«Das wird viele wachrütteln»

Grünen-Chefin Regula Rytz glaubt, viele Leute würden nun über den Rechtsruck erschrecken. Sie will, dass ihre Partei mehr über Wirtschaftspolitik spricht.

Sie haben keine Zweifel an ihrer Repräsentation der Grünen: Adèle Thorens und Regula Rytz (09.11.2015)

Sie haben keine Zweifel an ihrer Repräsentation der Grünen: Adèle Thorens und Regula Rytz (09.11.2015)

(Bild: Keystone Walter Bieri)

Die Grünen haben in Zürich die dritte Niederlage in Serie erlitten. Was machen Sie falsch?
Das Resultat ist eine schmerzliche Niederlage, ganz klar. Wir haben gute Leute und Lösungen, die auch in Volksabstimmungen Mehrheiten finden. Aber der Fukushima-Effekt, der vor vier Jahren die Dringlichkeit der Energiewende zeigte, ist weg. Und seit dem 15. Januar, als die Nationalbank die Frankenuntergrenze aufhob, dominieren Wirtschaftsthemen. Die Ökologie gerät ins Hintertreffen. Wir wussten, dass es ein schwieriger Wahlkampf wird – wenn mich das Ausmass der Verluste jetzt auch erstaunt.

Die Grünen sind also vor allem Opfer der Umstände, mit Programm und Köpfen ist aber alles in Ordnung?
In den letztjährigen kantonalen Wahlen ging es wieder vorwärts. Erst seit Januar hat sich dies geändert.

Zürcher Wahlen gelten als Gradmesser für das, was bei den nationalen Wahlen geschehen wird. Rechnen Sie mit dem Schlimmsten?
Der bedenkliche Rechtsrutsch im Kanton Zürich hat zumindest etwas Gutes. Die Stimmbeteiligung war sehr tief – jetzt können die Leute sehen, zu was es führt, wenn sie der Urne fernbleiben. Sie wissen auch, dass im Herbst die Wahl einer rückwärtsgewandten Schweiz droht, die sich abschottet und in den sozialen und ökologischen Fragen auf die Bremse steht. Diese Aussicht wird viele wachrütteln.

Tönt nach Prinzip Hoffnung . . .
Es gibt durchaus Lehren, die wir aus dem Zürcher Wahlkampf ziehen. Die Leute haben seit dem 15. Januar mehr Angst um ihren Arbeitsplatz. Wir müssen stärker zeigen, dass die Energiewende lokale Arbeitsplätze sichern und neue schaffen kann.

Sie möchten sich wirtschaftspolitisch besser verkaufen?
Ja, ökologische Reformen machen auch wirtschaftspolitisch Sinn. Denken Sie an die Energiewende, die zum Beispiel für das Ausbaugewerbe eine grosse Chance ist. Der Rechtsrutsch ist aber auch sozialpolitisch bedenklich: Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie da etwa eine AHV-Reform herauskommen könnte.

Sind Sie immer noch der Meinung, Ihr Parteiführungsmodell mit Ihnen und Co-Präsidentin Adèle Thorens sei richtig – trotz fehlender Repräsentationsfigur?
Wir repräsentieren beide die Grünen. Dieses Modell stimmt für uns.

Auch die Grünliberalen verlieren. Müssten Sie im Interesse der ökologischen Sache die alte Fehde nicht begraben – und sich wieder zusammenschliessen?
Wir werden in ökologischen Fragen sicher auch mit den Grünliberalen weiter zusammenarbeiten. In der Sozial- und Wirtschaftspolitik sind unsere Differenzen aber sehr gross. Überlegungen zu einem Zusammenschluss sind da nicht angebracht.

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