Zum Hauptinhalt springen

Crash an den BörsenStaaten versprechen Hilfe, Börsen schiessen nach oben

Teils fast 10 Prozent im Plus: Die Schweizer Börse aber auch die anderen Märkte in Europa profitieren von Versprechungen der Regierungen. Wir berichten laufend.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Börsen-Bonanza geht auch am Freitag weiter.
  • Nach den Abstürzen von gestern legen die Indizes deutlich zu.
  • Die EU und die Regierungen versprechen, alles zu tun, um die grosse Krise abzuwenden.

LIVE TICKER

Aktien zeigen starke Erholung - SMI wieder über 9'000 Punkte

Nach dem Absturz vom Donnerstag zeigen die internationalen Aktienmärkte am Freitag eine rasante und kaum erwartete Erholung. Der Schweizer Leitindex SMI hat bis am frühen Nachmittag einen guten Teil seiner Verluste vom Vortag wettgemacht und vorübergehend sogar die Marke von 9000 Zählern zurückerobert.

Was genau die rasante Gegenbewegung ausgelöst hat, ist nicht klar. Es dürfte ein Mix aus Short-Eindeckungen, Schnäppchenkäufen und auch einer technischen Gegenbewegung sein, heisst es im Handel. «Mutige Schnäppchenjäger befinden sich derzeit auf der Pirsch», sagte etwa ein Händler. Nach dem jüngsten Ausverkauf seien die Kurse zum Teil so tief bewertet gewesen wie schon lange nicht mehr.

Am Vortag hatte das von Europäischen Zentralbank (EZB) geschnürte Notfallpaket gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie den Kurs-Absturz nicht verhindern können. Am Freitag gegen Mittag teilte die EZB mit, man könne bei Bedarf auch noch mehr tun, etwa Anleihekäufe vorziehen oder auf einige Länder konzentrieren. Dies habe sicher zur Aufwärtsbewegung auch noch beigetragen, heisst es im Handel.

Gegen 13.45 Uhr gewinnt der SMI 8,63 Prozent auf 8'984,15 Punkten, im Hoch ist er gar auf 9'042,54 Punkten gesprungen. Damit hatte der Index vom gestrigen Punktverlust von 882 Punkten 770 Zähler wieder aufgeholt. Auch die weiteren europäischen Aktienmärkte legen in ähnlichem Ausmass zu: So notiert der deutsche Leitindex Dax um 8,2 Prozent im Plus, der französische CAC40 gewinnt 8,4 Prozent und der britische FTSE um 9,1 Prozent.

An der SMI-Tabellenspitze notieren aktuell UBS, Richemont und Roche, die alle rund 11 Prozent zulegen. Ein Titel wie UBS sei mit Kursen von deutlich unter 10 Franken optisch einfach sehr attraktiv, heisst es dazu. Zudem habe er auf dem aktuellen Niveau eine Dividendenrendite von fast 8 Prozent.

Roche profitierte derweil zusätzlich von einer Meldung über einen Coronavirus-Test. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte dem Cobas SARS-CoV-2 genannten Test eine Notfall-Zulassung erteilt. «Alles was gegen Corona helfen könnte, wird nur so aufgesogen», meinte ein Händler dazu.

EU-Kommission: Aussetzen der Fiskalregeln bei Corona-Krise

Im Falle eines Wirtschaftseinbruchs wegen der Coronavirus-Krise will die EU-Kommission die EU-Fiskalregeln aussetzen. Dies würde im Einvernehmen mit den EU-Staaten geschehen, sagte Vizepräsident Valdis Dombrovskis am Freitag in Brüssel. Diese Massnahme sei aber für den äusserten Fall vorgesehen.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen betonte, die EU sei bereit zu tun, was immer nötig ist, um die Krise zu bewältigen. Auch Dombrovskis sagte: «Wir sind bereit, alle nötigen Massnahmen zu ergreifen.»

Vorerst gelte die volle Flexibilität bei der Auslegung der Schulden- und Defizit-Regeln im Stabilitäts- und Wachstumspakt, erklärte Dombrovskis. Dabei sollen Ausgaben zum Ausgleich wirtschaftlicher Folgen der Pandemie aussen vor bleiben. Das soll sowohl für direkte Massnahmen zur Eindämmung gelten als auch für Finanzspritzen an Unternehmen und Krisenhilfen an Beschäftigte.

