aufbäumen, darauf, dass sich sein Team robuster präsentiert. Aber all das bleibt aus. Der FCL kontrolliert das Geschehen und lässt gar noch das 3:0 durch Pascal Schürpf folgen.

Verzicht auf Videoanalyse

Für die Thuner kommt die beste Meldung des Tages aus St. Gallen. Weil Sion erneut verloren hat, bleiben die Berner Oberländer auf Platz 8. «Wir wissen, dass das, was wir in Luzern geboten haben, zu wenig ist», sagt Schneider, «aber wenn wir deswegen alles hinterfragen, tun wir uns keinen Gefallen. Schliesslich gehts am Mittwoch schon mit dem Derby bei YB weiter. Darum verzichten wir auch auf eine Videoanalyse nach diesem 0:3.»

Die Niederlage ist nichts, das beim Trainer Zweifel auslöst. Und auch der Sportchef reagiert unaufgeregt. «Diesen Match müssen wir abhaken», sagt Andres Gerber, «wir wollen nichts beschönigen oder verharmlosen, aber es bringt auch nichts, alles zu dramatisieren.» Bevor er sich aus der Swisspor-Arena verabschiedet, sagt er noch: «Vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht, dass wir nun auf YB treffen. Da sind die Rollen klar verteilt, und wir haben wenig zu verlieren.»