Bombastisches aus dem Auenland

Ein Kinderbuch wird zum Epos: «The Hobbit: An Unexpected Journey» überzeugt jedoch nur teilweise.

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Ab Donnerstag sind die Hobbits wieder unterwegs.

(Bild: zvg)

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Willkommen zurück im Auenland. In dieser Swissminiature-artigen Landschaft mit den putzigen Wohnhöhlen begann einst Peter Jacksons «Lord of the Rings»-Trilogie (2001–2003). Und hier beginnt nun auch Jacksons «Hobbit»-Trilogie.

Gemächlicher Beginn

Aber Vorsicht: Der erste Teil «The Hobbit: An Unexpected Journey» bietet keine Rundumüberwältigung, obwohl eine fanfaren- und streichergesättigte Tonspur solches verspricht. Stattdessen spazieren wir gemächlichen Halblingsschrittes los – und treffen bald auf Bilbo Baggins (Martin Freeman).

Dieser, ein Ausbund an Selbstzufriedenheit, schmaucht in seinem Vorgarten ein Pfeifchen, wünscht Zauberer Gandalf (Ian McKellen) einen Guten Morgen und kehrt ihm den Rücken, ohne dass erzählerisch Nennenswertes passiert. Auch als sich Baggins’ Heim mit 13 Zwergen füllt, die ihm die Vorratskammer leeren, bleibt die Dramaturgie dünn wie ein Zahnstocher.

Appetit macht erst ein Trio von Trollen, das den aufgebrochenen Heldentrupp am liebsten am Grillspiess verzehren würde. Nun ist es an Bilbo Baggins, mittels Mut und List zum umsichtigen Helden heranzureifen. Warum? Richtig, dem Zwergenkönigssohn Thorin (Richard Armitage) wurde das Reich Erebor vom goldgierigen Drachen Smaug geraubt – und dieses Reich soll jetzt zurückerobert werden.

Vergessener Held

Tolkiens «Hobbit» ist ein Klassiker der Kinderliteratur. Um daraus ein Kinoepos zu formen, rücken Regisseur Jackson und seine Co-Autoren Fran Walsh, Philippa Boyens und Guillermo del Toro die Themen Heimatliebe und Gemeinschaftssinn ins Zentrum. Mit durchzogenem Ergebnis: Hauptfigur Bilbo Beutlin gerät zwischendurch aus dem Fokus, die Zwerge bleiben (abgesehen von Thorin) eine undefinierbare Masse, und das grosse Drama wird zwei Stunden lang behauptet, aber nicht aufgeführt.

Orks aus der Vorhölle

Dies ändert sich erst, als die Zwergenschar in einer an Hieronymus Bosch und Giovanni Batista Piranesi gemahnenden Vorhölle eine Übermacht von Orks niederringt. Und als zugleich Bilbo Baggins mit der abstossend-faszinierenden Mischkreatur Gollum (Andy Serkis) ein Quiz auf Leben und Tod spielt. Da erhält der atemberaubende Klang- und Bilderbombast mit Landschaftsaufnahmen aus Neuseeland seine volle Berechtigung. Und weckt nach 166 Filmminuten die Lust auf mehr.

«The Hobbit: An Unexpected Journey»:Ab Donnerstag, 13.12. im Kino. Im neuen HFR-Format (mit 48 statt 24 Bildern pro Sekunde) im Pathé Westside, Bern, und im Apollo, Biel.

Berner Zeitung

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