Der Pakt werde nicht ausgesetzt, aber alle Spielräume würden ausgenutzt, sagte Dombrovskis. Von der Leyen betonte, diese Flexibilität sei in der Vergangenheit nie ganz ausgeschöpft worden. Jetzt hole man tief Luft und nutze alles.

Dombrovskis sagte weiter, darüber hinaus sei die EU-Kommission bereit, mit einer Milliarde Euro bis zu acht Milliarden Euro Liquidität für Unternehmen zu mobilisieren. Vizepräsidentin Margrethe Vestager kündigte zudem eine grosszügige Auslegung der Beihilfe-Regeln an, damit EU-Mitgliedsstaaten ihren Unternehmen und Bürgern unter die Arme greifen können.

«Wir legen gleich alle Waffen auf den Tisch»

Die deutsche Bundesregierung hat von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Unternehmen unbegrenzte Hilfen zugesagt. «Wir tasten uns nicht ran. Wir legen gleich alle Waffen auf den Tisch», sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Freitag in Berlin. Es geht dabei vor allem um Kreditgarantien durch die staatliche Förderbank KfW sowie steuerliche Hilfen. «Wir kleckern nicht, wir klotzen.» Das werde den Staat am Ende «zig Milliarden» kosten, unklar sei noch die ganaue Summe.

Es könne aber auch noch mehr geben, ergänzte Scholz. «Wir haben noch etwas in der Hinterhand», so der SPD-Politiker mit Blick auf ein mögliches Konjunkturprogramm. Auch staatliche Beteiligungen an Unternehmen seien nicht auszuschliessen.

Börsen auf Erholungskurs

Festere US-Futures ziehen die europäischen Börsen auf deren Erholungskurs weiter nach oben. Der SMI steht um 13:30 Uhr 9 Prozent im Plus. Der deutsche Dax steigt um 6,6 Prozent. Die US-Indizes liegen vorbörslich mehr als fünf Prozent im Plus.

SMI 9 Prozent im Plus

Der Schweizer Leitindex erholt sich am Freitag. Nach dem Crash vom Donnerstag hat der SMI bis am frühen Nachmittag um rund neun Prozent zugelegt und die 9000-Punkte-Marke zeitweise wieder überschritten. Das grösste Plus der Titel im SMI macht bislang UBS mit über 11 Prozent.

Schwedische Notenbank gibt Banken grosse Geldspritze

Die schwedische Notenbank greift in der Coronavirus-Krise den heimischen Geldhäuser mit einer grossen Liquiditätsspritze unter die Arme. Wie die Reichsbank am Freitag in Stockholm mitteilte, wird den Banken Zentralbankgeld von bis zu 500 Milliarden Kronen (knapp 49 Milliarden Franken) für zwei Jahre zur Verfügung gestellt.

Damit solle der Kreditfluss an die Wirtschaft, insbesondere kleine und mittelgrosse Unternehmen, sichergestellt werden, sagte Notenbankchef Stefan Ingves. Der Zins für die Geldspritze orientiert sich am Leitzins der Notenbank, der zurzeit null Prozent beträgt.

Die Notenbank signalisierte zudem ihre Bereitschaft, noch grössere Summen an Liquidität bereitzustellen, falls dies nötig werden sollte. Von Zinssenkungen will die Zentralbank dagegen absehen, wie sie unlängst klargestellt hat. Der Grund: Erst vor wenigen Monaten hatte sich die Reichsbank sich von ihrem jahrelangen Negativzins verabschiedet. Es käme wohl einem Gesichtsverlust gleich, wenn sie den Schritt in derart kurzer Zeit wieder revidieren würde. Zumal negative Zinsen in aller Regel eine Belastung für die Bankhäuser darstellen.

Schweizer Aktienmarkt zeigt im frühen Handel Stabilisierung

Nach dem erneuten heftigen Absturz vom Donnerstag kommt es am Freitagmorgen nun zu einer gewissen Stabilisierung an den internationalen Aktienmärkten. Hierzulande zeigt der Schweizer Leitindex SMI in den ersten Handelsminuten jedenfalls eine deutliche technische Gegenbewegung. Und auch die US-Futures stehen klar im Plus.

Wie nachhaltig die Erholung ist, muss sich allerdings zeigen. Die meisten Marktbeobachter glauben jedenfalls nicht daran, dass die Verkaufswelle bereits vorbei ist. «Wann endet der Ausverkauf - Das ist jetzt die grosse Frage», meinte denn auch ein Händler.

