Vom Kartoffellager zum Kulturkeller

Die Ausstellung «Bern unter – Kunst und Kultur im Keller» beschäftigt sich mit der Geschichte des Kulturlokals an der Kramgasse. Für drei Monate wird das Ono zugleich Ausstellungsraum und Ausstellungsgegenstand sein.

Die Macher: Kuratorin Barbara Keller und der künstlerische und administrative Leiter des ONO, Daniel Kölliker, im Zuschauerraum.

Die Macher: Kuratorin Barbara Keller und der künstlerische und administrative Leiter des ONO, Daniel Kölliker, im Zuschauerraum. Bild: Susanne Keller

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Nach dem Zweiten Weltkrieg seien Berns Altstadtkeller zwar noch von geschälten Baumstämmen verstellt gewesen und der Weg zu Kohlen, Kartoffeln und Apfelhurden verwehrt. Bald jedoch seien Käse, Wein und anderes ausgelagert worden und die Keller frei gewesen für Neues. So schreibt es Kulturredaktor Fred Zaugg in der zur Ausstellung «Bern unter – Kunst und Kultur im Keller» erscheinenden Broschüre. «Es muss eine Einsicht haften geblieben sein, dass Keller Gemeinschaft zu fördern vermögen, dass Tiefe nicht mehr Verliess bedeuten muss, sondern Öffnung verheissen kann.»

Den Raum im Blick

Einer dieser Keller ist derjenige an der Kramgasse 6. Seit mehr als fünfzig Jahren wird in den steinernen Räumlichkeiten Kultur gemacht. Zuerst im Kleintheater Kramgasse 6 und seit sieben Jahren im Ono. Ab dem kommenden Sonntag werden die alten Mauern sowohl Ausstellungsraum als auch Ausstellungsgegenstand sein. Kuratorinnen sind die ehemaligen Studentinnen der Zürcher Hochschule der Künste Barbara Keller und Bettina Riedrich. Die Ausstellung setze sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Raumes auseinander, sagt Keller.

Nach Kartoffeln die Kunst

Interessantes findet sich bereits vor Ausstellungseröffnung auf den in der Broschüre gezeigten Fotos. Die Zeitzeugen zeigen unter anderem das ehemalige Kleintheater Kramgasse 6, dass 1953 von Edmée Angst, einer Berner Antiquarin, als erstes komplettes Kellertheater eingerichtet wurde. Paul Roland mit dem «Tribünchen» und Thomas Nyffeler mit der «Studiobühne» waren von Beginn an mit dabei. Theatermensch Nyffeler schenkte der Stadt schliesslich mit der Eröffnung des Kleintheaters eine Adresse, unter der grosse Namen zu finden waren. Einer davon ist Daniel Spoerri (Tänzer und Regisseur), der die deutschsprachige Erstaufführung von Picassos «Les désirs pris par la queue» wagte.

«Wie man Wünsche am Schwanz packt» wurde mit namhaften Schauspielern und der Künstlerin Meret Oppenheim aufgeführt. Zu den Stammgästen im Kleintheater gehörten auch Clown Dimitri oder Harald Szeemann, international bedeutender Ausstellungsmacher. Der Höhepunkt sei die Inszenierung von Wolfgang Borcherts «Draussen vor der Tür» gewesen, schreibt Zaugg weiter. Und nennt im Keller interpretierte Stücke der Autoren Goetz, Handke, Beckett, Genet, Brecht, Dürrenmatt und Sartre.

Im Jahr 2003, fünfzig Jahre nach Eröffnung des Kleintheaters, liess der ehemalige Filmschaffende Daniel Kölliker den Keller umbauen und verwandelte ihn ins Ono, das zugleich Bühne, Galerie und Bar ist. Seit sieben Jahren ist er dessen künstlerischer und administrativer Leiter. Für Kölliker ist klar: «Dem Mainstream fühlen wir uns nicht verpflichtet. Wir erstreben ein vielseitiges und innovatives Programm.» Mit rund dreihundert Anlässen im Jahr ist das Ono somit eine Bereicherung der Berner Kulturlandschaft. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.01.2011, 08:05 Uhr

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