Der Abstieg war das Beste, was den Tigers passieren konnte

In den letzten zwei Saisons haben die Langnauer gelernt, wie man gewinnt. Aus der Verlierermannschaft, die sich an Niederlagen gewöhnt hatte, ist eine Siegerequipe geworden.

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Philipp Rindlisbacher

Was war das Beste, was den SCL Tigers passieren konnte? Der Abstieg in die Nationalliga B! In den letzten zwei Saisons haben die Langnauer gelernt, wie man gewinnt. Aus der Verlierermannschaft, die sich an Niederlagen gewöhnt hatte, ist eine Siegerequipe geworden. Zweite Spielklasse hin oder her – der Glaube an die eigenen Fähigkeiten hat massiv zugenommen. Nicht zufällig spielte das Team in der entscheidenden Phase so stark wie zuvor den ganzen Winter nicht.

Was sind die Gründe für den Tigers-Aufstieg? Trotz der Entlassung von Geschäftsführer Roland Wyss gab es nach manch turbulentem Jahr für einmal keine internen Querelen, keine Machtkämpfe zwischen Trainer und Sportchef, keine Konflikte zwischen dem Präsidenten und dem Leiter der Geschäftsstelle. Der Verein kam zur Ruhe und wählte bewusst forsche Töne: Der Gewinn der Qualifikation und des NLB-Titels wurde als Pflicht betrachtet, der Aufstieg als Ziel vorgegeben. Das Team, welches per se im Verdacht stand, dem Schlendrian zu verfallen, benötigte diesen Druck, der durch ein Bonus-Malus-Lohnsystem zusätzlich erhöht wurde.

Überdies war es ein kluger Schachzug, Jörg Reber als Sportchef Verantwortung zu geben. Als Spieler hatte er mit Biel lange Zeit um den Aufstieg gekämpft; er wusste daher, was es für die Rückkehr in die NLA brauchen würde. Oft wurde er dafür kritisiert, das Team im Verlauf der Saison kaum verstärkt zu haben. Letztlich war dies der Schlüssel zum Erfolg: Das Gefüge wurde nicht durcheinandergebracht, jeder behielt seine Rolle. Der Kitt im Team ist sogar besser als in der Playoff-Saison 2010/2011.

Was geschieht mit dem Trainer? Reber trat vors Team, als er es für angebracht hielt. Das war, als im Januar die Formkurve nach unten zeigte, und im Playoff-Final, als Olten 3:2 führte. Bengt-Ake Gustafsson seinerseits setzt nicht auf aktives Coaching, sondern auf die Eigenverantwortung der Profis. Von Spielern wurde er gar aufgefordert, mehr Taktik zu unterrichten. Gustafsson hatte Schweden zu WM- und Olympiagold geführt, zweifelsfrei ist er ein Meister seines Fachs.

Die Tigers beendeten die Qualifikation mit 23 Punkten Vorsprung, wurden NLB-Meister, siegten in der Ligaqualifikation 4:0, gewannen 51 von 67 Partien – mehr Erfolg geht kaum. Kann es sich der Klub also erlauben, den Vertrag mit dem Trainer nicht zu verlängern? Ja, das kann er. In der NLA wird das Team eher früher als später in Schwierigkeiten geraten, dannzumal wird ein autoritärerer, härterer Führungsstil gefragt sein. Und es braucht jemanden, der sich aktiver mit der Konkurrenz und dem eigenen Nachwuchs auseinandersetzt. Allerdings wäre es für die Verantwortlichen kein Leichtes, die (durchaus mögliche) Trennung zu erklären.

Was für eine Rolle wird Langnau in der NLA spielen? Die Saison 2015/2016 wird zur riesigen Herausforderung. Das Gerüst muss bestehen bleiben, die Mannschaft aber zwingend verstärkt werden. Die meisten Profis mit NLA-Format jedoch haben längst bei der Konkurrenz unterschrieben. Zwei Ausländer, ein Goalie und eine Handvoll Schweizer Feldspieler dürften engagiert werden, Stürmer Ewgeni Schirjajew von Martigny wird zum Team stossen. Und mit Reto von Arx bestehen lose Kontakte. Die finanzielle Situation hat sich massiv verbessert, in dieser Saison wurde ein Überschuss von schätzungsweise 500'000 Franken erwirtschaftet.

Nichtsdestotrotz werden sich die SCL Tigers damit abfinden müssen, in den hinteren Tabellenregionen platziert zu sein. Die Aussichten, mittelfristig in der besten Liga mitzuspielen, sind so schlecht aber nicht. Diskussionen über die Langnauer Daseinsberechtigung in der NLA sind ohnehin überflüssig. Der Zuschauerdurchschnitt war selbst in der zweithöchsten Spielklasse höher als in Ambri-Piotta, Biel, Davos und Rapperswil-Jona. Und: Am Dienstag wurde bei Google Schweiz am zweithäufigsten nach den Tigers gesucht.

p.rindlisbacher@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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