Dass der US-Markt am Vortag nur mit einer kurzen Erholung auf die neuen Krisenmassnahmen der amerikanische Notenbank Fed reagiert hatte, sei jedenfalls kein gutes Zeichen. Der Dow Jones schloss 10 Prozent tiefer und erlebte damit den grössten prozentualen Absturz seit über 30 Jahren. Viele Analysten zeigen sich nicht überrascht, dass die jüngsten Massnahmen von EZB und Fed den Absturz bisher nicht stoppen konnten: «Eine Pandemie kann man nicht mit geldpolitischen Massnahmen bekämpfen», sagte einer. Zumindest brauche es koordinierte fiskal- und geldpolitische Massnahmen im grossen Stil. Aber vermutlich müsse erst das Coronavirus abflauen, bis es zu einer grösseren Gegenbewegung komme.

Jäher Absturz in den letzten Tagen: Der SMI in den letzten zwölf Monaten.
Jäher Absturz in den letzten Tagen: Der SMI in den letzten zwölf Monaten.

Der SMI gewinnt um 9.30 Uhr 2,29 Prozent auf 8'459,44 Punkte, wobei alle 20 Titel im grünen Bereich notieren. Auch die anderen europäischen Märkte stehen klar im Plus: Der deutsche Dax gewinnt 2,4 Prozent, der französische CAC 40 2,7 Prozent und der britische FTSE 100 gar 5,4 Prozent.

Bei den Schweizer Einzeltitel liegen die beiden Pharmawerte Novartis ( 4,8%) und Roche ( 3,3%) vorne. Letztere profitieren auch davon, dass dem Konzern ein erster Durchbruch in der schnellen und breiten Diagnose des neuartigen Coronavirus gelungen ist. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat dem Cobas SARS-CoV-2-Test eine Notfall-Zulassung erteilt. «Alles was gegen Corona helfen könnte, wird nur so aufgesogen», meinte ein Händler dazu.

Auch die Grossbanken CS ( 2,6%) und UBS ( 2,3%) legen klar zu, wobei die Gewinne im Vergleich zum Absturz am Vortag bescheiden sind.

Kein Leerverkaufsverbot an Deutscher Börse

Die Deutsche Börse verhängt trotz der Börsenturbulenzen kein Leerverkaufsverbot. Einen solchen Schritt ergreife man nicht, sagte ein Konzernsprecher am Freitag. Nach dem Einbruch der Aktienmärkte am Donnerstag waren Spekulationen laut geworden, dass auch in Deutschland Leerverkäufe verboten werden könnten. In Spanien und Italien hatten die Finanzaufseher wegen des signifikanten Kursverfalls ein entsprechendes Verbot verhängt. In Deutschland ist es Aufgabe der Börsen bei einem signifikanten Kursverfall über eine solche Massnahme zu entscheiden. Von der EU-Wertpapieraufsicht ESMA war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten, ob sie ein europaweites Leerverkaufsverbot plant.

Mit Leerverkäufen wetten Anleger auf einen Kursverfall einer Aktie. Dabei verkaufen sie Wertpapiere, die sie sich zuvor gegen eine Gebühr leihen. Sinkt der Preis bis zum Rückgabe-Datum, können sie sich billiger mit den Titeln eindecken und streichen die Differenz ein. Steigt der Kurs dagegen, droht den Leerverkäufern Verlust.

Gibts heute Entspannung?

Norwegens Notenbank senkt Leitzins überraschend

Die norwegische Notenbank senkt wegen der Coronavirus-Pandemie ihren Leitzins. Er werde von 1,5 auf 1,0 Prozent zurückgenommen, teilte sie am Freitag ausserhalb einer regulären Zinssitzung mit.

«Es besteht erhebliche Unsicherheit über die Dauer und die Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs mit dem Risiko eines ausgeprägten wirtschaftlichen Abschwungs», begründete sie ihren Schritt. Die Währungshüter kündigten an, die Entwicklung genau zu verfolgen und erklärten zugleich ihre Bereitschaft zu weiteren Zinssenkungen.

Zugleich senkte die Notenbank den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer von 2,5 auf 1,0 Prozent. Banken müssen damit weniger Vorsorge gegen Risiken treffen. Das so frei werdende Geld kann an die Wirtschaft in Form von Krediten weitergereicht werden.

