Die Heilsarmee steht in der Kritik

Niederscherli

Die unterirdische Notunterkunft geht in den zweiten Winter, und umso lauter fordern die Freiwilligen für die Asylbewerber einen Raum mit Tageslicht. Doch so einfach geht das nicht.

Die unterirdische Notunterkunft Niederscherli.

Die unterirdische Notunterkunft Niederscherli.

(Bild: Andreas Blatter)

Der Ton ist harsch, die Kritik unüberhörbar. Im jüngsten Newsletter informieren die im Verein Offenes Scherli tätigen Freiwilligen über ihre Arbeit für die Asylsuchenden in der Notunterkunft Niederscherli, und sie halten fest: Nach wie vor müssen die knapp 90 jungen Männer ihren Alltag vorab unter Tag verbringen. Gerade jetzt, da es auf den zweiten Winter in der Zivilschutzanlage zugehe, sei das belastend.

Der Verein hat sich zwar auf die Suche nach einem Raum mit Tageslicht gemacht, doch nach wie vor steht einzig das Kirchgemeindehaus stundenweise zur Verfügung. Dieses für den Deutschunterricht so wichtige Gebäude steuert erst noch auf einen grossen Umbau zu, kurz: «Das Raumproblem spitzt sich weiter zu.»

In der Pflicht sieht der Verein neben dem Kanton die für den Betrieb der Unterkunft verantwortliche Heilsarmee. Dies umso mehr, als sich eine Alternative gerade in Luft auflöst: Nach längeren Abklärungen hatte man im Dorf leere Gewerberäume gefunden, doch nun erwiesen sich die 2000 Franken Monatsmiete als Stolperstein.

Der Kanton habe ein Gesuch abschlägig beantwortet, heisst es im Newsletter weiter, und: «Besonders ärgerlich» sei, dass das Nein nicht nur mit einer möglichen Schliessung der Un­terkunft im nächsten Jahr begründet werde.

Sondern auch mit dem Deutschunterricht, den die Heils­armee laut Leistungsvertrag leiste – dabei werde doch diese Arbeit voll und ganz von den Freiwilligen übernommen.

Generell knapp bemessen

Plötzlich steht die Frage im Raum: Ob nicht die Heilsarmee einspringen müsste? Immerhin erhält sie vom Kanton für ihre Aufwände eine Globalentschädigung. Wenn sie Geld einstreicht und dafür nichts tut, steht sie nur zu rasch als Profiteurin da.

Diesen Verdacht weist Dominik Wäfler im Namen der Heilsarmee weit von sich. Der Bereichsleiter steht im Aufenthaltsraum der Notunterkunft und gibt zu Protokoll: Klar, ideal sei ein Umfeld mit kahlen Betonwänden und ohne Tageslicht sicher nicht. Und klar, die Heilsarmee sei froh, wenn die Kirche oberirdische Räume zur Verfügung stelle.

Nicht verstehen könne er dagegen, wieso die Deutschlektionen gleich ausfallen müssten, wenn das Kirchgemeindehaus mal anderweitig belegt sei. Der Aufenthaltsraum lasse sich sehr wohl zum Schulzimmer umfunktionieren.

Dann verteidigt er den Unterricht durch die Freiwilligen. Dank ihres Engagements machten sich die Asylbewerber über längere Zeit und viel nachhaltiger mit der Sprache und den Gepflogenheiten der Schweiz bekannt.

Früher habe die Heilsarmee diese Aufgabe selber wahrgenommen, doch die Asylbewerber hätten viel weniger profitiert. «Wir konnten nur rudimentäre Kenntnisse vermitteln, und sie hatten so kurz nach der Ankunft ihren Kopf ganz woanders.»

Im Hintergrund engagiere sich die Heilsarmee übrigens nach wie vor in diesem Bereich. Allein auf der Geschäftsstelle seien zwei Angestellte mit den Freiwilligen beschäftigt. Schliesslich gibt Wäfler zu bedenken, dass die Gelder im Asylbereich generell knapp bemessen seien.

Deshalb müsse auch die Heilsarmee bei der Miete der Gewerberäume passen. 2000 Franken pro Monat für nur einen Standort sei zu viel. Vielleicht ergebe sich aber bald eine andere Möglichkeit. Mit der Gemeinde rede man über eine Öffnung der Schule.

Freiwillige müssen warten

Trotzdem bleibt der Verein bei seiner Kritik, wie Präsident Jürg Schneider sagt. Zumal der Raummangel neue Angebote verhindert: «Wir hätten Freiwillige, die nähen, mit den Asylsuchenden Gymnastik machen möchten. Sie müssen warten.»

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