Marder, Mäuse und Möwen

Für die Sommerserie Stadt-Land schreiben drei Redaktorinnen über ihren Wohnort. Heute Claudia Salzmann über Tiere in der Stadt.

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In der hinteren Lorraine ist der geeignete Ort, um Katzen zu halten. Unsere zwei sind Brüder, heissen Neko (japanisch für Katze) und Koschka (russisch für Katze). Und mit den Katern haben wir auch Mäuse. Wenn wir mitten in der Nacht in der Wohnung versuchen, eine zu fangen, hoffe ich immer, dass kein Nachbar uns beobachtet und denkt, wir seien wahnsinnig.

Die hintere Lorraine ist sowieso ein halber Zoo. Die Nachbarn betreiben «urban chickening», haben also Hühner, am Hang grasen Pro-Spezie-Rara-Geissen, im Garten leben Marder, die nachts von Füchsen geschnappt werden und herzzerreissende Todesschreie von sich geben. Oder einmal bemerkte eine Freundin: «Was für eine Geräuschkulisse! All diese Vögel, die man hier hört.»

Sie selber wohnt an der gleichen Strasse weiter oben, und dort höre man praktisch keine. Im Gezwitscherkonzert fallen mir vor allem die Möwen auf, die auch Gefallen an der Aare finden und sich hier niedergelassen haben. Von ihnen lasse ich mich gern täuschen, dass wir am Meer leben.

Von den Möwen lasse ich mich gerne täuschen, dass wir am Meer leben.

Möwen, Marder, Mäuse – das ist ja nichts Aufregendes. Doch vor einiger Zeit war mein Partner in heller Aufruhr. «Wir haben einen Dachs im Garten», rief er. Um ein Geräusch zu eruieren, hatte er draussen das Licht angemacht, und der Dachs habe ihn attackiert. Sagte er, nur glaubte ihm niemand.

Auch ich dachte, er übertreibe, bis wir eine Woche später im Garten sassen, und siehe da: Ein ausgewachsener Dachs besuchte uns, um die heruntergefallenen Kirschen zu essen. Kaum leuchteten wir mit der Lampe in seine Richtung, verschwand er. Doch mein Partner schaffte es, ihn fotografisch festzuhalten, damit ihm seine Freunde endlich Glauben schenken. Einige Tage später sah es so aus:

(Berner Zeitung)

Erstellt: 02.08.2017, 10:14 Uhr

Die Haustüre der Stadtbewohnerin. (Bild: cla)

Stadt? Land? Oder Agglo?

In dieser Rubrik schreiben drei Redaktorinnen abwechselnd über ihren Wohnort. Claudia Salzmann lebt mit ihrem Partner in einer Wohnung in der Berner Lorraine, Marina Bolzli mit ihrer Familie in einem Bauernhaus in Zimlisberg bei Rapperswil und Mirjam Messerli mit ihrem Mann in einem Reihenhaus in Hinterkappelen.

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