Zuvor hatten bereits andere Zentralbanken ihre Geldpolitik gelockert, darunter die US-Notenbank Fed und die Bank of England. Auch die Europäische Zentralbank eilt der schwächelnden Wirtschaft wegen der Coronavirus-Krise mit einem umfassenden Massnahmenbündel zur Hilfe. Ihre Leitzinsen tastete sie aber nicht an.

Bitcoin-Absturz setzt sich weiter fort

Der Bitcoin setzt seinen Absturz weiter fort. In der Nacht auf den Freitag sackte die bedeutendste Kryptowährung unter die Marke von 4'000 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit rund einem Jahr.

In der Nacht erreichte der Bitcoin an der europäischen Handelsplattform Bitstamp einen Tiefstand von rund 3'950 Dollar, womit er zwischenzeitlich innert 24 Stunden rund ein Drittel an Wert einbüsste. Am Morgen erholte sich der Kurs wieder auf über 5'100 Dollar.

Der Bitcoin und die weiteren Kryptowährungen befinden sich bereits seit dem Wochenende auf Talfahrt. Noch im Februar hatte die Kryptowährung bei einem Jahreshoch von rund 10'500 Dollar notiert.

Weiterhin mache die Panik an den Aktienmärkten vor Bitcoin und Co. keinen Halt, kommentiert das deutsche Emden Research. Die Lage sei mittlerweile völlig unübersichtlich und ausser Kontrolle geraten. Viele Investoren stünden derzeit am Rande eines Totalverlusts: «Die Nerven liegen sprichwörtlich blank», so Analyst Timo Emden.

Die Anleger tauschten Krypto-Anlagen gegen Bargeld, um Verluste aus anderen Assetklassen ausgleichen zu können, kommentiert das deutsche Analysehaus. Weitere Beobachter verwiesen derweil auf Meldungen in den sozialen Medien: Der Sturz auf das Jahrestief sei nach Twitter-Meldungen gefolgt, wonach die für den Derivatehandel auf Kryptowährungen genutzte Handelsplattform Bitmex zeitweise «offline» gewesen sei.

Absturz in Asien auch am Freitag

Asiens Anleger sind wegen der Coronakrise in Panik. Auch die massive Geldspritze der US-Notenbank Fed und die höheren Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank können die Stimmung am Finanzmarkt nicht beruhigen. In Tokio ging der 225 Werte umfassende Nikkei am Freitag 6,1 Prozent schwächer bei 17.431,05 Zählern aus dem Handel - im Tagesverlauf hatte er zeitweise bis zu zehn Prozent verloren. Auf Wochensicht gab der Nikkei 16 Prozent nach - das ist der stärkste Kursrutsch seit der Finanzkrise 2008. Der MSCI-Index für die asiatischen Märkte ausserhalb Japans fiel auf den niedrigsten Stand seit 2017. Auch in China, wo sich die Coronavirus-Lage derzeit etwas entspannt, gaben die Kurse nach. Um ihre Verluste auszugleichen, trennten sich zudem einige Investoren von eigentlich als sicher geltenden Staatsanleihen. «Panik und Angst bestimmen den Handel», sagte James Tao, Analyst beim Brokerhaus Commsec. «Es ist eine der Situationen, in der es so viel Unsicherheit gibt, dass keiner so recht weiss, was er machen soll ... Viele entscheiden sich für Flucht, wenn die Alternativen Angriff oder Flucht sind.»

Erinnerungen an «Black Monday»

Der US-Leitindex Dow Jones verlor am Donnerstag fast 10 Prozent auf 21'200,62 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab 9,4 Prozent auf 7'201,80 Punkte nach und der breit gefasste S&P 500 büsste 9,5 Prozent auf 2'480,76 Punkte ein.

Fed reagiert mit Riesen-Finanzspritze auf Corona-Krise

Die US-Notenbank (Fed) stemmt sich mit gewaltigen Finanzspritzen gegen einen Zusammenbruch der Märkte infolge der Coronavirus-Krise. Die New Yorker Fed-Filiale kündigte an, diese Woche insgesamt 1,5 Billionen Dollar an Liquidität für Banken zur Verfügung zu stellen. Ausserdem werde sie im Rahmen ihrer monatlichen Wertpapierkäufe eine breite Palette von Staatstiteln erwerben. Zugleich würden Papiere mit anderen Laufzeiten gekauft. Der Schritt signalisiert, dass die Fed früher als bislang geplant auf in Krisenzeiten eingesetzte Instrumente zurückgreifen könnte.

