Eine Reise durch die Tierwelt

Köniz

Seltsame Kreaturen tummeln sich neben bekannten Tierarten im Galerieraum von Proiectum in Köniz. Maja Wagner hat mit Kathrin Racz einen lange gehegten Wunsch erfüllt: eine Ausstellung zum Thema «Mein Tier».

Hirschporträt mit unkonventionellen Farben von Maja Wagner.

(Bild: zvg)

Die beiden Künstlerinnen sind in Bern keine Unbekannten: Maja Wagners Grashüsli auf dem Casinoplatz war gut sicht- und hörbar, während Kathrin Raczs expressive Malerei unlängst ein Gastspiel in der Galerie DuflonRacz hatte. Nun haben sie Kunstschaffende zu einer Gruppenschau eingeladen. Als Kuratorinnen sei ihnen «ein guter Mix aus Malerei, Zeichnung, Fotografie und Plastik wichtig gewesen», wie sie betonen. Die Arbeiten überzeugen zudem durch vielseitige und überraschende Herangehensweisen an das Thema.

Vom Hirsch zum Fantasietier

Zu finden sind filigran gezeichnete Echsen von Eli Geiser, die auf Birkenrinde herumkraxeln. Dietmar Ludewig stapelt die Bremer Stadtmusikanten auch in einer afrikanischen und asiatischen Version auf. So türmen sich auf dem Rücken eines Elefanten weitere Tiere, die man bei uns bestenfalls im Zoo findet. Auf ein einheimisches Wildtier setzt hingegen Wagner: Sie malt Hirschporträts und sorgt mit einer unkonventionellen Farbwahl für Verfremdung; ebenso durch Gesichtszüge, die teilweise ins Menschliche kippen. Tiere, die menschlichen Tätigkeiten nachgehen, gehören ins Reich der Märchen und sind auf den Zeichnungen und Siebdrucken von Jeanette Besmer und Caroline Singeisen zu finden. Haustiere dagegen spielen in der Ausstellung kaum eine Rolle. Selbst der Hund, der treue Freund und Begleiter des Menschen, kam nur in den Kurztexten vor, die bei der Eröffnung vorgetragen wurden.

Die private Tierhaltung reizt die Künstler offensichtlich wenig. Lieber nutzen sie die Narrenfreiheit zur Erforschung weniger bekannter Lebewesen oder erfinden eine neue Spezies. Elisabeth Zahnds Fotografien führen in die Unterwasserwelt zu den Fischen, während Sylvia Hostettlers Gebilde aus Silikon an Korallen auf dem Meeresgrund erinnern. Objekthaft gewordene Fantasie sind die aus Knochenteilen gefertigten, makabren und zugleich anmutigen Insekten von Johanna Schaible. Gehört hat von denen zuvor noch niemand, ebenso wenig wie von den bunten, überdimensionierten Parasiten, die Racz durch die Lüfte schwirren lässt.

Unverkrampfter Umgang

Die in der Ausstellung versammelten Werke weisen einen unverkrampften Umgang mit einem Thema auf, das kunstgeschichtlich bis auf die flämischen Jagdstillleben im 17.Jahrhundert zurückgeht. Trotzdem werden keine abgestumpften Traditionen von Tierdarstellungen aufgegriffen. Letztlich liegt die freie Ausdeutung des Themas ganz im Sinne von Ralph Dutli, dem Verfasser der Biografie über den russischen Dichter Ossip Mandelstam (1891– 1938) mit dem Titel «Meine Zeit, mein Tier». Ebendieses Buch hat Maja Wagner zur Ausstellung inspiriert.

Ausstellung: bis 28.Februar 2014, Proiectum, Sägestrasse 75, 3098 Köniz; Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Kommentare
Loading Form...