Manche Analysten erwarten weitere aggressive Massnahmen der Dollar-Wächter zur Stimulierung der Wirtschaft und zur Stabilisierung des Finanzsystems. «Die Fed dürfte bald mehr tun, einschliesslich einer Zinssenkung auf wahrscheinlich null», prognostizierte Citi-Währungsstratege Ebrahim Rahbari. Die Notenbank hatte den Leitzins am 3. März überraschend um einen halben Punkt gesenkt - auf die neue Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent. An den Märkten wird zudem mit einer kräftigen Senkung beim regulären Zinsentscheid am 18. März gerechnet.

Die New Yorker Fed stellte am Donnerstag Banken im Rahmen eines sogenannten dreimonatigen Repo-Keschäfts Kredite über 500 Milliarden Dollar zur Verfügung. Zwei weitere im jeweils selben Volumen sollen am Freitag folgen, ein einmonatiges und ein dreimonatiges. Die Massnahmen seien auf Anweisung von Fed-Chef Jerome Powell und in Absprache mit dem geldpolitischen Ausschuss der Notenbank erfolgt. Sie führten kurzzeitig zu einer gewissen Erleichterung an der Wall Street.

Stand um 17:30 Uhr – schwarzer Tag für die Börse

Die Schweizer Börse hat diese Woche bereits ihre zweite drastische Talfahrt erlebt. Der wegen des Coronavirus von den USA verhängte Einreisestopp für die meisten Europäer sowie die «Untätigkeit» der Europäischen Zentralbank (EZB) liessen den hiesigen Leitindex SMI am Donnerstag bis Börsenschluss um 9,6 Prozent auf 8'270 Punkte einbrechen.

US-Präsident Donald Trump hatte am Vorabend angekündigt, die Grenzen für Reisende aus Europa für 30 Tage zu schliessen. Gleichzeitig warf er der EU vor, nicht genug gegen die Coronavirus-Krise getan zu haben. Bei Anlegern kam der Schritt äussert schlecht an.

Ebenfalls nicht beruhigen konnte die Investoren das Hilfspaket der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie. Die EZB hat am Donnerstag die Leitzinsen im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent belassen, wie sie bekannt gab.

Experten lobten zwar die Entschlossenheit der EZB-Präsidentin Christine Lagarde, gleichwohl hätten sich einige Fachleute aber ein beherzteres Vorgehen gewünscht. «Die EZB hätte noch mehr tun können», schrieb Jörg Zeuner, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Union Investment.

Nicht nur in der Schweiz, auch an den anderen Handelsplätzen ging es daher steil bergab, etwa in Deutschland, wo der Leitindex Dax um etwa 12 Prozent einbrach. Hier erinnerten die Dimensionen der Talfahrt an den höchsten prozentualen Tagesverlust auf Schlusskursbasis, den er Mitte Oktober 1989 in Reaktion auf den «Schwarzen Freitag» an der Wall Street erlitten hatte.

Bei den Währungen litt vor allem der Euro, der inmitten der heftigen Finanzmarktturbulenzen auf Talfahrt ging. So kostete die europäische Gemeinschaftswährung am Nachmittag noch 1,1090 US-Dollar. Am Morgen hatte sie noch über 1,13 Dollar notiert.

Auch zum Franken war die US-Währung deutlich im Plus. Der sogenannte «Greenback» gewann im Tagesverlauf mehr als einen Rappen und kletterte über die Marke von 0,95 Franken.

Überblick um 15:30 Uhr: Schock an den Börsen

Das überraschende US-Einreiseverbot für Personen aus Europa stürzt die internationalen Börsen in neue Turbulenzen und lässt Europas Börsen teils um mehr als zehn Prozent abstürzen. «Das ist eine massive Über-Reaktion von US-Präsident Donald Trump», sagte Ayush Ansal, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Crimson Black. «Die Volkswirtschaften und Finanzmärkte werden den Preis dafür bezahlen müssen.» Die Folgen könnten noch in Monaten, wenn nicht sogar Jahren spürbar sein. Auch Enttäuschung über die Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus drückte die Stimmung.

Der deutsche Dax fiel am Donnerstag um bis zu knapp elf Prozent auf ein Dreieinhalb-Jahres-Tief von 9308,15 Punkten und steuerte auf den zweitgrössten Tagesverlust seiner Geschichte zu. Der EuroStoxx50 stürzte ähnlich stark ab. Der US-Standardwerteindex Dow Jones brach um mehr als neun Prozent ein. Das ist der grösste Kurssturz seit dem «Schwarzen Montag» von 1987. Auch der Euro stand unter Verkaufsdruck, er verbilligte sich um ein Prozent auf 1,1152 Dollar.

Entgegen den Erwartungen beliess die EZB den Einlagenzins unverändert bei minus 0,5 Prozent. Sie kündigte aber die Aufstockung ihrer Wertpapierkäufe und Billig-Kredite für mittlere und kleinere Unternehmen an. «Das alles ist nicht falsch», sagte Otmar Lang, Chef-Volkswirt der Targobank. «Aber anders als früher sind Notenbankmassnahmen aktuell nur schmückendes Beiwerk, das keinen Turnaround bewirken kann. Die klassische Geldpolitik ist damit nicht am Ende – aber sie ist derzeit einfach nicht das richtige Mittel.»

Auch Dow Jones fast 10 Prozent im Minus

Der Kurssturz des Dow setzt sich fort. Der US-Leitindex fällt um mehr als 2000 Punkte. Er liegt mit 21.355 Zählern 9,3 Prozent im Minus, das ist das grösste Minus seit mehr als 32 Jahren.

An den Ölmärkten wird die Talfahrt immer rasanter. Die Nordseesorte Brent verbilligt sich um neun Prozent auf 32,57 Dollar je Fass.

Schweizer Börse stürzt um fast 10 Prozent ab

Die Furcht vor einem Absturz der Weltwirtschaft wegen der Coronavirus-Epidemie hat die Schweizer Börse am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Kurz vor 15 Uhr notiert der Leitindex SMI bei -9,6 Prozent auf 8'270 Punkten.

Der Handel an der Wall Street war nach einem Kursrutsch um 7 Prozent kurz nach dem Auftakt vorübergehend unterbrochen worden. Der von den USA verhängte Einreisestopp für die meisten Europäer beunruhigte die Anleger zusätzlich zur Corona-Pandemie.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial fiel zum Handelsstart um 7,35 Prozent auf 21'820,89 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 6,70 Prozent auf 2'557,65 Zähler abwärts.

In Europa hatte zuvor die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent belassen. Das hatte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt entschieden.

Gold und Italien-Bonds im Ausverkauf

Der Goldpreis gibt nach, eine Feinunze (31 Gramm) kostet mit 1581,18 Dollar 3,3 Prozent weniger. Viele Investoren verkauften derzeit ihre Gold-Bestände, um Verluste in anderen Bereichen auszugleichen, sagt Alexander Zumpfe, Goldhändler bei Heraeus.


Investoren flüchten aus Italiens Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Bonds steigt im Gegenzug um 33 Basispunkte auf 1,52 Prozent. Das ist der höchste Stand seit sieben Monaten. Ein ähnliches Bild in Portugal: dort zieht die Rendite der zehnjährigen Papiere um 21 Basispunkte auf 0,59 Prozent an.

Handel in den USA ausgesetzt

Nach grossen Verlusten bei Eröffnung der US-Börsen wurde der Handel erneut gestoppt.

Blitz-Einschätzung zur EZB

Die Entscheide der Europäischen Zentralbank lassen vermuten, dass sie sich ihrer eingeschränkten Möglichkeiten in der aktuellen Lage bewusst ist. Not tut vor allem eins: Es muss ausreichend Liquidität bereit stehen, wenn Unternehmen wegen Produktionsausfällen oder einbrechender Nachfrage ihre Rechnungen nicht mehr begleichen können.

Damit Banken ihre Kredite aufrechterhalten oder weitere vergeben können, stellt ihnen die EZB ihrerseits verbilligte Kredite zu diesem Zweck zur Verfügung. Diese Programme will sie nun ausdehnen und weiter verbilligen. Um ein Austrocknen der Liquidität (salopp gesagt bedeutet das: alle horten Geld) erhöht sie auch die Anleihenkäufe.

Die Zinsen lässt sich unberührt. Der Grund dafür dürfte sein, dass diese - so tief wie sie bereits sind - kaum mehr Wirkung entfalten, der Übertragungsmechanismus zu lange dauert und das den Banken schaden könnte. Die Pressekonferenz von EZB-Chefin Christine Lagarde wird mehr Klarheit bringen. (Markus Diem Meier)

REUTERS/SDA